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CD-Besprechung

Chandos 10128

1 CD • 68min • 2003

14.04.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Ändert Information das Hörverhalten und insofern auch das Ergebnis einer Besprechung? Die zunächst „blind“ gehörte CD – denn über Weinberg ist allgemein kaum etwas bekannt – stößt auf pure Ablehnung: brachialer Klassizismus, rohe, berserkerhafte Gestik, die allzu äußerlich und musikalisch durchschaubar auftrumpft... Musik, die daherkommt, als ließe man ein landwirtschaftliches Mäh-Mobil mit Tempo 200 über die Autobahn rattern. Gröbster „Sozialistischer Realismus“? Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) war Pole jüdischer Herkunft, dessen Familie von den Nazis umgebracht wurde, der 1943 nach Moskau emigrierte, wo 1948 sein Schwiegervater Solomon Mikhoels von Berias Geheimpolizei ermordet wurde, während er selbst nur durch Intervention seines Freundes Schostakowitsch den Stalinismus überlebte. 1948 entstand auch die hier eingespielte Sinfonietta, ein Bravourstück, dessen jiddische Wurzeln man in Skala und Tonfall wahrnimmt, ohne daß sich eine entsprechende Aura mitteilt. Die musikantische Simplizität der Sinfonietta in ihrer archaischen Energie ist als Zeitdokument dennoch interessanter zu hören als die 1962 entstandene Fünfte von insgesamt 22 Sinfonien. Die überaus maßvolle, sparsame, dabei aber durchaus martialische musikalische Sprache wirkt allzu fern, wie eine stehengebliebene Beton-Architektur der 50er Jahre. Nichtsdestoweniger hat Mieczyslaw Weinberg ein umfangreiches Oeuvre hinterlassen, das jetzt erst lamgsam erschlossen wird. Und vieles darunter dürfte hörenswert sein. Übrigens: Mieczyslaw Weinberg wird in manchen Lexika oder Nachschlagewerken auch unter Moshe(i) Vainberg geführt.

Hans-Christian v. Dadelsen [14.04.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Mieczyslaw Weinberg
1Sinfonie Nr. 5 f-Moll op. 76 (1962)
2Sinfonietta Nr. 1 op. 41 (1948)

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