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CD-Besprechung

Johannes Schöllhorn

Liu-Yi

Aeon AECD 0863

1 CD • 61min • 2001, 2002, 2006

14.05.2009

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Der Komponist Johannes Schöllhorn zählt die großen Komponisten der Gegenwart zu seinen Lehrmeistern – unter anderem Emanuel Nunes und Klaus Huber. Ersterer lehrte ihn, dass sich konzeptionelle Strenge und Schönheit nicht ausschließen. Von letzterem übernahm er – nach eigenem Bekunden – die prinzipielle Offenheit für viele Musiken, vor allem für jene, die schon in einem selbst sind. Strenge, Schönheit, Offenheit – Prinzipien, die im herausfordernden Oeuvre des Freiburgers aufleben, und dies findet sich nun auf einer Neuerscheinung des Aeon-Labels retrospektivisch dokumentiert. Rundfunkorchester und -Chor des WDR sowie ein bestens aufgelegtes, von Stephan Meier sowie von Schöllhorn selbst dirigiertes „Neues Ensemble“ entfalten hier in Kompositionen aus den Jahren 1998 bis 2002 eine manchmal frappierend physische Darstellungskraft.

Schöllhorn konfrontiert klangliche Gesten, lässt sie reibungsvoll miteinander reagieren, formuliert aus all dem eine oft sperrige, aber wohlkalkuliert ausgefeilte Dramaturgie. Glissando-Effekte suggerieren unstete Spannung, aus der viele Ereignisse von physischer Unmittelbarkeit hervorbrechen. Stationäre Holzbläserlinien nähern sich der Stille an. Klänge tropfen und mäandern analog der imaginären chinesischen Wasser-Bildpoesie, die den Ursprung der Titel-Komposition bildete. Immer wieder zielen feinsinnige, hochästhetische Zuspitzungen aufs Zart-Berührende, nicht nur, wenn die Harfe mit hauchzarten Motiv-Pattern Zuflucht in einem sonst eher kühl abgestuften Universum bietet. Gongs werden so flächig gespielt, als käme ein elektronischer Klangerzeuger ins Spiel, was definitiv nicht der Fall ist. So manch dynamischer Ausbruch steigert sich in brachiale Maschinenhaftigkeit hinein – die hier aufspielenden Ensembles lehren einmal mehr das Staunen, welch unwirkliche Klänge auf gestrichenen, geblasenen oder geschlagenen Instrumenten möglich sind!

Aus einer Kammeroper extrahierte Schöllhorn eine Suite für Perkussion, Piano und Orchester – mit pochend sich überlagernden, faszinierend struktierten Rhythmusschichten. Jürgen Ruck betreibt als Gitarrensolist bei der Komposion Tiento eine hellhörige Kommunikation mit der Kammerbesetzung des Neuen Ensembles. Der WDR-Rundfunk-Chor erzeugt in Schöllhorns Senza parole ein bebendes Spannungsgeflecht auf Grundlage von stark glissando-durchsetzten Klangflächen, manchmal den Ligeti-Filmmusiken nicht unähnlich!

All dies ist in eine bestechend räumliche Aufnahmetechnik „verpackt“.

Schöllhorn schreibt Musik, weil ihn die Auseinandersetzung mit theoretischen, oft gar naturwissenschaftlichen Inhalten in letzter Konsequenz dahin führt. Dem Hörer wünscht er jedoch ein möglichst unmittelbares Erleben dieses Kaleidoskops aus Klangfarben, schroffen Gesten und lyrischen Spurenelementen. Im Begleittext ist ein Interview abgedruckt, in dem Schöllhorn an die absolute Freiheit im Kopf appelliert.

Stefan Pieper [14.05.2009]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Schöllhorn
1Kazabana für Ensemble 00:10:56
4Liu-Yi/Wasser für Orchester 00:13:38
5Suite für Schlagzeug, Harfe und Klavier (aus der Kinderoper "Les Petites filles modèles") 00:12:03
12Tiento für Gitarre und Ensemble 00:10:13
13Senza Parole für Chor a cappella 00:13:18

Interpreten der Einspielung

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