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CD-Besprechung

Hommage à Cocteau

Hommage à Cocteau

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 21.06.05

Accord 476 159 2

2 CD • 1h 57min • 1966

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg machte in Paris eine Gruppe rebellischer junger Komponisten auf sich aufmerksam, die unter dem von dem Kritiker Henri Collet geprägten Namen „Groupe des Six“ in die Musikgeschichte einging. Ihr Wortführer war Jean Cocteau, Dichter, Theatermann und kreatives Multi-Talent, dessen geistreiche Schrift Hahn und Harlekin zum künstlerischen Manifest der Gruppe wurde. Er forderte darin eine spezifisch französische Musik – frei von Schwulst und Pathos, knapp und nüchtern, offen für Einflüsse der Music Hall, des Zirkus und des Jazz. Seine Ideen fanden Verwirklichung in der einzigen Gemeinschaftsarbeit der Gruppe, dem ironisch-surrealistischen Spektakel Die Hochzeit auf dem Eiffelturm, das bei seiner Premiere durch das Schwedische Ballett 1921 im Theatre des Champs Elysees einen ordentlichen Skandal provozierte. Fünfundvierzig Jahre später entstand die Schallplattenaufnahme mit dem kompletten Text von Cocteau (mit Pierre Bertin war sogar einer der Sprecher der Uraufführung mit von der Partie) und den neun kurzen Musikstücken unter der Leitung von Darius Milhaud persönlich. Jetzt erstmals auf CD übertragen klingt das Werk in dieser Einspielung frisch und frech wie zur Zeit seiner Entstehung, ein vitales Zeugnis der aufregenden zwanziger Jahre.

Ergänzt wird dieses Dokument durch fünfzig Lieder auf Gedichte von Cocteau aus der Feder von nicht weniger als elf Komponisten. Sie zeigen den Dichter von einer intimeren Seite und belegen, wie inspirierend er auf ganz verschiedenartige Künstlerpersönlichkeiten wirkte. Der Bariton Jean-Francois Gardeil ist mit angenehmer Stimme bei etwas engem Ausdrucksradius um deutliche Sprachdeklamation bemüht. Dennoch bedauert man, dass Cocteaus Texte weder im Original, geschweige denn in Übersetzung beigegeben sind. Bei einer Hommage an den Dichter heißt dies, am falschen Ende zu sparen. Erfreulich wenigstens die sehr informativen Einführungstexte (darunter der von Darius Milhaud zur LP-Veröffentlichung 1966) – allerdings nur in Französisch und Englisch.

Sixtus König † [21.06.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Unbekannt Les Mariés de la Tour Eiffel (Schauspiel von Jean Cocteau. Musik: La Groupe des Six)
2 H. Sauguet Îles
3 A. Honegger Six poèmes de Cocteau
4 L. Durey Chansons basques
5 D. Milhaud Trois poèmes de Cocteau
6 Pièce de circonstance
7 Chat
8 E. Satie Danseuse
9 J. Wiener Deux poèmes de Cocteau
10 M. Jacob Six poèmes de Cocteau
11 F. Poulenc Cocardes
12 M. Delage Sobre las olas
13 G. Auric Huit poèmes de Cocteau
14 G. Sacre Cartes postales
15 Clair-obscur
16 L' exécution
17 Six poèmes de Vocabulaire

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jean-François Gardeil Bariton
Billy Eidi Klavier
 
476 159 2;0028947615927

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