Anton Foerster
Die Nachtigall von Gorenskaja
cpo 555 685-2
2 CD • 1h 30min • 2024
20.08.2026
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Gesamteindruck:![]()
Über das Musikleben Sloweniens ist außerhalb dieses kleinen Landes nur wenig bekannt geworden. Und so erstaunt es gar nicht, dass die dort als Nationaloper viel gespielte Nachtigall von Gorenjska (1896) erst 128 Jahre später im Nachbarland Österreich seine Erstaufführung erlebte. Der jetzt von cpo veröffentlichte Mitschnitt der Produktion an der Oper Graz macht das Werk nun auch den deutschen Musikfreunden zugänglich. Es lohnt das Kennenlernen, wird aber bei uns kaum dauerhaften Eingang ins Repertoire finden.
Ein böhmischer Slowene
Der Komponist Anton Foerster (1837-1926) stammt aus einer böhmischen Musikantenfamilie, verbrachte aber den größten Teil seines tätigen Lebens in Ljubljana, wo er als Komponist, Dirigent, Chorleiter, Organist, Pianist und Musikpädagoge hohes Ansehen genoss. Sein Werkverzeichnis umfasst 400 Kompositionen, vornehmlich geistliche Vokalmusik, aber auch Klaviermusik, Lieder und zwei Bühnenwerke. Sein Prager Lehrer und lebenslang sein großes Vorbild war Bedřich Smetana, der als Juror auch mitverantwortlich war, dass die zunächst als Operette konzipierte Nachtigall von Gorenjska bei einem Wettbewerb den ersten (und einzigen) Preis erhielt. Nach der erfolgreichen Uraufführung in Ljubljana (1872) verschwand das Werk allerdings bald wieder von der Bühne, wohl auch, weil es stilistisch der tschechischen Spieloper näherstand als den Wiener oder Pariser Operetten, die sich damals beim slowenischen Publikum großer Beliebtheit erfreuten.
Umwandlung zur Oper
Das war der Grund, dass sich der Komponist 20 Jahre später entschloss, es zu einer Oper zu erweitern. Zu diesem Zwecke zog er einen der Librettisten Smetanas, Emanuel Züngl, heran, der das vorliegende Textbuch Luiza Pesjaks ergänzte und umarbeitete. Foerster verwendete einen großen Teil der alten Partitur, komponierte neue Nummern dazu, bezog noch mehr slowenische Volksmelodien ein und wandelte die vorherigen Sprechtexte in gesungene Rezitative um. In dieser dreiaktigen Opern-Fassung kam die Nachtigall 1896 am erst einige Jahre zuvor eröffneten slowenischen Nationaltheater heraus. In der Folgezeit wurde sie oft aufführungsbedingten Überarbeitungen von fremder Hand unterzogen. Die Grazer Aufführung basiert auf einer textkritischen Ausgabe der „Society of Slovene Composers“ Ljubljana.
Hübsch gemacht
Das dramaturgisch eher schwache Libretto orientiert sich teilweise am Vorbild von Smetanas Die verkaufte Braut (1866), wie schon der einleitende Chor der Landleute erkennen lässt, enthält aber anders als das Vorbild keinen wirklich ernsthaften Konflikt. Die stimmbegabte Minka, von einem durchreisenden französischen Impresario entdeckt, muss sich entscheiden zwischen einer in Aussicht gestellten Karriere im Ausland und stillem häuslichem Glück in der Heimat. Wie das ausgeht, ahnt das Publikum schon im 1. Akt nach dem Duett der Liebenden. Neben viel Lokalkolorit in Chören und Tänzen kommt ein kleiner Schuss Offenbach in die Angelegenheit durch die Auftritte des Franzosen Chansonette und seiner Frau Ninon und die eher drolligen Versuche des Verwalters Štrukelji und seines Schreibers Rajdelj, ihn zu verhaften. Musikalisch ist das alles ganz hübsch gemacht, die Melodien sind eingängig, bleiben aber nicht haften. Es gibt keine herausragenden Arien, das Talent Foersters zeigt sich am meisten in den großen Ensembles und Chören.
Gediegene Wiedergabe
Für die Grazer Aufführung steht in dem Slowenen Marko Hribernik ein Dirigent zur Verfügung, der die Authentizität der Wiedergabe verbürgt. Die Einsätze von Chor und Orchester sind so gediegen wie die Musik selbst. Das gilt auch für die Sänger. Die seit Jahren in Graz und Bad Ischl bewährte Sopranistin Sieglinde Feldhofer ist ein gestandener Profi, hat aber kaum die unbekümmerte Frische des sängerischen Naturtalents Minka. Auch der Tenorschmelz Roman Pichlers als Bräutigam Franjo klingt schon recht reif. Die beste Stimme gehört dem bosnischen Bariton Neven Crnić (Chansonette), der mittlerweile an der Dresdner Semperoper engagiert ist. Die übrigen Solisten sprechen für die Solidität des Grazer Ensembles.
Ekkehard Pluta [20.08.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Anton Foerster | ||
| 1 | Die Nachtigall von Gorenjska (Oper in drei Akten) | 01:30:23 |
Interpreten der Einspielung
- Mareike Jankowski (Majda, eine Witwe - Mezzosopran)
- Sieglinde Feldhofer (Minka, Majdas Tochter - Sopran)
- Roman Pichler (Franjo, Minkas Verlobter - Tenor)
- Neven Crnić (Chansonette, ein französischer Impresario - Bariton)
- Ekaterina Solunya (Ninon, Chansonettes Gattin - Sopran)
- Wilfried Zelinka (Štrukelj, ein Verwalter - Baß)
- Martin Fournier (Rajdelj, Štrukeljs Angestellter - Tenor)
- Ivan Oreščanin (Lovro - Bariton)
- Daeho Kim (Wirt - Baß-Bariton)
- Chor der Oper Graz (Chor)
- Grazer Philharmonisches Orchester (Orchester)
- Marko Hribernik (Dirigent)
