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CD-Besprechung

Zig Zag Territoires ZZT0506002

1 CD • 53min • 2004, 2005

15.11.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die sechs Solo-Sonaten op. 27 von Eugène Ysaye gehören zu den Juwelen des Violinrepertoires. Der 1924 veröffentlichte Zyklus stellt das wichtigste Vermächtnis des großen Geigers, Dirigenten und Förderers der französischen Musik seiner Zeit dar, dem so bedeutende Werke wie César Francks Sonate, Ernest Chaussons Poème oder das Streichquartett von Debussy gewidmet sind, und dessen Andenken heute im Brüsseler Königin-Elisabeth-Wettbewerb weiterlebt, der aus dem Ysaye-Wettbewerb hervorgegangen ist.

Ysaye setzte die Tradition großer Geiger des 19. Jahrhunderts fort und befreite gleichzeitig die Geige aus ihrer etwas einseitig auf gesteigerte Virtuosität und übermäßigen Gefühlsausdruck festgelegten Rolle. Die Solosonaten zeigen einen sehr persönlichen Stil, der aus ganz unterschiedlichen Quellen gespeist ist: dem fast obsessiven Einfluss Bachs (nahezu unvermeidlich beim Schreiben für ein solistisches Streichinstrument), den harmonischen Errungenschaften seiner Zeit (auf der Chromatik Wagners fußend und bis an die Grenzen zur Atonalität führend) und seiner geigerischen Individualität, die alle klanglichen und technischen Möglichkeiten des Instruments mit improvisatorischer Freiheit erforschte. Die jeweilige Gewichtung dieser Elemente bedingt heute die verschiedenen Interpretationsansätze.

Der einunddreißigjährige, aus der ehemaligen UdSSR stammende und bei Zachar Bron in Lübeck ausgebildete Geiger Denis Goldfeld hat von den Sonaten die polyphone erste, die suitenartige vierte und die harmonisch kühne dritte mit dem Untertitel Ballade ausgewählt. Geschickt kontrapunktiert er die Solo-Sonaten mit drei Stücken für Violine und Klavier – zwei Mazurkas und dem umfangreichen rhapsodischen Poème Am Spinnrad –, bei denen ihn sein Bruder Vadim als versierter Partner unterstützt.

Goldfeld nähert sich Ysaye von der romantischen Tradition her – mit üppigem, glanzvollem Ton und impulsivem Rubato. Das strenge Tempo barocker Vorbilder ist ebenso wenig seine Sache wie das impressionistische Aufspüren gebrochener Zwischentöne. Sein Ton bleibt immer substanzreich und berückend schön, seine Intonation bestechend und seine Geläufigkeit beeindruckend. Er bietet ein geigerisches Fest, das (zusammen mit dem abwechslungsreichen Programm) dem noch immer zu wenig bekannten Komponisten neue Freunde gewinnen dürfte. Das Album ist sehr ansprechend ausgestattet und wartet sogar mit Notenbeispielen auf, der Text findet sich allerdings nur in Französisch und Englisch.

Sixtus König † [15.11.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Eugène Ysaÿe
1Au Rouet
2Sonate g-Moll op. 27 Nr. 1 für Violine solo
3Mazurka
4Sonate e-Moll op. 27 Nr. 4 für Violine solo
5Dans le lointain
6Sonate d-Moll op. 27 Nr. 3 für Violine solo (Ballade)

Interpreten der Einspielung

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