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CD-Besprechung

Johann Strauß (Vater): Die Fledermaus op. 363

Operette in drei Akten - gesungen in Englisch

Arthaus Musik 1 DVD-Video 100 134

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 15.01.04

Arthaus Musik 100 134

1 DVD-Video • 3h 17min • 1990

Bei Johann Strauß konnte Richard Wagner "Anmut und Feinheit" empfinden, Hans von Bülow meinte, diese Musik spüle "allen inneren und äußeren Kopfschmerz hinweg", Richard Strauss nannte Strauß den "liebenswürdigsten Freudenspender". Hört und sieht man die Ouvertüre und spätere Orchesterpartien auf der ersten DVD, könnte man skeptisch werden. Ohne Schmelz und Ausgelassenheit, humorlos wirkt das hier, englisch korrekt, unwienerisch und unpariserisch steif. Eine Neigung zu gewaltsam wirkenden Kontrasten ist zu bemerken, die Ritardandi hätte man mit den Orchestermusikern besser abstimmen können.

Doch die Sänger und Sängerinnen überzeugen sehr bald, musikalisch wie schauspielerisch (etwa zu Beginn der routiniert lieb-arme Ehemann der Rahmenhandlung). Als Gefängnisgouverneur beispielsweise große Klasse: Eric Garrett! Und zumindest einer der Charaktere ist sehr gut besetzt: Der Gastgeber des rauschenden Festes, Jochen Kowalski, Countertenor, als Prinz Orlofsky. Als seine in jedem Sinne einmaligen, späten Gäste treten in einem mehrteiligen Intermezzo (Disc Nr. 2, Tr. 19-23) Marilyn Horne, Pavarotti und Joan Sutherland auf. Letztere wurde - sie selbst hatte Strauß einst etwa unter Karajan gesungen - mit dieser Fledermaus-Aufführung verabschiedet. Absolut fesselnd tritt einige spannende Minuten lang Luciano Pavarotti in Erscheinung. Ihn begleitend, findet schließlich auch das auf der zweiten DVD insgesamt besser disponierte Orchester zur Musik, wobei der Tenor alle und alles überflügelt, meisterhafte Impulse setzt und dem Dirigenten dabei erfolgreich alle Zügel aus der Hand zu nehmen scheint.

Mit einem Pas de Deux (Frühlingsstimmen) finden die Extraeinlagen ihr Ende und der zweite Akt sein kompositorisch bemerkenswert gelungenes Finale; in den späteren Gefängnisszenen waltet jene Synthese von Intelligenz und bewußtem Humor, für die man schon manch Britisches lieben konnte. Ob die zahlreichen Stärken der Produktion den für uns gravierenden Nachteil aufwiegen können, daß mit Ausnahme von französischen und kleineren italienischsprachigen Scherzeinlagen das Werk in Englisch gesungen wird, bleibt abzuwarten.

Matthias Thiemel [15.01.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Strauß (Vater) Die Fledermaus op. 363

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Nancy Gustafson Sopran
Judith Howarth Sopran
Louis Otey Bariton
Jochen Kowalski Countertenor
Bonaventura Bottone Tenor
Anthony Michaels-Moore Bariton
Eric Garrett Baß
John Dobson Baß
Joan Sutherland Sopran
Luciano Pavarotti Tenor
Marilyn Horne Sopran
Orchestra of the Royal Opera House Orchester
Richard Bonynge Dirigent
 
100 134;4006680101347

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