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CD-Besprechung

EigenArt 10330

1 CD • 58min • 2004

18.08.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Man mag seinen Ohren kaum trauen: Mit einem tollkühnen, klangverrückten Kunst-Experiment eröffnet der Geiger Adrian Adlam diese fesselnde Carl-Nielsen-CD. Das Opus 48 des dänischen Komponisten, Präludium und Thema mit Variationen für Violine solo, nimmt sich aus wie eine verstiegene Kreuzung Bachscher Partiten mit den Capricci Nicolò Paganinis im Geiste der musikalischen Maskerade: Nicht von ungefähr trägt die zweite Variation den warnenden Zusatz „à la Arlequino“. Adrian Adlam entlockt seinem Instrument mit buchstäblich phantastischer Virtuosität ganz unerhörte, gläserne, klirrende, splitternde Klänge, heisere, pfeifende, gespenstisch verzerrte Töne. Er verfeinert das linienreiche Spiel zu verwehenden Melodiebögen, er hetzt durch aberwitzige moto-perpetuo-Studien, entfaltet eine regelrechte Streichorchester-Opulenz, um schließlich allen musikalischen Ausdruck in der Strenge eines herben, volksliedhaften Gesanges zu konzentrieren.

Diese Variationen böten Stoff für gleich zehn Komponistenleben. Aber Carl Nielsen, der als Sohn eines Dorfmusikanten schon in Kindheitstagen das Geigenspiel erlernte, um es später auf dem Konservatorium in Kopenhagen zur Meisterschaft zu bringen, war ein Musiker von verschwenderischer Begabung. In Adrian Adlam und dem Pianisten Christopher Oakden findet Nielsens unorthodoxe Kammermusik ebenso kluge wie leidenschaftliche Interpreten, die selbst die eigenwillige Temperamentenlehre der tiefgründigen zweiten Violinsonate op. 35 zu entschlüsseln wissen. Diese unberechenbare, harmonisch doppelbödige Komposition verlangt ein versiertes, ein verschworenes Duo mit hoher Risikobereitschaft, das sich bereitwillig auf alle instrumentalen Abenteuer einläßt: auf eine Musik, die aus lichten, klassischen Tonspielen abrupt in dramatische Ein- und Ausbrüche umschlägt. Doch Adrian Adlam und Christopher Oakden zeigen sich entschlossen, Nielsen in allem nachzufolgen – auch zurück zu den Anfängen, zu der frühen A-Dur-Sonate op. 9 von 1895. Es erweist sich als eine gute Idee, diese noch unfertige, unselbständige Arbeit an den Schluß der CD zu rücken, da nur so, im Wissen um die späteren Werke, auch die erste Violinsonate recht verstanden und eingeschätzt werden kann: als schöpferische Suche, die eines nicht mehr fernen Tages zum Ziel führen sollte.

Wolfgang Stähr [18.08.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Nielsen
1Praeludium and Theme with Variations for solo violin op. 48
2Sonate Nr. 2 op. 35 für Violine und Klavier
3Sonate A-Dur op. 9 für Violine und Klavier

Interpreten der Einspielung

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