Komponist Markus Zahnhausen in München gestorben
Der preisgekrönte Komponist und Blockflötenvirtuose war viele Jahre Klassik-Heute-Autor
Der den Klassik-Heute-Lesern durch seine klugen, kenntnisreichen und sprachlich eleganten Besprechungen bekannte Musikfeuilletonist, Rundfunkredakteur, Blockflötenvirtuose und vielfach preisgekrönte Komponist Markus Zahnhausen (Autoren-Pseudonym: Heinz Braun) ist am Ostersonntag, 17. April 2022, plötzlich – wenngleich nicht gänzlich unerwartet – gestorben.
Markus Zahnhausen wurde am 12. März 1965 in Saarbrücken geboren und wuchs dort und später in Trier auf. Zum Blockflötenstudium ging er an das Richard-Strauss-Konservatorium nach München. Die Stadt wurde ihm dann zum Lebensmittelpunkt, wenngleich ihn eine internationale Konzertkarriere, Meisterkurse und Gastprofessuren nach Island, Norwegen, Schweden, Dänemark, Estland, Russland, Großbritannien und ins österreichische Graz führten. Dort arbeitete er auch mit fortgeschrittenen Schülern seiner berühmten Kollegen Michala Petri und Dan Laurin an eigenen Kompositionen, aber auch am Repertoire des Barock und der klassischen Moderne. Michala Petri schrieb hierzu: «Immer, wenn ich persönlich mit Markus Zahnhausen gearbeitet habe, hat mich seine souveräne Systematik beeindruckt. Ich habe vollstes Vertrauen in seine außerordentlichen Fähigkeiten als Pädagoge, was seine zahlreichen Studenten und Schüler immer wieder auf das Schönste bestätigen.»
Gespür für Stimmungen
Als Komponist hatte Markus Zahnhausen ein unglaubliches Gespür für Leises und Intimes. Er vermochte wie nur wenige, eine bestimmte Stimmung mit ganz wenigen Tönen zu evozieren. Seine Geburtstagskarten unter dem Titel Adesso, in denen das Alter der Beglückwünschten die Anzahl der Töne vorgab, legen hierfür beredtes Zeugnis ab. Sinnloses Lärmen war seine Sache nicht. Seine Kompositionen sind freitonal, aber nicht gänzlich tonalitätsfrei. Häufig ist der Notentext durchaus übersichtlich, da Avantgarde-Effekte und deren womöglich graphische Notation weitestgehend gemieden werden. Die Schwierigkeit der Ausführung ergibt sich allerdings durch die genaue Beachtung der minutiösen Spielanweisungen. Ein „den Effekt kenne ich, das kann ich im Konzert locker improvisieren“ – was bei Pflichtstücken im ARD-Wettbewerb keinesfalls unüblich ist – würde bei einer Zahnhausen-Komposition direkt in den Abgrund führen. Man werfe hierzu nur einen Blick auf Lux aeterna oder in den Jahreszeichen-Zyklus. Sein grandioses Konzert Recordare für Blockflöte und Sinfonieorchester verdiente es, ins Kernrepertoire einzugehen. Ebenso böte sein relativ kurzes, herrlich in sich versponnenes Streichquartett einen nicht zu modernen Farbklecks zu Beginn des zweiten Teils eines anspruchsvolleren Quartettabends. Mit Toccata – Wiegenlied für einen Kolibri gelang ihm die wohl erfolgreichste moderne Zugabe für virtuose Blockflötisten. Dan Laurin fasste es so zusammen: «In einer zeitgenössischen Musiksprache hat es Zahnhausen zuwege gebracht, die Blockflöte wieder als das erscheinen zu lassen, was sie einmal war: Flauto – die Flöte!»
Humorvoll und eigensinnig
Zahnhausen liebte die Lyrik des Barock (Brockes!), aber auch Christian Morgenstern (Morgenstern-Marginalien) und war als Poet selbst gleichermaßen sprach- wie humorbegabt. Man konnte – wenn es die Stimmung ergab – endlos mit ihm blödeln, Worte verballhornen und mannigfaltigen sprachlichen Schabernack treiben. So haben wir uns einmal eine schlaflose Nacht mit einer Limerick-Battle über Dackel vertrieben, deren Produkte – nebst Erfassung der aufgewandten Zeit – via Chat hin und her blitzten. Aber er konnte auch ebenso dickköpfig sein. So hielt ihn seine spirituell-esoterische Disposition davon ab, rechtzeitig schulmedizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, obwohl er damit den gesamten Freundeskreis zu mittleren Tobsuchtsanfällen reizte. Möge er in der uns allen unbekannten Anderwelt jetzt seinen verdienten Frieden finden.
Thomas Baack
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