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CD-Besprechung

Christian Ernst Graf

Five String Quartets

Christian Ernst Graf

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 13.07.15

cpo 777 865-2

1 CD • 61min • 2012

Christian Ernst Graf (1723-1804) entstammt einer Musikerfamilie: Sein Vater Johann Graf war Hofkapellmeister im kleinen, aber ehrgeizigen thüringischen Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, und von seinen sechs Brüdern wurden noch drei weitere ebenfalls Musiker, darunter Friedrich Hartmann Graf, ein virtuoser Traversflötist.

1745 folgte Christian Ernst Graf seinem Vater als Rudolstädter Kapellmeister nach, verließ den Hof allerdings schon nach drei Jahren, Gerüchten zufolge mit Instrumenten aus dem Kapellbestand und Schulden hinterlassend – ein Landesverweis soll die Konsequenz der fürstlichen Obrigkeit gewesen sein, im Fall des flüchtigen Musikers also mehr ein ohnmächtig zorniger Fingerzeig, ja nie zurückzukommen. Graf baute sich in den Niederlanden eine neue Existenz auf: zunächst in Middelburg, Hauptstadt der Provinz Zeeland und wohlhabende Handelsstadt. 1759 trat er in die Hofkapelle Wilhelms V. von Oranje-Nassau ein, des noch unmündigen Erbstatthalters der Republik der Vereinigten Niederlande. Ab 1767 stand er dem Orchester als Hofkapellmeister vor, in dem der jüngere Bruder Friedrich Hartmann von 1768 bis 1772 als Flötist diente.

Nach der Anstellung am Oranierhof änderte Christian Ernst Graf seinen Namen in die niederländische Schreibung Graaf, bis zu seinem Tod 1804 behielt er sein Amt, während der letzten Jahre als Pensionär. Sein Œuvre ist vielfältig, wie es seine Amtspflichten nahelegen, und seine Musik zeichnet sich einerseits durch die solide, vom Vater erhaltene Ausbildung aus und durch einen wachen Sinn für die neuen musikalischen Entwicklungen der Zeit. Carl Philipp Emanuel Bach wurde neun Jahre vor Graf geboren, Joseph Haydn wiederum neun Jahre nach ihm: Eine gewisse Mittelstellung zwischen beiden ist den auf dieser CD versammelten Kammermusikwerken durchaus anzuhören. Auch fällt auf, dass der höchst einfallsreiche Graf sich vor diesen bedeutenden Meistern seines Jahrhunderts musikalisch nicht verstecken muss, wenn sie ihn auch beide auf jeweils eigene Manier in der formalen Stringenz bei der kompositorischen Umsetzung ihrer musikalischen Ideen übertreffen.

Die fünf dreisätzigen Streichquartette dieser CD kombinieren drei aus der dem Prinzen Ludwig von Nassau-Saarbrücken gewidmeten Sammlung von sechs Quartetten op. 17 mit zwei Werken ohne Opuszahl. Nicht immer steht der langsame Satz in der Mitte, gelegentlich eröffnet er auch das Quartett, dann eher stimmungsvoll als feierlich. Erfreulich ist die Vielfalt der Einfälle, die Christian Ernst Graf zu Papier bringt, man fühlt sich als Zaungast der experimentellen Phase der Entstehung einer neuen Gattung, die ihre Vollendung zweifelsfrei durch das Genie Joseph Haydns erhielt, deren Konzeption aber unleugbar in der Luft lag und auch in diesen Werken wichtige und qualitativ hochstehende Förderung erhielt.

Das Via Nova Quartett bietet auf historischem Instrumentarium charmante, tonschöne und –reine Interpretationen in genau austariertem Gleichgewicht zwischen Temperament und Zartgefühl. Die Quartette op. 17 haben im Bass noch ein Continuocembalo, dass sich entgegen mancher Unsitte anderer Ensembles nicht in den Vordergrund spielt, aber von der Tontechnik so stiefmütterlich behandelt wird, dass es streckenweise kaum zu hören ist – schade, ein kleiner Wermutstropfen dieser CD, den die Interpreten freilich nicht zu verantworten haben. Zwei der Musiker haben ihre Ausbildung u. a. bei Mitgliedern des Alban Berg Quartetts erhalten, da mag es gut angehen, dass dieses Ausnahmeensemble bei dem ausgesprochen beseelten Zusammenspiel des Via Nova Quartetts Pate steht. Solche Qualität hilft einer gerechten Beurteilung vergessener Meisterwerke eigenen Rechts außerordentlich und bereitet dem Zuhörer ausgesprochenes Vergnügen – ein keinesfalls zu vernachlässigender Gesichtspunkt: Das sind Stücke zu wiederholtem Genuss in Interpretationen zum mehrmaligen Anhören.

Detmar Huchting [13.07.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C.E. Graf Streichquartett D-Dur op. 17 Nr. 4 00:11:10
4 Streichquartett Nr. 6 F-Dur 00:11:22
7 Streichquartett g-Moll op. 17 Nr. 1 00:11:14
10 Streichquartett Nr. 4 D-Dur 00:15:09
13 Streichquartett G-Dur op. 17 Nr. 3 00:11:42

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Via Nova Quartett Streichquartett
 
777 865-2;0761203786527

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