Where Shadows Stay
Myriam Barbaux-Cohen Piano
Ars Produktion ARS 89 005
1 CD • 75min • 2026
01.11.2026
Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Mit 23 kurzen Kompositionen möchte die französische Pianistin Myriam Barbaux-Cohen, die heute in Deutschland lebt, ein Panorama der Klaviermusik des frühen zwanzigsten Jahrhunderts vermitteln. Der Titel ihres neuen Albums „Where Shadows stay“ (Wo die Schatten verweilen) weist darauf hin, dass gerade solche Werke ans Licht kommen sollten, die seither im Schatten der Vergessenheit standen. Und dies trifft zu gerade für das Schaffen von zahlreichen Komponistinnen, für deren Musik sich Myriam Barbaux-Cohen ganz besonders einsetzt. Zudem hat sie Stücke aus den verschiedensten Regionen ausgewählt, um ein breit gefächertes Tongemälde zu gestalten.
Von Lettland nach Frankreich
Während die Lettin Lucija Garuta mit dem Stilmix ihrer vier Preludes kaum verbergen kann, dass sie in Frankreich studiert hat, zeigt Gayane Chebotaryan mit sechs Preludes ihre Nähe zur Folklore des Kaukasus und damit zu Aram Chatschaturjan als Vorbild an. Die Französin Cécile Chaminade wird mit vier Klangbildern aus der Provence op. 127 zitiert, die einen salonhaften Ton anstimmen, abgesehen vom kraftvollen Nachtgesang der Fischer im Finale.
Von Russland nach Amerika
Dmitri Schostakowitsch ist mit drei fantastischen Tänzen op. 5 vertreten, jugendlich skurrilen Stücken, und die bedeutendsten Werke im Programm sind die beiden Poèmes op. 32 und das Poème tragique op. 34 von Alexander Scriabin aus dem Jahr 1903, Zeichen des Aufbruchs aus der späten Romantik in eine neue Welt. Und zum Schluss wagt die Pianistin einen Ausflug in die USA, wo die afroamerikanische Komponistin Margaret Bonds Spirituals fürs Klavier arrangierte, hier eingespielt mit dem Hit Troubled Water.
Subtile Klänge
All dies gestaltet Myriam Barbaux-Cohen mit der Fähigkeit, sich auf die unterschiedlichen Stile geschickt einzustellen. Von düsteren Nocturnes bis zu verwegenen Tanzrhythmen, von romantischen Anklängen bis zu neutönerischen Ausbrüchen findet sie den richtigen Ton, wobei sie technisch sicher und feinfühlig im Ausdruck zu Werke geht. Auch die hohen Anforderungen der Scriabin-Poèmes bewältigt sie sauber, wenn auch die „Eleganz“, die der Meister im zweiten Stück verlangt, zu wünschen übrig lässt. Da wäre eine genauere Beachtung der Dynamik-Vorgaben von Nutzen.
Das Booklet (deutsch und englisch) enthält lesenswerte Gedanken der Pianistin zum Schatten-Konzept und knappe Angaben zu den Einzelstücken. Man vermisst allerdings biografische Hinweise zu den Komponisten und Komponistinnen und Daten zur Entstehungszeit der Einzelwerke.
Prof. Klaus Trapp [01.11.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Lūcija Garūta | ||
| 1 | 4 Preludes | 00:13:37 |
| Gayane Chebotaryan | ||
| 5 | 6 Preludes | 00:15:57 |
| Cécile Louise Chaminade | ||
| 11 | Dans la lande op. 127 Nr. 1 (aus: Poèmes provençeaux op. 127) | 00:04:36 |
| 12 | Solitude op. 127 Nr. 2 (aus: Poèmes provençeaux op. 127) | 00:04:40 |
| 13 | Le Passé op. 127 Nr. 3 (aus: Poèmes provençeaux op. 127) | 00:03:33 |
| 14 | Pêcheurs de nuit op. 127 Nr. 4 (aus: Poèmes provençeaux op. 127) | 00:05:14 |
| Armande de Polignac | ||
| 15 | Nocturne | 00:04:00 |
| Meri Davitashvili | ||
| 16 | Khorumi (Georgischer Tanz) | 00:03:11 |
| Alexander Scriabin | ||
| 17 | Poème Fis-Dur op. 32 Nr. 1 – Andante cantabile | 00:03:34 |
| 18 | Poème op. 32 Nr. 2 – Allegro, con eleganzia, con fiducia | 00:01:49 |
| 19 | Poème tragique op. 34 | 00:03:55 |
| Dimitri Schostakowitsch | ||
| 20 | Marche op. 5 Nr. 1 (aus: Trois danses fantastiques op. 5) | 00:01:48 |
| 21 | Valse op. 5 Nr. 2 (aus: Trois danses fantastiques op. 5) | 00:01:56 |
| 22 | Polka op. 5 Nr. 3 (aus: Trois danses fantastiques op. 5) | 00:01:06 |
| Margaret Bonds | ||
| 23 | Troubled Water | 00:05:44 |
Interpreten der Einspielung
- Myriam Barbaux-Cohen (Klavier)
