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CD-Besprechung

Sony Classical ASK 51352

1 CD • 71min • 1999

01.12.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Mit diesen Vier Jahreszeiten gibt ein Ensemble sein CD-Debüt, welches eine echte Bereicherung der italienischen Orchesterlandschaft zu werden verspricht. Lange Zeit fest in der Hand der Musici di Roma und der Solisti Veneti, hat sich Italien erst relativ spät dem Spiel auf Barockinstrumenten zugewandt. Was dann Gruppen wie Il Giardino armonico oder L'Europa galante mit oberflächlichen Effekten vorführten, hatte zwar wenig mit historisch informierter Aufführungspraxis zu tun, etablierte aber einen Musizierstil, der den Bedürfnissen einer Fast-food-Gesellschaft sehr entgegenkam. Dieser Entwicklung scheint sich nun das Venice Baroque Orchestra entgegenzustemmen: Es redet zwar auch einer sehr temperamentvollen, farbenfrohen und plastischen Interpretation das Wort, verzichtet aber auf Effekte um ihrer selbst willen und ist zudem in technischer Hinsicht vergleichbaren italienischen Orchestern deutlich überlegen.

Giuliano Carmignola (Violine) und Andrea Marcon (Cembalo), die das Venice Baroque Orchestra 1997 gegründet haben, waren schon die Eckpfeiler der 1983 ins Leben gerufenen Sonatori della gioiosa marca, welche dank ihrer sehr gründlich erarbeiteten Interpretationen unter Kennern bereits einen exzellenten Ruf genossen. Mit ihrem neuen Orchester setzen die beiden nun diese Linie fort, so daß sich bei ihrer zweiten Einspielung der Vier Jahreszeiten nur kleine Unterschiede ergeben: Der Ensembleklang ist noch offener, die Tempi bisweilen etwas offensiver, die Impulse gelegentlich eine Spur kerniger, ohne je ins Rabiate zu entarten. Geblieben ist das hohe technische Niveau der Streicher, welche eine Mischung aus barocker und moderner Bogentechnik einsetzen, sowie die Umsicht, bei der Entschiedenheit der Detailgestaltung nicht einseitig zu übertreiben. So gelingt Carmignola abermals eine ebenso konturierte wie in sich austarierte Interpretation der Vier Jahreszeiten, welche den Hörer mit ihrem Temperament ansteckt, ohne ihn zu erschlagen. Ergänzt wird sie durch die Ersteinspielung von drei Violinkonzerten, die vermutlich aus Vivaldis letzter Schaffensperiode stammen und mit ihren weiten Dimensionen, ihrem charmanten Ton und ihrer potenten Virtuosität Vorboten einer neuen Epoche sind.

Einziger Wermutstropfen dieser von Wolf Erichson produzierten, aber nicht in der Vivarte-Serie aufgenommenen CD ist ein höchst peinlicher Begleittext, der kaum etwas über die Musik sagt, dafür aber die Interpreten ungeniert als das Nonplusultra darstellt, so als ob es bisher keine brauchbaren Einspielungen der Vier Jahreszeiten gegeben hätte. Damit ist der Text genau jener Unart verpflichtet, die Carmignola und Marcon gerade überwunden haben.

Dr. Matthias Hengelbrock [01.12.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonio Vivaldi
1Le quattro stagioni op. 8
2Concerto E-Dur RV 257
3Violinkonzert B-Dur RV 376
4Violinkonzert D-Dur RV 211

Interpreten der Einspielung

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