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CD-Besprechung

OehmsClassics OC 572

1 CD • 69min • 2005

04.09.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Wem von Ihnen – verehrte Leser – ist der Name Juliusz Wolfsohn schon einmal begegnet?! Hier nun gibt es Gelegenheit, einen Ausschnitt aus seinem an Franz Liszts Ungarischen Rhapsodien orientierten Klavierwerken kennen zu lernen. Der russisch-jüdische Pianist und Musikwissenschaftler Jascha Nemtsov hat sich – im Wechsel mit Lisztschen Rhapsodien – drei der Wolfsohn-„Kinder“ angenommen und dabei auch die Gelegenheit genutzt, im Begleittext auf musikalisch-ethnische, aber auch musikbiographische Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Hier nur so viel zum Einstieg in die interessante Materie: Wolfsohn wurde 1880 in Warschau geboren, studierte zunächst am Konservatorium seiner Heimatstadt, um sich dann in Moskau und in Paris (bei Raoul Pugno) weiterzubilden. Als Schüler von Theodor Leschetitzky in Wien avancierte Wolfsohn schließlich zum Enkelschüler von Liszt!

In seinen technisch anspruchsvollen Klavierwerken orientiert sich Wolfsohn an jüdischen Vorlagen (Volkslieder, Psalmodien, Hochzeitslied etc.), verknüpft, paraphrasiert sie in der Manier der Lisztschen „ungarischen“ Zigeuner-Adaptionen, wobei es dem seinerzeit international weit gereisten Pianisten nicht selten gelingt, aufregende, farbintensiv jüdisch-zigeunerische Mischkalkulationen zu einem akustischen Netzwerk zu verknüpfen, das dem Interpreten manche Möglichkeit gibt, zu brillieren, um den Hörer dann in den verhaltenen Passagen auch auf der weinerlichen Seite erwischen zu können.

Nemtsov erweist sich hier – wie mir vorkommt – nicht nur als Musik liebender Kellner, der diese Stücke gleichsam auf Label-Bestellung serviert. Vielmehr scheint er alles zu investieren, was ihm musikologisch zur Verfügung steht und im wahrsten Sinne des Wortes zur Hand ist. Im Verlauf der rahmenden und überleitenden vier Liszt-Rhapsodien freilich bleibt er – ähnlich wie Szidon oder Jandó – im Bereich korrekter Aufbereitung der gedruckten Texte, hütet sich, im Gegensatz etwa zu Cziffra, Eigenes im Sinne zigeunerischer Momentaufnahmen einzufügen. Den Final-Strecken schließlich fehlt es an letzter Entschlossenheit und damit an der in diesen Phasen des kontrollierten Taumels für mein Empfinden unverzichtbaren Verrücktheit, so dass etwa der an sich schon etwas harzige Schluss der „Dreizehnten“ nicht recht vom folkloristischen Fleck kommen will. Volodos zum Beispiel hat hier einiges zur Diskussion gestellt, wie man in solchen Passagen einer Lisztschen Schwachstelle beizukommen versteht!

Vergleichsaufnahmen: Liszt: Cziffra (EMI CMS 7 64882 2), Pizarro (Brilliant Classics 92790), Jandó (Naxos 8.554480 und 8.554481), Szidon (DG), Howard (Hyperion CDA 66418/9), Pascal (Polymnie 150 107), Hambourg (APR 7040); Nr. 13: Fischer C. (Genuin 86068), Dohnányi (Tacet 145), Volodos (Sony/BMG 82876873802).

Peter Cossé † [04.09.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Liszt
1Ungarische Rhapsodie Nr. 8 fis-Moll 00:06:50
Juliusz Wolfsohn
2Jewish Rhapsody 00:07:56
Franz Liszt
3Ungarische Rhapsodie Nr. 7 d-Moll 00:05:14
Juliusz Wolfsohn
4Hebrew Suite op. 8 00:25:56
Franz Liszt
8Ungarische Rhapsodie Nr. 3 D-Dur 00:05:03
Juliusz Wolfsohn
9Paraphrases on Old Jewish Folk Songs 00:07:54
Franz Liszt
11Hungarian Rhapsody No. 13 a minor 00:09:09

Interpreten der Einspielung

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