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CD-Besprechung

Gioacchino Rossini Une larme

harmonia mundi HMC 901847

1 CD • 63min • 2001, 2003

23.09.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Rossini und Kammermusik? Das klingt ähnlich widersprüchlich wie Brahms und große Oper. Oder wie Bruckner und Klavierminiaturen. Aber es gibt sie, die kleinen Formen im luftigen Klangwand. Der italienische Opernstar des frühen 19. Jahrhunderts schrieb sie 1804 als Zwölfjähriger (Sonatas a quattro), 1823 und 1824 während Aufenthalten in Paris und London (Serenata und Duo) sowie zwischen 1857 und 1868 (Une larme) als bereits in den Ruhestand getretener Opernkomponist.

Die vorgestellten Werke sind allesamt sehr leichte, aber durch aus geschmackvolle Kost. Die zumeist einfache thematische und harmonische Gestaltung wird durch die pure Lust am Spiel aufgewogen, die Oberfläche glänzt und glitzert. Einen wesentlichen Anteil daran haben die teilweise recht ungewöhnlichen Besetzungen, so etwa die mit zwei Violinen, Cello und Kontrabass instrumentierten Sonaten. Der Klang ist nicht zuletzt durch den Kontrabass voll und rund, es fehlt ihm jedoch die innere Wärme und Homogenität eines Streichquartetts.

Die Sonata Nr. 3 beginnt – wie könnte es anders sein – mit einer Auftrittsgeste, die einer Opernszene würdig wäre. Dass dieser Auftritt zwar das älteste der hier vorgestellten Werke, nicht aber die CD selbst eröffnet, ist schade; es wäre ein schöner Anfang gewesen. Die Streicher des auf alten Instrumenten spielenden Ensembles Explorations spielen mit viel Lebendigkeit und Spielwitz, die Instrumente verströmen das Flair einer süditalienischen Piazza, auf der geredet, gelacht, gelitten und gestritten wird, und das alles mit lustvoll theatralischem Gestus.

Die knapp achtminütige Serenade für Bläser und Streicher, deren Beginn entfernt an die Zauberflöten-Ouvertüre denken lässt, präsentiert elegante, charmante und leichtfüßige Musik, die von den sechs Solisten mit viel innerer Ruhe und Liebe zum Detail gespielt wird. Ein Kuriosum ist das Duo für Violoncello und Kontrabass, das Rossini für eine Party im Hause des Londoners Bankiers David Salomons komponierte. Cello und Bass pflegen ein intensives und angeregtes Zwiegespräch, das zwischen lockerer Plauderei und emotional gefütterten Streitgesprächen pendelt. Hervorzuheben ist vor allem der von Love Persson gespielte Kontrabass. Selten habe ich so einen intonationssicheren Bass gehört. Der warme, volle Klang lässt das tiefe Instrument schnurren wie einen verwöhnten Couchtiger.

Une larme für Violoncello und Klavier gehört nach Rossinis eigenen Worten zu seinen Alterssünden. Roel Dieltiens am Cello und zugleich Leiter des Ensembles und Jan Vermeulen am Klavier, einem Erard 1865, zünden nach einer melancholischen und selbstvergessen klagenden Einleitung nochmals alle Register eines Rossinischen Feuerwerks: voller Farbe, Überraschungseffekten und unterhaltsamer Kurzweil.

Der offene und transparente Klang dieser CD unterstützt die dargebotene Musik aufs allerbeste. Die schöne Papierverpackung und der gut geschriebene Begleittext von Guido Fischer passen dazu wie das Tüpfelchen zum i.

Robert Spoula [23.09.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gioachino Rossini
1Serenata Es-Dur
2Sonata a quattro Nr. 6 D-Dur
3Duetto D-Dur für Violoncello und Kontrabass
4Sonata a quattro Nr. 3 C-Dur für 2 Violinen, Violoncello und Kontrabaß
5Une Larme, thème et variations for Violoncello and Piano

Interpreten der Einspielung

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