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CD-Besprechung

J. Foulds

Warner Classics 1 CD 2564 62999-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 22.05.06

Warner Classics 2564 62999-2

1 CD • 62min • 2006

Als ich mir die erste dieser CBSO-Produktionen zu Gemüte führte, schrieb ich sinngemäß, daß John Foulds (1880-1939) womöglich ein fehlendes Bindeglied zwischen dem Gefüge jugendstilistisch-symbolistischer Strömungen und modernerer Tendenzen gewesen sei. Und wörtlich: „Foulds muß über ein immenses Sensorium verfügt haben. Keltisches gelangte nicht nur in seine unterhaltenden Piècen, sondern auf wundersamen Wegen auch in die ,seriösen‘ Partituren, Einflüsse aus den verschiedensten Kulturkreisen schienen sich förmlich über seinem Haupt zu sammeln, und so war es letztlich nur konsequent, daß er endlich auch Indien für sich entdeckte ...”

Nun enthält auch das neue Booklet wieder einige rührend-aufschlußreiche Erinnerungen von Major John Patrick Foulds, dem Sohn des Komponisten. Und dieser weiß von der clairaudience, den „hellhörerischen” Fähigkeiten seines Vaters zu berichten, mithin jenem tatsächlich vorhandenen Sensorium, das es ihm erlaubte, seine mentalen Tentakel gewissermaßen weit in die tönenden Sphären zu schlagen und all dessen habhaft zu werden, was sich schließlich auf dem Notenpapier niederschlug. Man könnte auch sagen: Er verstand seine Schaffensprozesse, zumindest, wenn sie nicht dem Broterwerb der musikalischen Alltagsware galten, als ein Erlauschen, ohne daß man ihn deswegen der gezielten Kopiatur würde zeihen können, wie das für Gustav Mahler gilt, den berühmtesten „Empfänger” diktierter Botschaften (in dessen Fall es freilich angeraten ist, ganz euphemistisch von bedeutungsvollem Zitieren zu sprechen).

Wie sehr Foulds mal im Trend seiner Zeit, mal über diesen hinaus „hellhörte”, wie sehr er schließlich auch aus historischen Schichten Hörenswertes zutage förderte, zeigte bereits die erste CD in aller Deutlichkeit. Insofern ist hier – wo dasselbe Orchester und derselbe Dirigent aktiv sind wie vorher – über die künstlerische Seite wenig neues zu sagen. Das Engagement kann sich mit der Vorgängerveröffentlichung leicht messen, die Werkauswahl reicht wieder vom Avancierten bis zum Echo aus den indischen Provinzen (konkret: The Song of Ram Dass) und darüber hinaus bis zu einem jener keltischen Leckerli, die einem die Plomben aus der Fassung ziehen: Hätte es ein Abenteuer für Lex Barker und Pierre Brice auf der Grünen Insel gegeben, die beiden hätten unbedingt zu den Tönen des Keltic Lament übers Land reiten müssen, so schön ergreifend ist das!

Doch glücklicherweise steht diese schmachtende Piece, die in einem Album mit British Light Music besser aufgehoben wäre, ganz am Ende des Programms, und sie mag als zuckersüße Zugabe durchgehen, nachdem die vorherigen 55 Minuten recht eindrucksvolle Dinge ans Licht gebracht haben: Die dritte Gruppe der Music-Pictures – vier entzückende Sätze nach Bildern englischer und französischer Maler des 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts – geht mit einem von Paul-Émile Boutignys Le Tocsin (Die Sturmglocke) angeregten Satz zu Ende, der atmosphärisch neben der Berlioz’schen Marche au supplice dahinschmettert, will sagen, einer jener historischen Schichten sein Dasein verdankt, in die Foulds’ Clairaudience hineinlangte. Das markanteste und aufregendste Werk ist freilich das Dynamische Triptychon für Klavier und Orchester, ein Klavierkonzert, das ganz anachronistisch für den Solisten der Aufnahme hätte geschrieben sein können – ungeheuer virtuos, im Mittelsatz gespickt mit raffiniertesten Glissando-Effekten der Streicher, insgesamt auf derselben Welle wogend wie der Bartók des zweiten Klavierkonzerts und alles in allem gewiß ein Stück, das, wofern einige mutige Spieler sich dafür einsetzen wollten, vermutlich einen Platz im Repertoire ergattern dürfte. Erstklassig!

Rasmus van Rijn [22.05.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Foulds Dynamic Triptych op. 88 für Klavier und Orchester (1927/1929)
2 April - England op. 48 Nr. 1 (Impressions of Time and Place No. 1, 1926/1932)
3 Music-Pictures Group III op. 33 (1912)
4 The Song of Ram Dass (1935)
5 Keltic Lament op. 29 Nr. 2

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
City of Birmingham Symphony Orchestra Orchester
Sakari Oramo Dirigent
 
2564 62999-2;0825646299928

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