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Meldung vom 28.02.2021

Hinweis im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit sowie der orthographischen und grammatikalischen Korrektheit wird auf die Praxis der verkürzten geschlechterspezifischen Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung gleichermaßen für alle Geschlechter.

Klassik Stiftung Weimar restituiert Graphiken von Adele Schopenhauer

Erben des Besitzers Ernst Polaczek in Brasilien gefunden

Die Klassik Stiftung Weimar hat einen weiteren Fall von NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut abgeschlossen und zwei Graphikserien an die Rechtsnachfolger des jüdischen Kunsthistorikers Ernst Polaczek restituiert. Die rechtmäßigen Erben der Drucke eines „Rätselalphabets“ nach Scherenschnitten von Adele Schopenhauer, der Schwester des Philosophen Arthur Schopenhauer, fand die Stiftung nach langjähriger Suche in Brasilien. Ernst Polaczek hatte die Graphiken 1936 für 40 Reichsmark an das Goethe-Nationalmuseum verkauft, das heute zur Klassik Stiftung Weimar gehört. Bei der systematischen Überprüfung der Bestände der Stiftung auf NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut wurden sie als sogenanntes NS-Raubgut identifiziert.

Berufsverbot und die Folgen

Prof. Dr. Ernst Polaczek, geboren 1870 in Reichenberg, heute Liberec, Tschechische Republik, leitete zunächst das Städtische Kunstgewerbemuseum in Straßburg und war später Direktor des Straßburger Museums der schönen Künste. Nach dem Ersten Weltkrieg und seiner Ausweisung aus dem nun wieder französischen Elsass wurde er 1928 Direktor der Oberlausitzer Gedenkhalle und des Kaiser-Friedrich-Museums in Görlitz. 1933 erhielt er aufgrund der antisemitischen Gesetzgebung der Nationalsozialisten ein Berufsverbot und wurde in den vorzeitigen Ruhestand versetzt.

Mit seiner Ehefrau Friederike, geborene Löbl, lebte er danach in Freiburg im Breisgau. Vermutlich musste das Ehepaar Teile der privaten Kunstsammlung veräußern, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. 1939 starb Ernst Polaczek, seine Ehefrau wurde Alleinerbin. Im Oktober 1940 wurde sie ins Lager Gurs in Frankreich deportiert, von wo aus ihr jedoch die Flucht gelang. Bis 1942 konnte sie sich in Grenoble verstecken, bevor sie bei einer Razzia entdeckt und in das Vernichtungslager in Auschwitz deportiert und ermordet wurde.

Friederike Polaczek hinterließ ein Testament, in dem sie zwei Cousins als Erben eingesetzt hatte. Erst nach mehrjähriger Recherche konnte die Klassik Stiftung Weimar Nachkommen der Cousins in Brasilien ausfindig machen, so dass die Objekte schließlich an die Erben zurückgegeben werden konnten. Im Februar 2021 sind sie in Brasilien eingetroffen.

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