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CD-Besprechung

Naxos 8.559302

1 CD • 64min • 2005

10.11.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

In dieser an sich lange überfälligen Neu-Aufnahme des Violinkonzertes (1993) von John Adams hat das Werk weitaus mehr Ecken und Kanten, als man von der im Nachhinein recht weichgespülten Ersteinspielung her (Nonesuch 7559 79360 2) hätte denken können: Zwar ist Gidon Kremer ein fantastischer Geiger, doch hatte sein introvertiertes Spiel einiges darin glatt gebügelt, und auch die Begleitung durch das London Symphony Orchestra unter Kent Nagano war entsprechend glatt. Chloë Hanslip (einst rasch aufgebautes Wunderkind, doch von Warner nach wenigen Mainstream-Produktionen ebenso rasch wieder fallengelassen) zeigt nun, daß sie weit mehr als Vorzeige-Virtuosität und Kuschel-Klassik drauf hat. Ihre bohrend-agressive Wiedergabe des motorischen Kopfsatzes ist gleichwohl überlegt und klar strukturiert. Der Mittelsatz Body through which the dream flows hält eine vorbildliche Balance der Aspekte des Verträumten und des Fließenden, und das Toccata-Finale hat Pep und mitreißenden Drive. Leonard Slatkin konnte das in der Regel eher lahme und im Blech oft recht unkultivierte Royal Philharmonic zu einer wie selten differenzierten, kongenialen Spitzenleistung motivieren. Der einzige Wermutstropfen dieser Produktion ist der mangelnde Mut – wohl aus verkaufsstrategischen Gründen –, das Konzert von John Adams nicht an den Anfang zu stellen, sondern stattdessen mit Lollipops zu beginnen, die Chloë Hanslip natürlich tadellos spielt: Die eigenständig für den Konzertsaal konzipierte Ciaconne von John Corigliano nach seiner Filmmusik zu Die rote Violine ist durch den gut verkauften Soundtrack wohl zugkräftiger. Einen interessanten Kontrast dazu setzen zwei Arrangements des vor allem durch Hollywood-Filmmusiken bekannt gewordenen Franz Waxman (1906–1967). Interessant insbesondere die Fantasie nach Motiven aus Wagners Tristan und Isolde für Solo-Violine und Orchester mit obligatem Klavier, ursprünglich 1946 arrangiert für den Film Humoresque. Die von ihm zündend instrumentierte Rumänische Rhapsodie von Enescu wirkt allerdings dazwischen wie eine verfrühte, virtuose Zugabe und hätte auf dieser CD vielleicht besser wegbleiben oder zumindest am Ende stehen können.

Dies ist gleichwohl eine bedeutende Produktion von und auch für Chloë Hanslip, die ich mit einer unvergeßlichen Darbietung der Ravel-Sonate live schon zu Zeiten erlebt habe, als man sie sonst mit Orchestern noch überwiegend Mendelssohn und Bruch spielen ließ: Hier also zeitgenössische Werke von Adams und Corigliano in Referenz-Qualität, und nun in der Reihe American Classics von Naxos: Erstaunlich, daß ihr früheres Label sich einen solchen Knaller hat entgehen lassen! Aus all den hoch talentierten, vom Markt mit Cover-Posen gepuschten, doch in der Regel recht blutarmen weiblichen „Geigenwundern“ (wobei ich auch die bekanntesten Namen nicht ausnehmen möchte) ragt Chloë Hanslip spätestens mit dieser Aufnahme doch hörbar heraus.

Dr. Benjamin G. Cohrs [10.11.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
John Corigliano
1Chaconne (aus dem Film "Die rote Violine")
George Enescu
2Rumänische Rhapsodie Nr. 1 A-Dur op. 11
Franz Waxman
3Tristan and Isolde Fantasia
John Adams
4Konzert für Violine und Orchester (1993)

Interpreten der Einspielung

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