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CD-Besprechung

Joseph Joachim Raff Works for Violin and Piano Vol. 4

Joseph Joachim Raff<br />Works for Violin and Piano Vol. 4

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 26.09.07

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cpo 777 006-2

1 CD • 64min • 2006

Zwischen Mendelssohn, Liszt, Schumann und Wagner stehend –Komponisten, denen er persönlich oder ästhetisch verpflichtet war – , konnte der aus seiner Generation kompositorisch herausragende Joachim Raff musikgeschichtlich nie wirklich Fuß fassen. Gleichwohl ist das über 200 Werke umfassende Oeuvre des Liszt-Vertrauten und nachmaligen Gründungsdirektors des Frankfurter Hochschen Konservatoriums auch nie wirklich in Vergessenheit geraten; gegen eine solche totale Vernachlässigung konnte allein die gleichbleibend hohe Qualität seines Komponierens wirken. Tatsächlich durchgesetzt, etwa im Sinne einer nachhaltigen Raff-Renaissance, hat er sich freilich nie; der Konsens darüber, daß seine Musik nicht nur beachtens-, sondern vielleicht sogar begehrenswert sei, war wohl nie breit genug.

Der Schallplattenmarkt kann da vielleicht eine gewisse Vorreiterrolle spielen, zumal wenn man sich der Musik Raffs mit solcher Verve annimmt wie Ingolf Turban. Auf mittlerweile vier Folgen ist die Zusammenschau der Werke für Violine und Klavier mittlerweile angewachsen, die Turban und Jascha Nemtsov für cpo derzeit einspielen. Die aktuelle vierte CD bringt ein Programm mit drei Werken, das sehr gut die Verschiedenartigkeit der jeweiligen formalen Anlagen demonstriert und damit auf engem Raum diejenige Bandbreite, die Raff zur Verfügung steht – die eher bagatellen-artige Konzeption der sogenannten Sonatillen, kurzer Charakterstücke in der Nachfolge Schumanns, steht praktisch unvergleichbar neben der quasi sinfonischen Ausbreitung der fünften und letzten Sonate c-Moll op. 145.

In allen drei Werken, ob sie sich nun eher in die Detailebene versenken (Sonatillen), oder aber ins Repräsentative (Grand Sonate), herrscht der „große Ton“ vor – hier wird mit romantischem Ernst geschaffen, auch wenn – wie etwa im Scherzo-Satz der Sonatillen oder dem Presto der 5. Sonate – die Metrik vertrackt ist. Alle drei Stücke weisen durchgehend in allen Parametern ein Reflexionsniveau auf, das mit dem der berühmteren Kollegen vergleichbar ist, etwa in puncto Stufenreichtum, also der Vielzahl der über das Tonika-Dominant-Modell hinausgehenden harmonischen Stationen, welcher durchaus an Schumann erinnert. Nicht zu unterschätzen ist auch Raffs Kühnheit, wenn er etwa die 4. Sonate, die sogenannte „Chromatische“, mit schroff rhapsodierenden, fast freitonalen Gesten beginnt; vielleicht stellt sich im weiteren Verlauf dann doch eine gewisse Enttäuschung ein, wenn sich der packende Eingang in eher konventionellen Bahnen verläuft.

Trotz solch kleinerer Dämpfer auf Kompositionsebene wirkt diese neue Folge der Violinwerke doch äußerst eindrucksvoll; dies liegt auch an der einzigartigen Geigenkunst Ingolf Turbans. Sein satter, doch stets genau dosierter Ton ist da schon eine Sache für sich. Er balanciert aber darüber hinaus in schlafwandlerischer Geschmackssicherheit Grazie und Leichtigkeit mit Intensität aus, zeigt sich immer dicht am Geschehen, läßt etwa einen Gesangsfaden nicht mehr los, wenn er ihn einmal zu knüpfen begonnen hat, sondern kostet ihn mit vibrierender Energie bis zum Schluß aus. Verschwiegen sei gleichwohl nicht, daß sich eine leichte Diskrepanz zur Begleitung herstellt; wegen gewissen Mängeln an Distinktheit im Anschlag Jascha Nemtsovs, seinem üppigen Pedalgebrauch, ein wenig aber auch vernachlässig durch die Aufnahmetechnik, ist das Klavier gegenüber der strahlenden Violine etwas zu dumpf als Unterlage definiert. In der Tarantelle der Sonatillen etwa sind die Punktierungen im Klavier nicht genügend markig vorgestellt, im Finalsatz der fünften Sonate wiederholt Nemtsov eine Phrase der Violine nicht mit derselben Expressivität, mit der sie sein Partner vorgemacht hatte. Doch das sind winzige Schönheitsflecken, die an dem Eindruck nicht kratzen, daß hier ein Komponist wiederentdeckt wird, der es wirklich verdient hat.

Dr. Michael B. Weiß [26.09.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.J. Raff Sonate Nr. 4 g-Moll op. 129 für Violine und Klavier (Chromatische Sonate) 00:16:18
2 Sonatillen op. 99 für Violine und Klavier 00:18:05
7 Sonate Nr. 5 op. 145 für Violine und Klavier 00:29:34

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ingolf Turban Violine
Jascha Nemtsov Klavier
 
777 006-2;0761203700622

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