Cipriano Potter
Complete Symphonies Vol. 4
BBC National Orchestra of Wales • Howard Griffiths
cpo 555 662-2
1 CD • 79min • 2023, 2024
03.09.2026
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Gesamteindruck:![]()
Die vierte Folge der CD-Reihe mit Orchesterwerken von Cipriani Potter (1792-1871) beim Label cpo umfasst Stücke aus den späten 1820er und frühen 1830er Jahren. Sie entstanden damit in einer Lebensphase, in der Potter an der Academy of Music in leitende Funktionen aufrückte, sich in der Philharmonic Society aber als Komponist und Dirigent nicht genug berücksichtigt fühlte. Die Symphonie in g-Moll von 1832 ist dennoch ein Auftragswerk der Philharmonic Society und sie entwickelte sich, nachdem sie ein Jahr nach der Vollendung in London uraufgeführt wurde, zu seinem größten Erfolg in dieser Gattung. Genaueres dazu lässt sich, wie in den vorangegangenen Folgen der Edition, dem sehr informativen Booklet-Text von Bert Hagels entnehmen. Dort wird auch auf die Aufführung der Symphonie hingewiesen, die kein Geringerer als Richard Wagner bei einem Londoner Gastauftritt im Jahr 1855 dirigiert hat.
In der Form konsequent
Auch wenn Wagner anlässlich seines Dirigates, wohl nicht zuletzt um die Zukunft für sich selbst zu reklamieren, den 21 Jahre älteren Kollegen Potter schon als altmodisch bezeichnet hat: Die g-Moll-Symphonie erweist sich beim Hören als durchaus zeitlos. Sie steht zwar unverkennbar in der Nachfolge Beethovens, ist aber in den eingängig gesetzten und in der Form konsequent verarbeiteten Themen ebenso mitreißend wie im durchaus individuellen Rückgriff auf das Sonatenschema, das vor allem in den Ecksätzen zu spannungsgeladenen Steigerungen genutzt wird.
Grazil und virtuos
Insgesamt graziler und leichtfüßiger klingt die (ebenfalls gleichsam regelhaft viersätzige) Symphonie in D-Dur von 1834, die Potter als seine letzte vollendet hat. Durch die Revision früherer Symphonien aus dem vorausgegangenen Jahrzent wird allerdings eine sinnvolle chronologische Einordnung unter den neun erhaltenen Symphonien ebenso erschwert wie durch den Umstand, dass die D-Dur-Symphonie zumindest in Teilen ebenfalls die Umarbeitung früherer Musik aus den 1820ern sein könnte. Hervorzuheben ist in jedem Fall der zweite Satz, ein lyrisches Intermezzo mit stetem Wechselspiel der Bläser und Streicher. Dieses Prinzip wird auch im Schlusssatz vorwärtsdrängend, aber über die volle Distanz leicht erschöpfend noch einmal aufgegriffen.
Eine charmante Ergänzung zu den beiden Symphonien stellt das Duo concertant für Violine, Klavier und Orchester in A-Dur dar, das 1827 gedruckt wurde. Hier besticht die gleichermaßen kantable und virtuose Behandlung der beiden Soloinstrumente bei alternierender Melodieführung, während dem Orchester eher eine ein- und überleitende Rolle zugeteilt wird. Besonders im dritten und letzten Satz mit seinem springlebendigen Refrainthema bieten die Einwürfe des Orchesters zusätzliche, teilweise mit feinem Humor gesetzte Impulse.
Höchst homogen im Zusammenspiel
In der Einspielung aller drei Werke zeichnet sich die musikalische Leitung von Howard Griffiths durch Präzision und Noblesse aus, die vom BBC National Orchestra of Wales höchst homogen im Zusammenspiel umgesetzt wird. Ausgespart bleiben klangliche Extreme oder geschärfte Kontraste, wie sie z.B. in Interpretationen von Mendelssohns oder Schumanns Orchestermusik unter der Verwendung von historischen Instrumenten bereits Gang und gäbe sind. Der Geiger Alican Süner und der Pianist Julian Trevelyan spielen im Duo concertant nicht nur makellos, sondern auch artikulatorisch fein aufeinander abgestimmt. Wer sich mit Potters Musik vertraut machen will, kann bei der Aufnahme bedenkenlos zugreifen.
Dr. Sebastian Stauss [03.09.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Cipriani Potter | ||
| 1 | Sinfonie g-Moll | 00:26:03 |
| 5 | Sinfonie D-Dur | 00:27:42 |
| 9 | Duo concertant A-Dur op. 14 für Violine, Klavier und Orchester | 00:25:36 |
Interpreten der Einspielung
- Alican Süner (Violine)
- Julian Trevelyan (Klavier)
- BBC National Orchestra of Wales (Orchester)
- Howard Griffiths (Dirigent)

