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CD-Besprechung

Naxos 8.660109-10

2 CD • 1h 46min • 1993

26.01.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Vor allem zeigte Britten hier die Mechanismen von Kindesmißbrauch mit all den damit verbundenen Heimlichkeiten, Lügen und Graumsamkeiten auf: Der frühere Herrendiener Quint bringt den kleinen Miles so sehr unter seine Fuchtel, daß der Junge am Ende stirbt, als er den Namen seines Peinigers verrät. Bedford und seine Solisten – was das dreizehnköpfige Instrumentalensemble ausdrücklich mit einschließt – kitzeln insbesondere die Doppelbödigkeiten des Stückes heraus, in dem es nur vordergründig um ein Geschwisterpaar geht, das unter den verderblichen Einfluß zweier Gespenster gerät. Die Beklommenheit, die einen beim Hören der Aufnahme beschleicht, erinnert auch an Brittens eigene Problematik mit seiner Homosexualität. Gerüchte wollen nicht verstummen, daß der Komponist selbst als Schüler mißbraucht worden ist. Das Thema der Abhängigkeit aufwachsender Männer von tragisch gescheiterten Mittvierzigern zieht sich wie ein roter Faden durch Brittens Schaffen; die Jungen sterben nicht selten. In The Turn of the screw (übrigens ein obszönes Wortspiel) wird der Junge – hier anrührend vom Knabensopran Sam Pay gesungen – besonders perfide in der Atmosphäre an sich häuslicher Geborgenheit zum Opfer. Britten zeichnet das musikalisch so eindringlich nach, wie es vielleicht nur jemand tun konnte, der so etwas selbst erlebt hat.

Derlei wird immer noch ungern thematisiert, wie das Booklet zeigt: Übersetzer Andreas Delfs hatte im Gegensatz zu Original-Autor Michael Anderson immerhin die Courage, den Tenor Peter Pears in der deutschen Version ergänzend als Brittens Lebenspartner zu bezeichnen... Diese atmosphärisch ungemein dichte, wundervolle Einspielung von Brittens Psycho-Schauergeschichte unter dem so kompetenten wie unermüdlichen Britten-Jünger Steuart Bedford vom Aldeburgh Festival aus dem Jahr 1993 hat bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Auch wenn die Solisten der Ersteinspielung unter Britten selbst aus dem Jahre 1955 kaum übertroffen werden können, ist dies doch die zweitbeste Aufnahme der Oper, und noch dazu die beste in adequatem Stereo-Klang, denn die mir bekannten Alternativen (unter Davis und Pappano) haben vergleichsweise wenig zu bieten. Es ist schön, daß Naxos dieses seit der Pleite des Labels Collins vor gut 5 Jahren nicht mehr zugängliche Dokument nun wieder verfügbar gemacht hat. Noch schöner wäre, wenn noch mehr Schätze aus dem Collins/Lambourne-Archiv folgen würden!

Benjamin-Gunnar Cohrs

9

9

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Dr. Benjamin G. Cohrs [26.01.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Benjamin Britten
1The Turn of the Screw op. 54 (Kammeroper in 2 Akten)

Interpreten der Einspielung

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