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CD-Besprechung

Georg Friedrich Händel: Lotario (Oper in 3 Akten)

OehmsClassics 1 CD OC902

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 22.10.04

OehmsClassics OC902

1 CD • 70min • 2004

Mit dieser Veröffentlichung wird die letzte Lücke der Diskographie geschlossen: Jetzt gibt es von jeder Händel-Oper mindestens eine CD-Einspielung. Doch sogleich erhebt sich ein Streit: Kann man die vorliegende Aufnahme, die nur Ausschnitte aus Lotario bietet, wirklich als „World premiere recording“ ansehen, wie es munter auf dem Cover steht? Gebührt dieses Verdienst nicht vielmehr Alan Curtis, der 17 Tage nach Paul Goodwin mit Lotario ins Studio ging und dessen Aufnahme (deutsche harmonia mundi 82876 58797 2) nun die Aufschrift „Weltersteinspielung des Gesamtwerks“ ziert? Alles eitel Schaumschlägerei! Curtis nimmt einige Kürzungen vor, um die Oper auf 2 CDs unterbringen zu können; von „Gesamtwerk“ kann also bei ihm auch nicht die Rede sein. Von Goodwin war umgekehrt eine Gesamtaufnahme geplant, die aber wegen Erkrankung einer Solistin nicht realisiert werden konnte. Überdies könnte man fragen, worin eigentlich der Unterschied zwischen einer „Welterstspielung“ und einer „Ersteinspielung“ besteht.

Doch was soll’s? Nun haben wir eine Fast-Gesamtaufnahme von Curtis, die recht ordentlich ist, und eine CD mit „Highlights“, die musikalisch deutlich besser ausfällt, aber in Ermangelung von Rezitativen leider keinen dramaturgischen Zusammenhang vermittelt. Goodwin setzt das „kammerorchesterbasel barock“ ein (wer denkt sich bloß einen solchen Namen in einer solchen Ortho- und Typographie aus?), das sich selbst nicht als auf Barockmusik spezialisiertes Ensemble mit festem Musikerstamm versteht, im Ergebnis aber auf historischen Instrumenten virtuoser und mit runderen Gesten spielt als Alan Curtis’ Complesso Barocco, das von Projekt zu Projekt jedesmal völlig neu zusammengestellt wird und deshalb kaum über eine klangliche Ensemble-Identität verfügt. Curtis ist Vergleich zu Goodwin vielleicht der kompetentere Barockopernspezialist, vertüftelt sich aber gelegentlich ins Detail, während es Goodwin durchweg überzeugend gelingt, den Grundaffekt auf den Punkt zu bringen und eine ebenso vitale wie seriöse Musizierlaune aufkommen zu lassen.

Obwohl der Rezensent eigentlich nicht besonders viel von Kontratenören in äußerst virtuosen Kastratenpartien hält, gefällt ihm Lawrence Zazzo in der Titelpartie bei Goodwin deutlich besser als die Altistin Sara Mingardo in der Vergleichseinspielung, weil Zazzo klarer und kerniger gestaltet. Ähnliches gilt für die übrigen vier Solisten der vorliegenden Einspielung, die stimmlich und gestalterisch keine Wünsche offen lassen. So werden sich Händel-Freunde beide Aufnahmen zulegen müssen (Curtis’ wegen des Stückes, Goodwins wegen der Interpretation); wer nur einmal in die Welt der Händel-Opern hineinschnuppern will, der kommt mit der auch klanglich sehr gelungenen Oehms-CD voll auf seine Kosten.

Dr. Matthias Hengelbrock [22.10.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.F. Händel Lotario (Oper in 3 Akten)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Lawrence Zazzo Lotario - Altus
Nuria Rial Adelaide - Sopran
Annette Markert Matilde - Alt
Andreas Karasiak Berengario - Tenor
Hubert Claessens
Kammerorchester Basel Orchester
Paul Goodwin Dirigent
 
OC902;4260034869028

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