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CD-Besprechung

B. Bartók

Hungaroton 1 CD/SACD HSACD 32504

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 26.05.08

Hungaroton HSACD 32504

1 CD/SACD • 74min • 1985, 1986, 2006

Hungaroton schickt sich an, eine neue Bartók-Serie aufzulegen – diesmal in SACD-Qualität. Angesichts immenser Produktionskosten werden dafür auch ältere Aufnahmen herangezogen, die entsprechend nachbearbeitet werden. Wenn dabei das Niveau gehalten werden kann, das die hier vorgestellte Produktion vorgibt, können sich Bartók-Fans freuen: Die 1985 und 1986 eingespielten Werke, Scherzo (1904) und Rhapsodie (1905) für Klavier und Orchester mit Zoltán Kocsis und dem Budapest Festival Orchestra unter Ivan Fischer, klingen frisch wie am ersten Tag und überzeugen im Surround-Modus mit guter Trennschärfe und Farbreichtum. Im Stereo-Betrieb läßt die Präsenz nur geringfügig nach, die Aufnahmen klingen etwas weicher, doch das tut dem Hörvergnügen keinen Abbruch – zumal die lautesten Stellen sich staunenswert frei entfalten und nirgends knallig klingen. Künstlerisch hatten die Beteiligten ohnehin eine Sternstunde. Die Titel beider Kompositionen täuschen übrigens darüber hinweg, daß es sich um zwei veritable, lange Klavierkonzerte handelt, die noch hörbar von Liszt beeinflußt sind, wobei das Scherzo zusätzlich Wege einer konzertanten Sinfonie einschlägt, in der das Solo-Instrument immer wieder über längere Strecken schweigt (ähnlich wie in Berlioz’ Harold en Italie die Viola).

Einige wenige Abstriche sind zu machen bei der Neueinspielung von Bartóks eigentlichem ersten Violinkonzert, das er zu Lebzeiten in der Originalgestalt nie veröffentlichte. Zu persönlich ist das Werk, dessen Autograph in der Paul Sacher Stiftung aufbewahrt wird und den Titel Vallomásom Stefinek trägt – "Mein Geständnis, an Stefi". Bartók verarbeitete darin seine Liebe zu der jungen Stefi Geyer, die ihn ziemlich genau zu dem Zeitpunkt verließ, als er das Werk gerade beendete. Er war für die frömmlerische Geigen-Studentin zu sehr ketzerischer Freigeist. So zeichnet das Konzert die Fieberkurve der Beziehung nach, von der ersten Begegnung bis zur immer größeren Enttäuschung, von der Idealisierung mit der rosa Brille bis hin zu dem Zerrbild des enttäuschten Liebenden. Der junge Geiger Barnabás Kelemen musiziert mit großer Hingabe, einem herrlich weichen, oft verinnerlicht wirkenden Ton in lyrischen Passagen und energischem Zugriff in den bewegten Teilen – ein Talent, auf das mit allem Nachdruck aufmerksam gemacht sei. Zoltán Kocscis, hier als Dirigent, begleitet aufmerksam; allerdings wirkt das Spiel der Ungarischen Nationalphilharmonie in den Bläsern farbärmer als das des Budapester Festivalorchesters 20 Jahre früher. Insgesamt wirkt die Produktion in Stereo wie auch in Surround etwas körniger und direkter als die Nachbearbeitung der beiden älteren Aufnahmen; leider sind die Lautstärke-Spitzen nicht ganz so überzeugend natürlich, auch wirkt das Ganze eigenartigerweise weniger räumlich. Das tut der positiven Gesamtwirkung dieser SACD aber keinen Abbruch. Die Gesamtwertung trägt dem Umstand Rechnung, das ich mich für das Violinkonzert nicht zu jener Zehner-Wertung durchringen konnte, die für die Klavierwerke angemessen ist.

Dr. Benjamin G. Cohrs [26.05.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 B. Bartók Rhapsodie op. 1 BB 36b Sz 27 für Klavier und Orchester 00:23:48
3 Scherzo op. 2 BB 35 Sz 28 für Klavier und Orchester 00:29:59
7 Violinkonzert BB 48a Sz 36 (op. posth.) 00:19:48

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Barnabás Kelemen Violine
Hungarian National Philharmonic Orchestra Orchester
Zoltán Kocsis Dirigent, Klavier
Budapest Festival Orchestra Orchester
Iván Fischer Dirigent
 
HSACD 32504;5991813250421

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