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CD-Besprechung

Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen BWV 988

ECM 1 CD 472 185-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 05.01.04

Klassik Heute
Empfehlung

ECM 472 185-2

1 CD • 71min • 2001

Obwohl dieses heute als Goldberg-Variationen bekannte Werk von Johann Sebastian Bach eindeutig „für Cembalo mit zwei Manualen“ vorgesehen war, stellt sich ähnlich wie bei anderen Werken Bachs oder auch den Sonaten Domenico Scarlattis die Frage des Instrumentes – Cembalo oder moderner Konzertflügel – eigentlich erst im Nachhinein, nämlich bei der Beurteilung der Interpretation. Diesen Werken aus einer Zeit, als es den „großen Steinway“ noch nicht gab, ist aufgrund ihrer eigenen musikalischen Substanz wie auch durch die Rezeptionsgeschichte eine Klangqualität zugewachsen, die Wiedergaben auf unterschiedlichen Tasteninstrumenten durchaus erlaubt. So muß man sich auch bei dieser Wiedergabe der Goldberg-Variationen eben auf einem modernen Konzertflügel fragen, ob der Interpret die musikalisch-ästhetische Aussage des Werkes angemessen getroffen hat oder nicht.

Er hat. Und das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn man kennt András Schiff als einen höchst verantwortungsvollen Künstler, der sich seit Jahrzehnten mit der Musik Bachs beschäftigt hat und einmal mehr eine Wiedergabe liefert, die bewundernswert zwischen struktureller Klarheit der Darstellung und farbig-expressiver Ausdeutung vermittelt. Weder erscheint das Werk als kalte Pracht kontrapunktischer Kunststückchen (obwohl fast jede einzelne Variation mit funkelnden Juwelen kompositorischer Kunstfertigkeit ausgestattet ist) noch wird das enzyklopädische Niveau artifizieller Variationserfindung durch platten „Ausdruck“ oder törichte „Binnenspannung“ verwässert. Schiff breitet gerade die komplexeste Kunst wie vollkommen natürlich aus, nimmt sich bei den überall exakt ausgeführten Wiederholungen die angemessene rhapsodische, wie spontan wirkende Freiheit zusätzlicher Verzierungen heraus und gönnt sich ohne aufgesetztes Pathos die Zeit für die expressiven Tiefen, etwa in den Moll-Variationen, vor allem Nr. 25 (und er nahm sich nach der Produktion auch noch die Zeit, einen vorzüglichen Einführungstext zu verfassen).

So entstand eine hochklassige, dabei durchaus individuell gefärbte Wiedergabe, bei der man –um auf unsere Eingangsfrage Cembalo oder Klavier zurückzukommen – das Instrument letztlich vergißt. Es wird unwichtig.

Dr. Hartmut Lück [05.01.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Goldberg-Variationen BWV 988

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
András Schiff Klavier
 
472 185-2;0028947218524

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