Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

A. Pärt

Hyperion 1 CD CDA67375

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 18.02.04

Klassik Heute
Empfehlung

Hyperion CDA67375

1 CD • 78min • 2003

Neues von Arvo Pärt, dem aus Estland stammenden, jetzt 68jährigen Repräsentanten einer kreativ auf minimalistisch-harmonischen Klangstrukturen basierenden Moderne. Alle hier im Januar des Jahres 2003 produzierten Beiträge sind zwischen 1996 und 2002 komponiert worden. Sie gehören ausnahmslos zur Gattung geistlicher, liturgisch ungebundener Vokalmusik. In dieser Eigenschaft konfrontiert das Programm die Zuhörer nicht nur mit einer Auswahl von Wortvertonungen in Gebetsform, sondern steigert zugleich die von Pärt seit den 1970er Jahren geprägten Ausdruckselemente. Es handelt sich dabei um den vom Komponisten selber so titulierten Glöckchenstil Tintinnabulum. Nicht von ungefähr stellen sich Assoziationen zu den entrückten Glockenrufen eines Eremiten in Klausur ein. Vereinfacht gesagt, handelt es sich dabei um eine zwischen mittelalterlicher Kargheit und moderner Kurzmotivik pendelnden Konzentration auf das tonale Zentrum eines Glockenklang-Spektrums bis hin zur Stille musikalischer Pausenzäsuren.

Aufführungspraktisch bedeutet dies eine Folge gebetsmühlenartig psalmodierender Litaneien im Kontext einer durch Akkord-Rückungen und Wortwiederholungen intensivierten Textaussage. So gesehen gelingt Pärt sogar das Wagnis der Vertonung schier endloser Namensreihungen aus dem Stammbaum Jesu ... which was the Son of ... in der Gestalt eines suggestiven Ostinato (Track 3 nach Lukas 3, Verse 23-38). Vergleichbares gilt für den auskomponierten Sachartikel eines Kirchenlexikons (Tr.1: Dopo la vittoria) oder für die Drei-Oden-Reihung Tri-Odion, dem Sammeltitel der vorliegenden CD (Tr. 6). Fazit: Wenn eine derartige Andachtshaltung – fern von jedem Klangaktionismus und das genaue Gegenteil harmonisch üppiger Szenenwechsel – hier eine außerordentlich vergeistigte Gestaltung erlebt, dann ist das nur durch eine nicht hoch genug einzuschätzende Interpretenleistung zu erreichen. Hier erweisen sich das edel geschliffene, faszinierend stimmkultivierte, lupenreine Non-Vibrato-Singen des Londoner A-cappella-Ensembles Polyphony (9 Damen, 12 Herren) und das orgelbegleitete, monoton entrückende Wortdeklamieren des Countertenors Christopher Bowers-Broadsent in der visionären Highlands-Erzählung (Tr. 7) als eine ideale Voraussetzung. Nicht zuletzt konzentriert sich die Anerkennung für das Gesamtergebnis auf den mehrfach preisgekrönten Dirigenten Stephen Layton, der sich wiederholt als Interpret der Vokalmusik Pärts bewährt hat. Unruhige Gemüter, deren musikalische Neigung zu mehr Dramatik, Rhythmik und instrumentalem Farbenreichtum tendiert, halten sich jedoch von dieser CD mit ihren lateinischen, italienischen und vor allem englischen Textmeditationen besser fern.

Dr. Gerhard Pätzig [18.02.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Pärt Dopo la vittoria (1996)
2 Nunc dimittis
3 …which was the son of… (2000)
4 I am the True Vine (1996)
5 Littlemore Tractus für Orchester
6 Triodion (1998)
7 My heart's in the Highlands (2000)
8 Salve Regina (2002)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Polyphony Chor
Stephen Layton Dirigent
 
CDA67375;0034571173757

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

Entschleunigte Feinfühligkeit, forsche Damenpranke

Edition Stefan Askenase

Noch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts konzertierte der aus dem galizischen Lemberg stammende Pianist Stefan Askenase reglemäßig in den europäischen Konzertsälen. Das ältere Publikum hatte den Chopin-Interpreten gleichsam abonniert, bei den Jüngeren und im abgehobenen Kreis des deutschsprachigen Kritikernachwuchses galt der zierliche belgisch-polnische Theodor Pollak- und Emil von Sauer Schüler als Vertreter einer konservativen Handhabe, als ein leibhaftiges Fossil vergangener Chopin-Stilistik.

→ weiter...

Neue CD-Besprechungen

"Inspiration"
Giacomo Puccini
François Campion
Felix Mendelssohn Bartholdy
Colors

Interpreten heute

  • Andreas Groethuysen
  • Yaara Tal

Neue CD-Veröffentlichungen

A Lute by Sictus Rauwolf
Visions
Christoph Graupner
De Meglio 1826

CD der Woche

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Kenneth Hamilton plays Ronald Stevenson, Volume 1

Aus dunkler Tiefe steigen schwärzeste Bass-Töne auf, formen eine Tonskala und vereinigen sich mit einer weiteren Stimme zur strengen Fuge. Die ewige ...

Heute im Label-Fokus

Tacet

The Koroliov Series Vol. XIX
Domenico Scarlatti
Wilhelm Furtwängler
Mieczysław Wajnberg

→ Infos und Highlights

Thema Klavier Solo

Warner Classics 3 CD 2564 61940-2
cpo 1 CD 777 478-2
cpo 1 CD 777 020-2
OehmsClassics 1 CD OC 532
Dance Fantasies
Alexis Weissenberg<br />Piano Recital 1972

 

Weitere 51 Themen

Klassik Heute Zahl des Tages

Bei Klassik Heute finden Sie

443

Opern mit Besetzungsangaben

→ mehr Zahlen und Infos

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc