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CD-Besprechung

J. Anderson

Ondine 1 CD ODE1012-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 14.08.06

Klassik Heute
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Ondine ODE1012-2

1 CD • 77min • 2000, 2001

Der Londoner Komponist Julian Anderson hatte, darf man wohl sagen, das große Glück, in dem Jahr geboren zu werden, als die Beatles Sgt. Pepper’s Lonely Heart Club Band und György Ligeti Lontano komponierten. Dennoch war – diesen beiden Meisterwerken zum Trotz – die dürre, akademische Schreibtisch-Avantgarde 1967 noch keineswegs überwunden, und es dauerte noch eine Generation, daß Musik tabufrei wieder in einem universelleren Kontext atmen durfte. Andersons zwischen 1990 und 2000 entstandene größere Ensemble- und Orchesterwerke geben von einem solchen Musikverständnis eindruckvoll Zeugnis, wobei sich Wirkungshorizonte ebenso von Ligeti wie von Lennon zeigen: Pointierte, von verschiedenen orientalischen und asiatischen Kulturen beeinflußte Polyrhythmik und eine von den Spektralkomponisten Grisey und Murail (bei dem Anderson kurz studiert hatte) beeinflußte Klanglichkeit, dazu eine farbenreiche Dramaturgie, die in ihrer Frische wie Sensibilität einer weiterentwickelten britischen Pop-Art nahekommt, sofern man diesen Begriff nicht zu plakativ versteht. Die Präsenz chaotischer, extrem dissonanter, diatonisch-konsonanter oder leuchtend-spektraler Harmonik ist hier, und das ist eine besondere Leistung Andersons, nicht postmodern im Sinne eines additiven Nebeneinander, sondern sie ist aus dem unmittelbaren musikalischen Impuls gezeugt. Die musikalische Gestik, ihre Architektur und ihr sprachlicher wie singender Elan dominieren die Materialien, aus denen sie sich artikulieren. Das tänzerisch aufgerissene, dabei witzig polymetrische Khorovod dokumentiert diesen musikalischen Geist ebenso wie die Alhambra Fantasy, die manchen Einfluß von Grisey, aber auch von Xenakis facettenreich und durchaus poppig transformiert. Auch die sehr persönliche Form der Heterophonie in The Crazed Moon und die von immer wieder neuen Tonsystemen gebildeten Melodiebögen weisen Anderson als einen Komponisten aus, der ethnische Prägungen artifiziell, klischeefrei und ohne Exotismen mit dem inneren Impuls komponierter europäischer Musik zu verbinden weiß. Mit Oliver Knussen und den beiden britischen Spitzen-Ensembles hat Anderson hier zudem die besten Interpreten, die er sich wünschen kann.

Hans-Christian v. Dadelsen [14.08.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Anderson Khorovod (1994)
2 The Stations of the Sun (1998)
3 The Crazed Moon (1997)
4 Alhambra Fantasy (2000)
5 Diptych (1990)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
BBC Symphony Orchestra Orchester
London Sinfonietta Orchester
Oliver Knussen Dirigent
 
ODE1012-2;0761195101223

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