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CD-Besprechung

Medtner: Sämtliche Klaviersonaten

Medtner: Sämtliche Klaviersonaten

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.02.99

Hyperion CDA67221/4

4 CD • 4h 39min • 19961998

Mit bewunderungswürdigem Elan und prächtigen musikalisch-technischen Resourcen erweitert der kanadische Pianist Marc-André Hamelin seinen Hyperion-Katalog. Dabei meidet er jede Art der werkspezifischen Gewöhnlichkeit, scheint aber mit großer Umsicht darauf zu achten, daß auf dem Wege der Compact Disc nicht Novitäten und Raritäten um ihrer selbst willen in den Handel gelangen. Das Seltene erfüllt bei ihm fast immer die Kriterien des Erlesenen. So bekommt man unwillkürlich Appetit, Hamelin dereinst einmal mit der Mondschein-Sonate, mit Beethovens Elise oder mit Mozarts Alla turca-Sonate zu hören. Sein Spiel, sein Denken und Fühlen verspricht auf diesem Boden Neuigkeiten, ganz im Gegensatz zu jenen jungen Platteneinsteigern, die mit einer schönen, aber eben doch recht ausgeleierten Mozart-Beethoven-Chopin-Werkfolge ins große Geschäft einsteigen (oder es wenigstens versuchen).

Hamelin widmet sich den schwierigen, sperrigen, erst beim genauen Hinsehen und Hinhören wirklich einladenden Medtner-Sonaten nicht im interessierten Vorübergehen. Er bietet diese für die spätromantische Sonatenrezeption so wichtige Werkgruppe in all ihren Subjektivismen, Absolutismen und Anschaulichkeiten als expressives Ganzes – lediglich unterbrochen (oder aufgefüllt) durch die Märchen op. 8 und die Vergessenen Weisen op. 38 und op. 39. Für die verantwortungsvolle Medtner-Einschätzung stellen diese leidenschaftlichen, sehr live wirkenden Einspielungen eine große, ja mehr noch: eine entscheidende Hilfe dar. Stärker als Geoffrey Tozer gelingt es Hamelin, die dunklen, umwölkten Seiten, die erzählenden und schwelgerischen Aspekte dieser Stücke mit Farbe, Zwischenfarben und Aura anzureichern. Dies spricht überhaupt nicht gegen Tozers auskunftsfreudige Taten, aber sie stellen meiner Ansicht nach nur eine Vorstufe der Medtner-Interpretation dar. Hamelin hat die Partituren sicher nicht weniger genau studiert, aber er nutzt ihre Impulse, ihre Zeichen und Aufforderungen zu einer klavieristischen Reise ins Ungeheuerliche. So darf man – leider – die Pionieraufnahmen von Hamish Milne (crd) endgültig zu den Akten legen. Lediglich Einzeleinspielungen der Sonaten und Charakterstücke mit Gilels, Richter oder Horowitz bleiben von Belang.

Peter Cossé [01.02.1999]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 N. Medtner Klaviersonate f-Moll op. 5
2 Fünf Märchen op. 8 (1909)
3 Sonaten-Triade op. 11
4 Klaviersonate g-Moll op. 22 (1911)
5 Märchen-Sonate op. 25 Nr. 1 (1911)
6 Klaviersonate e-Moll op. 25 Nr. 2 (Nachtwind)
7 Sonata-Ballade Fis-Dur op. 27 (1913)
8 Klaviersonate a-Moll op. 30
9 Vergessene Weisen op. 38
10 Vergessene Weisen op. 39
11 Sonata romantica b-Moll op. 53
12 Sonata minacciosa f-Moll op. 53 Nr. 2
13 Klaviersonate G-Dur op. 56 (Sonata-Idylle)
 
CDA67221/4;0034571172217

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