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CD-Besprechung

J.W. Kalliwoda

cpo 1 CD 777 139-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 15.08.06

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cpo 777 139-2

1 CD • 68min • 2004

Johann Wenzel Kalliwoda (1801–1866) ist heute als Komponist kein unbekannter, aber auch kein wirklich bekannter Name; vorwiegend als Hofkapellmeister des Fürsten von Donaueschingen konnte der vielseitige Musiker aus Prag ein farbig-romantisches Oeuvre schaffen. Im echten Sinne romantisch-wirr, auf der Suche und formal schwer zu packen ist seine Musik, in immer neuen Wendungen, Einbrüchen, aber auch in Sequenzen und Fugati sich weiterspinnend, hat sie dabei etwas mitunter fast quecksilbriges, das für Momente fasziniert, insgesamt aber und im Detail dann doch nicht die Intensität etwa Robert Schumanns besitzt, der Kalliwodas Sinfonien übrigens journalistisch recht positiv wertete.

Nein, an Modernität (wenngleich "Donaueschingen" hier nicht im anachronistischen Sinne für "Modernität" steht) mangelt es Kalliwoda nicht, aber der romantische Geist hat immer wieder eine zerfahrene Dimension, die nicht immer prägnant und pointiert genug formuliert ist, und manche Gestik wie auch Klanglichkeit bleibt dann auch wieder zu sehr dem Klassischen verhaftet. Dennoch gibt es faszinierende architektonische Bögen, etwa im knappen 3. Satz (Marcia - Adagio) der 7. Sinfonie, wo Kalliwoda auf eine sehr persönliche Weise den wuchtigen Fluß der Musik mit quirligen Nebengedanken durchsetzt, ohne den Bogen zu verlieren, wobei der nicht ganz aufmerksameHörer sich unvermittelt im attacca-anschließenden Finale wiederfindet. Nicht minder zu bewundern ist auch die bizarr-lyrische Gestik des Allegretto grazioso der 5. Sinfonie, das eigentlich einen langsamen Satz vertritt und diesem trotz seines originellen Tempos auch gerecht wird. Ein Unruhegeist, dieser Komponist, der ja auch ein hervorragender Geiger war und der sich mit seiner liebenswerten Musikalität doch niemals in die Nähe des verhängnisvollen Pathos begibt – ebenso wenig wie in dessen Gegenteil, den Biedermeier-Tonfall des Betulichen. Schade, daß die teilweise sehr direkte, zum Psychogramm neigende Musik nicht jenen geheimnisvollen Funken besitzt, der uns Musik immer wieder hören läßt; in der so silbrigen, klaren und in diesem Sinne eher frühromantischen Interpretation des Neuen Orchesters ist es aber ein spontan-erfrischendes Erlebnis, diese irgendwie bekannte und doch so ungewohnte Musik zu hören.

Hans-Christian v. Dadelsen [15.08.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.W. Kalliwoda Sinfonie Nr. 5 h-Moll op. 106 (1840)
2 Sinfonie Nr. 7 g-Moll WoO 01 (1841)
3 Ouvertüre Nr. 16 a-Moll op. 238 (1863)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Das Neue Orchester Orchester
Christoph Spering Dirigent
 
777 139-2;0761203713929

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