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CD-Besprechung

Siegmund von Hausegger

Lieder

cpo 777 730-2

1 CD • 69min • 2010

06.09.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Bis vor zehn Jahren war der in Graz geborene Komponist Siegmund von Hausegger (1872-1948), der in seinen Anfängen in der Fachwelt hohes Ansehen genoß, auch von Richard Strauss hochgeschätzt wurde, gänzlich in Vergessenheit geraten. Ein bisschen durch eigene Schuld, denn seine großen Selbstzweifel lähmten seine Kreativität mehr und mehr und veranlaßten ihn, sich ganz aufs Dirigieren zu verlegen, wobei er – vor allem als Bruckner-Interpret – beträchtliche Erfolge hatte. 2008 begann dank der Initiative von cpo eine systematische Wiederentdeckung seines Oeuvres, beginnend mit seinem Hauptwerk, der „Natursinfonie“ (1907), gefolgt von weiteren sinfonischen Arbeiten, die alle in Erstaunen versetzten ob ihrer handwerklichen und künstlerisch eigenständigen Qualität.

Nun legt cpo mit einer Auswahl seiner Lieder nach, die aus seiner fruchtbarsten Schaffensperiode stammen, seinem dritten Lebensjahrzehnt, davon 22 von insgesamt 27 Titeln aus den Jahren 1896-98. Auch in seinen Liedern findet Hausegger einen eigenen Ton. Er schwimmt nicht auf der spätromantischen Welle – Wagner-Zitate setzen eher humoristische Akzente -, sondern besinnt sich auf die von Schubert ausgehende Lied-Tradition, bleibt oft volksliedhaft einfach in der Melodieführung. Die Klavierbegleitung ist variabel, aber nie auf Virtuosität ausgerichtet, sie dient dem gesungenen Text. Oft reichen ein paar dürre Akkorde, dann wieder braust das Instrument wie ein ganzes Orchester auf.

Interessant ist die Auswahl der Texte. Neben Otto Julius Bierbaum, dem um 1900 meistvertonten Lyriker, stehen Gedichte der Schweizer Autoren Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer, die bei uns vor allem ihrer Prosa wegen bewundert werden, im Zentrum des Interesses. Hausegger versucht musikalisch in die Texte einzudringen, sie zur Kenntlichkeit zu bringen, übersteigert sie dabei oft in einer Sturm- und Drang-Manier. Das führt in Bierbaums „Letzte Bitte“ oder Meyers „Schwüle“ zum existentiellen Aufschrei, aber auch Theodor Storms melancholische Herbstbetrachtung „Über die Haide“ nimmt bei Hausegger einen verzweifelten Ton an („Wär ich nur hier nicht gegangen im Mai!“). Ein Zerrissener muß der junge Komponist gewesen sein, dem andererseits Humor und Ironie durchaus zu Gebote standen. „Mit tiefschmerzlicher Empfindung vorzutragen“ ist die von Robert Burns stammende traurige Mär „Mein Schweinchen“, das zuletzt vom bösen Fuchs gebissen wird.

Der Bariton Roman Trekel und sein Klavierbegleiter Cord Garben geben in der schon vor acht Jahren entstandenen Co-Produktion mit dem BR ein eloquentes Plädoyer für den vergessenen Komponisten. Der Sänger zeigt eine weite stimmliche Farbpalette und betont den mehr expressiven als kontemplativen Gestus der Musik und der versierte Pianist hält sich erfreulich frei von Routine. Eckhardt van den Hoogens ausführliche Würdigung des Komponisten im Booklet ist ein weiterer Grund, diese Veröffentlichung zu empfehlen.

Ekkehard Pluta [06.09.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Siegmund von Hausegger
1Siehst du den Stern 00:02:07
2Ewig jung ist nur die Sonne 00:02:59
3Abendwolke 00:01:27
4Letzte Bitte 00:03:29
5Schwüle 00:03:01
6Winter 00:02:45
7Mit trockenen Blumen 00:01:55
8Vor der Ernte 00:01:35
9Mein Schweinchen 00:02:50
10Tief von fern 00:01:45
11Auf der Haide 00:03:01
12Das Lied von Ferne 00:02:03
13Mondnacht 00:02:03
14Das Liebchen (Volkslied) 00:02:49
15Über die Haide 00:02:17
16Herbst 00:02:39
17Genug 00:03:02
18Weihenacht 00:02:05
19Drei Hymnen an die Nacht, I. Stille der Nacht 00:04:08
20Drei Hymnen an die Nacht, III. Unter Sternen 00:05:03
21Eingelegte Ruder 00:02:26
22Lenz Wanderer 00:02:12
23Lenz Mörder 00:02:22
24Lenz Triumphator 00:01:52
25Ekstase 00:02:07
26Glaube nur! 00:02:34
27Der Teufel ist fort 00:01:51

Interpreten der Einspielung

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