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CD-Besprechung

Opera Rara ORC23

3 CD • 2h 59min • 2001

24.01.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der deutsche Komponist Johann Simon Mayr (1763-1845) ist in unseren Tagen vor allem als Lehrer Gaetano Donizettis geläufig. Daß er auch einer der erfolgreichsten Opernschöpfer seines Zeitalters war und mit mehr als siebzig Opern seinen ebenfalls überaus fleißigen Schüler an Fruchtbarkeit sogar noch übertraf, ist kaum mehr bekannt. Mayr wanderte schon als junger Mensch nach Italien aus und rückte dort zu einem der wichtigsten und tatkräftigsten Meister der Opernkunst auf. Seltsamerweise steht die überaus reichhaltige italienische Opernperiode von etwa 1800 bis zum Auftauchen Rossinis noch immer im Schatten des Interesses. Obwohl Opera rara auf diesem Gebiet schon Beachtliches an Bergungsarbeit geleistet hat, bleiben noch immer die vielfältigsten Schätze ungehoben.

Mayr schrieb seine große heroische Oper Ginevra di Scozia zur festlichen Eröffnung des Teatro nuovo in Triest (21. April 1801). Exakt zweihundert Jahre danach wurde das lange Zeit unbeachtet gebliebene Werk im Opernhaus Triest wieder zur Aufführung gebracht. Der Mitschnitt der ambitionierten Aufführung vermittelt die Bekanntschaft mit einer Oper, die trotz einiger Längen und mancher konventioneller Abschnitte besonderer Beachtung wert ist. Namentlich ab der Mitte des umfangreichen Werks tritt eine merkliche dramatische Steigerung ein und gegen Schluß ereignen sich Höhepunkte, die sich weit über die sonstige, hauptsächlich der Gesangsbravour gewidmeten Schablone erheben. Mayrs Ginevra stammt noch aus der Kastratenperiode, Berühmtheiten wie Marchesi und Velluti haben die Partie des Ariodante auf vielen Bühnen in und außerhalb Italiens gesungen.

In der neuen Wiedergabe ist diese Rolle hervorragend mit der Mezzospranistin Daniela Barcellona besetzt, bedauerlicherweise verfuhr man mit der zweiten (kleineren) Kastratenpartie des Luciano nicht adäquat, sondern wählte einen schaurig kreischenden Countertenor (Marco Lazzara). Die Titelpartie bedeutet für die Primadonna eine wahre Kolossalaufgabe. Elizabeth Vidal vermag durch Einfühlung und gesangliches Können starken Eindruck zu erzeugen, wenngleich sich ihre allzu häufigen Ausflüge in die dreigestrichene Region allzusehr nach persönlichen Zutaten anhören. Antonino Siragusa (Poliensso) kann mit perfekter Stimmführung ausgleichen, was seiner schmalen Tenorstimme an Glanz und Fülle fehlt.

Die übrigen Partien sind zufriedenstellend besetzt, auch Tiziano Severinis Orchester- und Gesamtleitung läßt erkennen, daß es sich hier um ein Produkt tüchtiger Probenarbeit handelt. Weniger günstige Eindrücke bietet der Chor, doch fallen solche kleine Einschränkungen nicht sondertlich ins Gewicht. An der lebhaften Anteilnahme des Publikums läßt sich der durchschlagende Erfolg der Aufführung abmessen.

Mayrs Oper, deren Stoff einer in der Opernwelt mehrmals verwendeten Episode aus Ariosts Orlando furioso entstammt, sollte für Opernfreunde in Zukunft kein Niemandsland mehr sein.

Clemens Höslinger [24.01.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Simon Mayr
1Ginevra di Scozia

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