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CD-Besprechung

Giaccomo Meyerbeer: L' esule di Granata (1822)

Opera Rara 1 CD ORR234

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 17.01.06

Opera Rara ORR234

1 CD • 79min • 2004

L’esule di Granata, die fünfte von sechs Opern, die Giacomo Meyerbeer während seiner italienischen Zeit (1816-24) komponierte, erlebte nach ihrer Uraufführung an der Mailänder Scala (1822) nur noch eine Reprise in Florenz und verschwand danach für immer in der Versenkung. Da der Verlag Ricordi das Werk nie veröffentlicht hat und lediglich eine Kopie des Autographs in seinem Archiv aufbewahrte, fand es in der Meyerbeer-Literatur bislang nur marginale Beachtung.

Opera Rara hat nun ihrem Namen alle Ehre gemacht und den „Exilierten von Granata” aus seinem Exil in Mailand geholt und in London eingespielt, wenn auch nicht komplett, so doch in sehr ausführlichen und aussagekräftigen Ausschnitten. Die Mühe hat sich gelohnt, denn die Oper ergänzt das Bild vom „italienischen” Meyerbeer, der mit seinen erfolgreicheren Werken Margherita d’Anjou und Il Crociato in Egitto noch häufig im Fahrwasser des damals tonangebenden und von ihm sehr geschätzten Rossini zu bleiben schien.

Die Handlung der Oper – das Libretto schrieb der vielbeschäftigte Felice Romani – spielt in Granada gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Im Zentrum steht die Liebesgeschichte zwischen Angehörigen zweier verfeindeter Stämme. Azema, die Tochter des vertriebenen Königs Suleman, der zu den Abenceragen gehört, liebt den neuen König Almansor, einen Angehörigen der Zegri, der sich durch seine Politik der Versöhnung mit den Abenceragen die Hardliner unter seinen Anhängern zu Todfeinden macht. Suleman, der die Hochzeit seiner Tochter mit seinem Feind vereiteln will, gibt sich für einen Anschlag gegen Almansor her, der mißlingt und ihm die Todesstrafe einbringt. Azema interveniert: Sie will gemeinsam mit ihrem Vater sterben und dem Geliebten entsagen. Am Ende siegt Almansors Großmut und einmal mehr die Macht der Liebe.

Das maurische Element hat in Meyerbeers Musik keine Bedeutung. Dagegen wird der operngerechte Konflikt Azemas zwischen Vater und Geliebtem mit reichen Mitteln musikalisch ausgestaltet. Die große Arie im 2. Akt, ein Höhepunkt des Werkes, bezieht ihre Stimmung aus einer langen Orchestereinleitung mit zwei Solo-Celli, nirgends verrät Meyerbeer hier das große Gefühl an den vordergründigen Effekt. Daß ihm auch dieser zu Gebote steht, zeigt das anschließende Duett Almansor-Suleman mit dem gescheiterten Attentat. Ein fetziges Schlußrondo des edlen Herrschers hätte auch Rossini Ehre gemacht.

Schon in der zeitgenössischen Kritik (etwa in der Allgemeinen musikalischen Zeitung) wurde Meyerbeer nicht als Nachahmer, sondern als Herausforderer Rossinis gesehen. Im Esule di Granata verbindet sich die deutsche Schule mit einem geschickt assimilierten italienischen Stil. Zugleich weisen die großen Ensembles, etwa das 1. Finale, auf die Tableaux der Grand Opéra voraus, deren unbestrittener Meister Meyerbeer wenige Jahre später werden sollte.

Die Londoner Wiederbelebung darf als erfolgreich bezeichnet werden, auch wenn zum völligen Belcanto-Glück noch manches fehlt. Schon im orchestralen Bereich: Die Academy of St Martin in the Fields hat einiges von der Akkuratesse eingebüßt, für die sie einst bekannt war, das macht sich insbesondere bei den Streichern bemerkbar. Dem Dirigenten Giuliano Carella muß man attestieren, daß er mit den Sängern zu atmen versteht und dem Komponisten auch in den lyrischen und atmosphärischen Passagen gerecht wird. Laura Claycomb hat als Azema feine piani und glänzende Spitzentöne einzusetzen, Manuela Custers schlanker und sehr warmer Mezzo brilliert in den Koloraturen von Almansors finalem Rondo. Der Tenor Paul Austin Kelly verbindet als Almansors interner Widersacher Alamar vokale Agilität mit eloquenter Phrasierung. Der junge Mirco Palazzi allerdings kann sich mit seinem gewaltigen, aber noch recht ungeschliffenen Baß in der für den berühmten Luigi Lablache geschriebenen Rolle des Suleman noch kaum fürs Belcanto-Repertoire qualifizieren.

Ekkehard Pluta [17.01.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Meyerbeer L' esule di Granata (1822)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Manuela Custer Almanzor, König von Granada
Laura Claycomb Azema, eine junge Prinzessin
Mirco Palazzi Sulemano, früherer König von Granada
Paul Austin Kelly Alamar, Führer der Zegri
Brindley Sherratt Ali, ein Offizier von Alamar
Geoffrey Mitchell Choir Chor
Academy of St. Martin in the Fields Orchester
Giuliano Carella Dirigent
 
ORR234;0792938023427

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