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CD-Besprechung

Challenge Classics CC72147

2 CD • 2h 07min • 2000, 2001, 2002

02.05.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Johann Wilhelm Wilms (1772-1847) sei, so heißt es am Anfang des Einführungstextes, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der „belangrijkste”, sprich: bedeutendste Komponist der Amsterdamer Musikwelt gewesen. Das will ich gern glauben, nachdem ich mir die vier hier veröffentlichten Sinfonien aus der Zeit von etwa 1805 bis 1819 mehrfach zu Gemüte geführt habe. Eben drum hätte den Herstellern des (niederländisch-englischen) Booklets ein höheres Maß editorischer Sorgfalt wohl angestanden. Und es wäre ja so leicht gewesen! Vermöge einer modernen Straßenkarte von Nordrhein-Westfalen hätte sich leicht entdecken lassen, daß Wilms nicht, wie uns die englische Übersetzung will glauben machen, in einer „town” bei Köln, sondern vielmehr in einem Dorf (im Originaltext treffender „plaatsje”) namens Witzleben zwischen Leichlingen, Solingen und Wermelskirchen geboren wurde. Hätte man fernerhin erwähnt, daß er nach dem musikalischen Unterricht bei seinem Vater selbst Musiklehrer in Elberfeld wurde, dann ließe sich auch nachvollziehen, warum der Autor plötzlich auf die regen Handelsbeziehungen zwischen Amsterdam und Wuppertal zu sprechen kommt (ohne daß es das bergische Konglomerat mit dem KFZ-Kennzeichen W damals schon gegeben hätte): Offenbar wollte der Verfasser ausdrücken, daß es für Wilms näherlag, sich in der niederländischen Wirtschafts- und Kultur-Metropole umzutun als in Düsseldorf oder Köln nach einem Betätigungsfeld zu suchen.

Nun wären diese Irrwege durchs Bergische Land nicht weiter „belangrijk” gewesen, wenn nicht der gesamte Kommentar, mit dem die vier spätklassischen Entdeckungen versehen wurden, eine recht oberflächliche, schon beim ersten und zweiten Hören zweifelhafte Angelegenheit wäre. Folgten wir den Darlegungen, dann hätten wir es wieder mit nichts als einem jener “noch-schon-Komponisten” zu tun, von denen unsere musikalischen Enzyklopädien überquellen – im konkreten Falle also mit einem Tonsetzer, der, noch in den Bahnen Haydns und Mozarts, in seinen späteren Werken schon am Biedermeier und der Romantik schnuppert. Das ist bei einem Beethoven-Zeitgenossen sicher nicht weiter verwunderlich. Ob es allerdings ausreicht, aufgrund gleicher Tonarten zwischen Mozarts später Es-Dur-Sinfonie und der Dritten von Wilms einen direkten Zusammenhang herzustellen oder aus der Tatsache, daß sie mit einer langsamen Sechsachtel-Einleitung beginnt, auf den ganz konkret-ausschließlichen Einfluß Haydns zu kommen?

Natürlich hat Wilms seine großen Kollegen gekannt. Das zu bestreiten wäre absurd. Doch das war und erklärt eben nicht alles. Den „frühen” Schubert beispielsweise im Finale der fünften Sinfonie, die versteckte (gewiß „zufällige”) Eroica-Motivik in der Es-Dur-Sinfonie, schon gar nicht die recht eigenwilligen Bocksprünge in der Sechsten, die 1820 mit dem Preis der Genter Gesellschaft für Schöne Künste ausgezeichnet wurde: Wenn man sich schon die Mühe der Wiederaufführung macht, ist es vielleicht doch recht nützlich, die Person, um die es geht, nicht bloß als zweidimensionales Abziehbild seiner Epoche zu schildern – zumal sich Anthony Halstead am Pult des Niederländischen Rundfunk-Kammerorchesters redlich und hörbar bemüht, die individuellen Züge des Musikers herauszuarbeiten, anstatt jede Faser seines sinfonischen Schaffens historisch zu nivellieren. Ein welterschütterndes Genie wird der Mann aus dem Bergischen deswegen zwar nicht, da ist manch handwerklich überbrückter Durchführungsleerlauf vor; gleichwohl gibt es fesselnde Expositionen, atmosphärisch hübsche Andantes, offenbar absichtlich zopfige Menuette und Finales, die recht geistreich geraten und vergnüglich zu hören sind.

Rasmus van Rijn [02.05.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Wilhelm Wilms
1Sinfonie c-Moll op. 23 (1805)
2Sinfonie Es-Dur op. 14 (1809)
3Variationen über »Wilhelmus van Nassauwe«
4Sinfonie D-Dur op. 52
5Sinfonie Nr. 6 d-Moll op. 58 (1819)

Interpreten der Einspielung

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