Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Stephen Heller

Works for Piano

Hungaroton HCD 32400

1 CD • 61min • 2005

25.04.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Zuweilen sind die Begleittexte einer CD-Publikation interessanter als die akustische Mitteilung. Diesen Eindruck darf ich den Lesern dieser Zeilen weitergeben, denn die Lebensgeschichte, die freundschaftlichen und fachlichen Verbindungen des aus Pest stammenden Stephen (István) Heller (1813–1888) spiegeln die Wünsche, die Wirrungen und Glückseligkeiten eines Künstlerlebens, wie es anscheinend nur im 19. Jahrhundert so schillernd gelebt und erlebt werden konnte. Allein die mit Heller in Kontakt stehenden Zeitgenossen bestätigen beste Kinderstube und im Folgenden erlesene Erwachsenenbekanntschaft: Czerny, Liszt, Schumann. Robert Schumann war es auch, der sich über Hellers (damals unveröffentlichte) Goethe- und Heine-Lieder enthusiastisch äußerte. Als Beweis seiner Wertschätzung nahm Schumann den aus einer westböhmisch jüdischen Familie stammenden Heller in seinen imaginären „Davidsbund“ auf. Unter dem Pseudonym Jeanquirit schrieb Heller – auf Bitten von Schumann – von Augsburg aus für die „Neue Zeitschrift“.

Die von Ilona Prunyi eingespielten Stücke sind leider für eine Stunde der Beleg, dass Heller nicht mehr als hübsche, meist laue Klavierformalitäten hinterließ – saftlos in den Themenstellungen, wässrig in den Durchführungen des gewählten Materials. Es handelt sich um Salonmusik im problematischsten Sinne, denn noch nicht einmal der gewandte Virtuose wird ein paar leerläufige, aber doch glitzernde Passagen ausfindig machen. Schumanns Begeisterung ist heutzutage schwer nachzuvollziehen. Indes: eine bewährte Technik ist es unter Kollegen, jenen in den Himmel zu heben, der einem nicht schaden kann – also keine echte Konkurrenz darstellt. Ein Einwand liegt auf der Hand: Brahms – von Schumann und seiner Frau geschätzt, ja geliebt – war ein paar Grade begabter als Stephen Heller und wurde uneigennützig gefördert. Wie auch immer: Ilona Prunyi sind diese Aufnahmen zu danken im Sinne einer musikphilologischen Publikumsbetreuung. Aber dieses Publikum wird Hellers schwachbrüstige Polonaisen, seine seichten, matt wasserfarbigen Barcarolles zur Kenntnis nehmen, um sie schleunigst und endgültig zu archivieren.

Peter Cossé † [25.04.2006]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Stephen Heller
1Polonaise op. 132 Nr. 2 – Allegro non troppo
2Impromptu op. 129 Nr. 2 – Molto vivace
3Impromptu op. 129 Nr. 1 – Moderato
4Ballade op. 121 Nr. 1 – Allegretto con moto
5Conte op. 121 Nr. 2 – Allegretto con moto
6Rêverie de Gondolier op. 121 Nr. 3 – Con moto
7Intermède de Concert op. 135 Nr. 1 – Allegro non troppo
8Barcarolle op. 141 Nr. 1 – Con moto
9Barcarolle op. 141 Nr. 2 – Moderato
10Intermède de Concert op. 135 Nr. 2 – Allegro non troppo
11Sérénade op. 56 – Pas trop vite
12Polonaise op. 132 Nr. 1 – Moderato

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

08.06.2005
»zur Besprechung«

 / Hungaroton
/ Hungaroton

Das könnte Sie auch interessieren

01.04.2004
»zur Besprechung«

Ernő Dohnányi, Piano Music Vol. 2 / Hungaroton
Ernő Dohnányi, Piano Music Vol. 2 / Hungaroton

01.07.2001
»zur Besprechung«

 / Naxos
/ Naxos

01.03.2001
»zur Besprechung«

 / Naxos
/ Naxos

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige