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Besprechung CDCON:TRUST

CON:TRUST

Was, Is, Is To Come

Ars Produktion ARS 89 010

1 CD • 70min • 2022-2026

23.09.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Ein Akkordeon ist für sich genommen schon ein ganzer Kosmos: ein Instrument, in dem ein Orchester Platz findet, das über den Balg atmet wie ein Sänger und dessen Dynamik von flüsternder Zartheit bis zu orgelhafter Wucht reicht. Was geschieht, wenn sich zwei davon zusammentun? Marius Staible und Daniel Roth, seit 2016 als Duo con:trust unterwegs, wagen auf ihrem Album genau das. Sie verschmelzen zwei Einzelkosmen zu einem Über-Instrument – getragen von einer empathischen Spielhaltung und einer Durchhörbarkeit, die man selten so erlebt. Keine Stimme drängt sich vor die andere; man verfolgt, wie zwei Klangkörper einander zuhören, während sie spielen.

Ideale: Aufnahmetechnik und Aufnahmeort

Dass diese Durchhörbarkeit so plastischwird, ist der Aufnahme zu verdanken: der brillanten ARS-Produktion und der Wuppertaler Immanuelskirche, deren Akustik jeder Balgbewegung Raum gibt, ohne die feinen Verästelungen zwischen den Instrumenten zu verwischen. Der Name ist Programm: con:trust, aus contrast und trust. Staible kommt aus einer streng klassischen Schule und der Neuen Musik, Roth über Musiktheorie und Jazz. Diese Herkünfte werden hier nicht geglättet, sondern produktiv gegeneinandergestellt. Aus der Reibung bezieht das Album seine Spannung.

Quer durch die Epochen

Das Programm greift weit aus. Eigenkompositionen des Duos – Rayo del Sol, das zweiteilige Phoenix, das aphoristische Taurus, am Ende Fahrtwind – stehen neben Mozart, neben Piazzollas ausladendem Ballet Tango und neben Jukka Tiensuus Aion, das den Blick auf das lenkt, was physikalisch im Instrument geschieht, wenn der Balg die Luft in Bewegung setzt und die Stimmzungen ansprechen. Euna Johs titelgebendes Werk führt den Ton bis an die Grenze zum Geräusch. So spannt sich ein Bogen von der Struktur zum reinen Klang; die Konstante ist das Duo selbst.

Ankerpunkt Bach

Und Bach? Bach wird zum Ankerpunkt, aus schierer Substanz. Das Konzert C-Dur BWV 1061 war für zwei Cembali gedacht; seine dialogische Anlage findet zwischen den Akkordeons einen fast noch beredteren Widerhall. Kopfsatz, weiträumiges Adagio und vorwärtsdrängende Fuge trägt eine formale Logik, die der Instrumententausch nicht erschüttert. Weil das Duo der Architektur der Fuge vertraut, statt sie ins Effektvolle zu treiben, tritt genau diese Logik hervor.

Darin liegt die Logik des Albumtitels. „Was, is, is to come" stolpert grammatikalisch, und das ist Absicht: Die Zeiten fallen in einen gemeinsamen Raum zusammen. Die Stücke stehen nicht als Epochenfolge nebeneinander, sondern als gleichzeitige Möglichkeiten desselben Instruments. Dass die CD mit einer eigenen Komposition schließt und nicht mit einem Klassiker, ist die logische letzte Geste: Der Weg hört hier nicht auf, er öffnet sich und führt weiter.

Stefan Pieper [23.09.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Con:Trust
1Rayo de sol 00:04:49
Wolfgang Amadeus Mozart
2Adagio C-Dur KV 617a für Glasharmonika 00:03:35
Con:Trust
3Taurus 00:02:38
Jukka Tiensuu
4Aion 00:10:31
Johann Sebastian Bach
5Konzert C-Dur BWV 1061 für 2 Cembali 00:17:40
Con:Trust
8Phoenix 00:04:53
Euna Joh
10Was, Is, Is To Come 00:08:51
Astor Piazzolla
11Ballet Tango 00:13:01
Con:Trust
12Fahrtwind 00:04:21

Interpreten der Einspielung

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