Trumpet Double Concerts
by Fazil Say & Wolf Kerschek
Matthias Höfs • Christian Schmitt • Tillmann Höfs • Münchner Rundfunkorchester • Christoph Altstaedt
Berlin Classics 0304135BC
1 CD • 52min • 2025
12.06.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Auf seiner neuesten CD stellt Matthias Höfs, seit Jahren wohletabliert als einer der namhaftesten deutschen Trompeter seiner Generation, zwei neue Doppelkonzerte jeweils für Trompete und ein anderes Instrument vor, die ihm sozusagen auf den Leib geschrieben worden sind. Als Duopartner in Fazil Says Konzert steht ihm der Organist Christian Schmitt zur Seite, während in Wolf Kerscheks The four elements Höfs’ Sohn Tillmann am Horn den zweiten Solopart übernimmt. Es spielt das (bei seltenerem Repertoire stets gerne eingesetzte) Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Christoph Altstaedt.
Trompete und Orgel zwischen Orient und Okzident
Sind Trompete und Orgel als Duo eine Standardbesetzung, so gibt es auf der anderen Seite nahezu überhaupt kein Repertoire für die beiden Instrumente als Soloinstrumentendoppel mit Orchester (wenn, dann eher noch mit einem der beiden Instrumente als Teil des Orchesters denn als echtes zweites Soloinstrument, so etwa in Werken von Aubert Lemeland oder Krzesimir Dębski). Fazil Say, Jg. 1970, der mittlerweile nicht nur als Pianist, sondern auch als Komponist immer mehr an Präsenz gewinnt und in den letzten zehn Jahren noch einmal einen echten Produktivitätsschub erlebt hat (allein 60 neue Werke mit Opuszahlen), betritt also mit seinem Konzert für Trompete, Orgel und Streichorchester mit Schlagzeug op. 98 (2020–22) weitgehend Neuland. Sein gut 20-minütiges Werk orientiert sich ganz dezidiert nicht an sakralen Traditionen, sondern ist im Grunde genommen ein durch und durch typisches Werk seines Schöpfers. Hier treffen sich allerhand Einflüsse zwischen Orient und Okzident, westlicher Kunstmusik und Jazz, Tradition und eher dosiert eingesetzten moderneren Einflüssen. In aller Regel nimmt dabei das rhythmische Element eine zentrale Rolle ein im Sinne pulsierender Ostinati und vielseitigem Instrumentarium, weniger als frenetischer Klangrausch à la Chatschaturjan denn vielmehr als pochende Grundierung.
Eher suitenhafte Konzeption
Ungewöhnlich (und gleichzeitig durchaus bezeichnend) ist die Struktur von Says Konzert: am Beginn eine Art kurze Ouvertüre, aufbauend auf einem rhythmisch prägnanten absteigenden Motiv, bei der die beiden Soloinstrumente recht eng mit dem Orchester verzahnt sind, ein wenig in der Manier eines Concerto grosso. Das Andante an zweiter Stelle, nun solistischer gehalten, mündet nach kurzem meditativen, quasi-improvisatorischen Beginn alsbald wiederum in von blockhaften Ostinati dominierte (schnelle) Passagen; auch Cluster und Glissandi kommen hier (in Maßen) zum Einsatz und verleihen der Musik eine gewisse Schärfe, Reibung. Nach der Rückkehr der Musik des Anfangs mündet der Satz dann in zwei kurze schnelle Tänze, nun also deutlich suitenhaft. Die Anatolische Romanze an dritter Stelle ist der eigentliche langsame Satz des Konzert, mit Anklängen an Popularmusik und einigem Sentiment, bevor das Finale nicht als eigenständiger Satz, sondern als eine Art Coda, ein finales Streben dem Ende entgegen folgt. Eine von ihrer Mischung von Einflüssen geprägte Musik, eher bunt-potpourrihaft als stringent, insgesamt auch dem mit moderner Musik wenig vertrauten Hörer leicht zugänglich.
Filmisch-opulente Panoramen
Deutlich weniger geläufig dürfte der Name Wolf Kerschek (Jg. 1969) sein, ein Jazzmusiker und Arrangeur (u.a. von Musik zu Sportgroßereignissen), als Professor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Kollege von Höfs (wie übrigens auch als Dritter im Bunde Frank Böhme, der Autor des Begleittexts). Als Komponist hat Kerschek bereits häufiger mit Höfs zusammengearbeitet; sein viersätziges, durchaus umfängliches Doppelkonzert The four elements für Trompete, Horn und Orchester entstand im Auftrag des Sinfonieorchesters Augsburg für ein Konzert (wohl in der Saison 2021/22). Auch Kerschek mischt in seinem Werk eine Reihe von Einflüssen, ist aber stärker als Say an panoramenhaften Klangwirkungen interessiert, an filmisch-opulenten (und nicht immer klischeefreien) Klangteppichen. Auch dies ist im Übrigen ein insgesamt sehr gemäßigt modernes Werk, gerade im dritten Satz Erde in Crossover-Manier u.a. mit nahezu durchgängigem Schlagzeugbeat. Wenn Kerschek die beiden Soloinstrumente oftmals quasi miteinander verschmelzen lassen möchte, dann äußert sich dies nicht zuletzt darin, dass er gerne melodische Linien instrumentenübergreifend konzipiert, also im Wechselspiel und fließenden Übergang zwischen Horn und Trompete, von Vater und Sohn Höfs hier mustergültig realisiert. Überhaupt: von den Darbietungen der Musiker her lässt die vorliegende Produktion keine Wünsche offen; beide Werke werden in engagierten, souveränen, auch im Zusammenspiel dieser Duokonzerte ausgezeichnet aufeinander abgestimmten Interpretationen vorgestellt.
Holger Sambale [12.06.2026]
Anzeige
Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Fazil Say | ||
| 1 | Concerto für Trompete, Orgel, Streichorchester und Schlagzeug | 00:21:43 |
| Wolf Kerschek | ||
| 4 | The four elements | 00:30:15 |
Interpreten der Einspielung
- Matthias Höfs (Trompete)
- Christian Schmitt (Orgel)
- Tillmann Höfs (Horn)
- Aykut Köselerli (Schlagzeug)
- Münchner Rundfunkorchester (Orchester)
- Christoph Altstaedt (Dirigent)
