Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Donemus CV 74/75

2 CD • 2h 52min • 2000

01.03.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Daß eine neue niederländische Oper in Deutschland gespielt wird, grenzt an ein Wunder. Keine der auch in deutschen Zeitungen ausführlich besprochenen Opern des Minimalisten Louis Andriessen oder des bedeutendsten niederländischen Komponisten seiner Generation, Peter Schat, wurde je auf einer deutschen Bühne gespielt, obwohl sie es zweifellos verdient hätten. Auch die anderen Bühnenwerke des ursprünglich vor allem als Jazzmusiker bekanntgewordenen Theo Loevendie (1930) wurden hierzulange bisher noch nicht aufgeführt. Daß ausgerechnet Esmée (UA 1995 Amsterdam) von der damals noch experimentierfreudigen Bielefelder Oper ins Repertoire genommen wurde, nachdem ein Gastspiel des Amsterdamer Uraufführungs-Ensembles in der Deutschen Oper Berlin ihre Bühnenwirksamkeit unter Beweis gestellt hatte, liegt wohl in erster Linie am Stoff (Libretto: Jan Blokker). Geschildert wird der kurze Lebenslauf der Widerstandskämpferin Esmée van Eeghen, die sich in einen deutschen Offizier verliebt und schließlich von der SS ermordet wird.

Esmée van Eeghen, eine bis heute umstrittene Mata Hari des Zweiten Weltkriegs, wird in der Oper als überzeugte Nonkonformistin dargestellt, die im Streit mit dem niederländischen Widerstand und der deutschen Besatzungsmacht zugrundegeht, weil sie ihr persönliches Gefühl über jeden gesellschaftlichen Zwang triumphieren läßt.

Loevendie, immer mehr auf die Publikumswirkung seiner musikalischen Mittel als auf Orthodoxie bedacht, verbindet eine strenge Durchkonstruktion des musikalischen Materials nach der von ihm entwickelten Kurventheorie - die Intervalle können vergrößert oder verkleinert werden, aber ihre Rangordnung bleibt die gleiche - mit postmoderner, an Strawinsky geschulter Zitierfreude. Einen Höhepunkt in dieser Hinsicht stellt die vierte Szene des ersten Aktes der zweiaktigen Oper dar. Äußerst eindrucksvoll auch das letzte Bild mit dem wie verhaucht wirkenden Schluß der Es-Klarinette. Die Bielefelder Aufführung steht der Uraufführung in keiner Weise nach, allerdings ist es bedauerlich, daß die Dreisprachigkeit des ursprünglichen Librettos (niederländisch, deutsch, englisch) zugunsten eines rein deutschen Textes aufgegeben wurde.

Dr. Rein A. Zondergeld [01.03.2001]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Theo Loevendie
1Esmée

Interpreten der Einspielung

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige