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SACD-Besprechung

Ondine ODE 1064-5

1 SACD • 76min • 2005

25.11.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Anton Bruckner hat aller Welt vorgeführt, wie man sich mit dem Streben „allerhöchstester“ Perfektion eine schöpferische Schlinge um den Hals legen kann: Irgendwann ist es einfach genug.

Einojuhani Rautavaara hätte das eine Lehre sein sollen. Anstatt seiner ersten Sinfonie von 1956 im Jahre 2003 noch einmal ein neues Antlitz zu verpassen, nachdem er daran 1988 bereits eine gründliche Revision vorgenommen hatte – anstatt sich also 47 Jahre nach der Entstehung des Werkes erneut mit einer Überarbeitung zu befassen, hätte er uns besser gleich eine ganz neue Sinfonie geschenkt.

Dabei leuchtet die Sorge des Komponisten um die formale Balance des Stückes durchaus ein. Nach der ersten Umarbeitung, bei der das ursprüngliche Finale geopfert wurde, blieben ein Kopfsatz von bald einer Viertelstunde und ein Scherzo von gerade mal dreieinhalb Minuten übrig – die sich aber, wie Max Pommer mit seiner Leipziger Aufnahme von 1989 gezeigt hat, sehr vorteilhaft ergänzten: Dem breit ausgeführten Andante folgt das mit Sergej Prokofieff und Dmitri Schostakowitsch um die Wette kobolzende Schlußhäppchen wie ein witziger Epilog, ein frecher Tintenklecks hinter einer mächtigen Landschaftsmalerei. Das hat Rautavaara nun vor zwei Jahren gestört. Doch durch den neuen, sicherlich sehr schönen Mittelsatz (Poetico) wird die köstliche Pointe jetzt von sage und schreibe 23 Minuten langsamer Musik an die Wand gedrückt. Wie zum Ausgleich nimmt der Dirigent ein recht mäßiges Tempo, um wenigstens auf vier Minuten zu kommen; aber damit verliert der flinke Floh viel von seinem innern Antrieb

Schlüssiger, geradezu wunderbar sind die vier Erzählungen, die das brandneue Näkyjen kirja, das Buch der Visionen ausmachen – ein meditatives, vielfarbiges Gebilde von gut vierzig Minuten Aufführungsdauer, von dem eine erstaunliche Suggestivkraft ausgeht. Was Rautavaara hier ausführen wollte, waren nach seinen eigenen Worten die Einflüsse, die die Nacht, das Feuer, die Liebe und das Schicksal im Laufe seines Lebens auf ihn ausgeübt haben. Dabei sei es nicht unbedingt er gewesen, „der die Musik als Hilfsmittel benutzte, sondern die im Entstehen begriffene Musik erzählte alles ihrem Komponisten.” Das haben wir schon hundertmal gehört. Nur, daß uns aus diesem Buch der Visionen nachvollziehbar entgegenklingt, wie der Komponist das, was da entsteht, für sich entdeckt; wie er die Abenteuer des Erschaffens zugleich als Akteur und als Zuhörer miterlebt – das springt über und macht das Werk auch für uns zu einem Ereignis. Vorausgesetzt freilich, man begibt sich in die Musik hinein, fragt nicht ständig nach dem Was und Wie und will obendrein nicht ausgerechnet von Rautavaara wissen, warum es heute so schwer ist, endlich wieder ganze Sätze in zügigen, mitreißenden Tempi zu komponieren. Dazu ist das Buch der Visionen nicht geeignet.

Rasmus van Rijn [25.11.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Einojuhani Rautavaara
1Sinfonie Nr. 1 (1955/2003)
2Adagio celeste für Streichorchester
3Book of Visions (2003/2005)

Interpreten der Einspielung

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