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CD-Besprechung

Capriccio 10 739

1 CD • 48min • 1997

01.03.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Eine ebenso unterhaltsame wie informative Lektion über die Musik der Generation der Bach-Söhne bietet diese CD, auf der Klavierkonzerte dreier Schüler des Thomaskantors erklingen. Ein weiterer gemeinsamer Schnittpunkt der drei Komponisten ist Berlin und das Zusammenwirken mit Carl Philipp Emanuel Bach, der dort als Kammercembalist Friedrichs des Großen wirkte. Der Aufbruch in ein neues musikalisches Zeitalter, für den diese Generation steht, wird an dieser CD ebenso deutlich wie ihre problematische musikgeschichtliche Stellung als Scharnier zwischen zwei Zeiten, die durch außerordentliche musikalische Genies geprägt waren: Spätbarock und Wiener Klassik.

In seinem etwas ungeschickten Plädoyer für diese vergessene Komponistengeneration vermischt der Begleittext im Beiheft die Begriffe, indem "galant" und "empfindsam" als Kennzeichen ein und desselben Zeitalters benannt werden, ohne daß die fundamentalen Unterschiede herausgearbeitet werden, die beide Benennungen implizieren: Steht "galant" in erster Linie für eine eher konventionelle Musik nach dem Rokoko-Geschmack der fürstlichen Auftraggeber, so meint "empfindsam" die durchaus avantgardistische Emanzipation des kreativen Künstlers, der eine Innenansicht emotionaler Welten gestaltet und so die Neuentdeckung des empfindenden Subjekts kennzeichnet (ähnlich wie in der Literatur der etwas später einsetzende "Sturm und Drang").

Alle drei Werke dieser CD zeigen sich von beiden Stilrichtungen in einem jeweils unterschiedlichen Ausmaß beeinflußt: Müthel liefert zweifellos die modernste Komposition ab (somit ist die Verwendung eines Fortepianos hier auch nur konsequent), am konventionellsten tritt das Konzert von Nichelmann - Carl Philipp Emanuel Bachs Kollege im Dienst als Cembalist am preußischen Königshof - dem Hörer entgegen. So zeigt diese Veröffentlichung musikalisch, was im Beiheft schemenhaft bleibt: In ihrer künstlerischen Gegensätzlichkeit bereitet diese "Epoche zwischen den Epochen" (Beiheft) gleichsam wie im Geburtsschmerz die Individualität der zukünftigen Musik vor, die sich am künstlerischen Subjekt orientiert.

In der Brückenfunktion zwischen Altem und Neuem liegt also der "pädagogische Effekt" dieser CD, neben dem unleugbaren Vergnügen, das Christine Schornsheim und ihr Begleitensemble bereiten. Mit Einfühlung, Hingabe und Temperament gestalten sie musikalischen Alltag aus der Mitte des 18. Jahrhunderts auf hohem Niveau und in sehr ausgeprägter Individualität. Doch immer noch bleibt ein fühlbarer Unterschied zu der am weitesten ausgebildeten Eigenart Philipp Emanuel Bachs, dem Mozart zu recht ins Grab nachrief: "er war der Vater, wir die Buben - von ihm haben wir's alle gelernt."

Detmar Huchting [01.03.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Philipp Kirnberger
1Cembalokonzert c-Moll
Johann Gottfried Müthel
2Concerto III G-Dur für Hammerflügel, Streicher und Basso continuo
Christoph Nichelmann
3Cembalokonzert E-Dur

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