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Meldung vom 14.07.2026

Hinweis im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes

Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit sowie der orthographischen und grammatikalischen Korrektheit wird auf die Praxis der verkürzten geschlechterspezifischen Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung gleichermaßen für alle Geschlechter.

Bregenzer Festspiele: Bühnenorchesterproben beginnen

Seit Mitte Juni wird auf der Seebühne und im Festspielhaus zweimal täglich geprobt

Zwei Opern, zwei Welten: Mit Giuseppe Verdis La traviata auf der Seebühne und Leoš Janáčeks Die Ausflüge des Herrn Brouček im Festspielhaus präsentieren die Bregenzer Festspiele in ihrem 80. Jubiläumssommer zwei völlig unterschiedliche Werke. Während Verdis bewegendes Meisterwerk erstmals in der Geschichte der Festspiele auf der Seebühne zu erleben ist, bringt der US-amerikanische Regisseur Yuval Sharon Janáčeks selten gespielte satirische Oper als bildstarke Neuinszenierung auf die Bühne des Festspielhauses. Seit Mitte Juni wird auf der Seebühne und im Festspielhaus zweimal täglich geprobt. Am Wochenende traffen auch die Wiener Symphoniker in Bregenz ein, und die Bühnenorchesterproben können beginnen.

Zusätzliches Programm

Vom 22. Juli bis 23. August umfasst das Programm des Jubiläumssommers neben den beiden Opernproduktionen auf der Seebühne und im Festspielhaus unter anderem die Uraufführungen von The Passion of the Common Man und YUM! auf der Werkstattbühne, das Opernstudio mit Donizettis L'elisir d'amore, Orchesterkonzerte der Wiener Symphoniker, Kammermusik sowie zahlreiche Veranstaltungen der Jungen Festspiele.

Insgesamt stehen für die nahezu 80 Veranstaltungen der diesjährigen Festspielsaison 228.000 Karten (inkl. Generalprobe La traviata) zur Verfügung. Bereits seit Ostern ist die neue Seebühnenproduktion La traviata, die im Sommer 2026 an 28 Abenden zu erleben ist, restlos ausverkauft – so früh wie nie zuvor in der Geschichte der Bregenzer Festspiele. Für alle weiteren Veranstaltungen sind Tickets in allen Kategorien erhältlich.

La traviata erstmals auf der Seebühne

Kaum eine Oper erzählt so eindringlich von Liebe, gesellschaftlichem Druck und der Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben wie Giuseppe Verdis La traviata. Obwohl das Werk zu den meistgespielten Opern der Welt gehört, war es in den vergangenen acht Jahrzehnten noch nie auf der Bregenzer Seebühne zu erleben. Am 22. Juli feiert das Werk Premiere am Bodensee.

Regisseur Damiano Michieletto und Bühnenbildner Paolo Fantin verlegen die Handlung von La traviata in die schillernden 1920er-Jahre – eine Epoche zwischen wirtschaftlicher Blüte, ausschweifenden Festen und gesellschaftlichem Wandel. Für Michieletto spiegeln diese Jahre eine Gesellschaft wider, die sich dem Vergnügen hingibt und dabei den Blick für das Wesentliche verliert. „Die 1920er-Jahre wurden zum Symbol für Exzess, Feiern und Hedonismus. Sie passen perfekt zur Atmosphäre der Oper – und zur Opulenz der Seebühne.“

Prägendes Element der Inszenierung ist ein monumentaler, 28 Meter hoher Spiegel, der sich aus dem Bodensee erhebt und zum Sinnbild von Violettas Schicksal wird. Wie in Zeitlupe zeigt das Bühnenbild den fragilen Augenblick, in dem der Spiegel zu Boden stürzt – unmittelbar bevor er in unzählige Splitter zerbricht.

Emotionen sichtbar machen

Die Größe der Seebühne sieht Damiano Michieletto nicht im Widerspruch zur Intimität der Oper: Die Herausforderung bestehe darin, Emotionen nicht zu vergrößern, sondern sichtbar zu machen – mit Bildern, die den Gefühlen der Figuren folgen. „Wir wollen die Nähe von La traviata bewahren und sie gleichzeitig für die große Seebühne erfahrbar machen.“ Eine filmische Erzählweise, symbolische Räume und Videoprojektionen sollen das Publikum unmittelbar in Violettas Erinnerungswelt hineinziehen. Seit Mitte Juni wird dafür zweimal täglich auf der Seebühne geprobt. 25 Solist:innen, rund 20 Tänzer:innen, 20 Statist:innen und der Chor arbeiten gemeinsam mit dem Regieteam an einer Produktion, die den großen Bildern ebenso viel Gewicht verleiht wie den leisen Momenten zwischen den Figuren.

Mond, Mittelalter und ein Held wider Willen

Einen Tag nach der Premiere von La traviata folgt am 23. Juli im Festspielhaus Leoš Janáčeks Die Ausflüge des Herrn Brouček. Die 1920 uraufgeführte Oper gehört zu den originellsten und zugleich selten gespielten Werken des tschechischen Komponisten. Mit feinem Humor, skurrilen Figuren und scharfer Ironie hält Janáček einer Gesellschaft den Spiegel vor, deren Bequemlichkeit, Selbstzufriedenheit und mangelnde Offenheit für Neues heute frappierend aktuell erscheint.

Im Mittelpunkt steht der selbstzufriedene Prager Hauseigentümer Matěj Brouček, der eigentlich nichts weiter möchte, als in Ruhe sein Bier zu trinken. Stattdessen wird er erst auf den Mond und anschließend ins Prag des 15. Jahrhunderts katapultiert. Seine fantastischen Reisen führen ihn in Gesellschaften, die ihn mit Kunst, Idealismus, Mut und Verantwortung konfrontieren – alles Dinge, denen Brouček lieber aus dem Weg geht.

Groteske mit scharfem Blick auf die Gegenwart

Für Regisseur Yuval Sharon erzählt Janáčeks Oper von einem Menschen, der sich in seiner eigenen Komfortzone eingerichtet hat und nicht bereit ist, aus seinen Erfahrungen zu lernen. „In einer Zeit, in der sich Gesellschaften zunehmend voneinander abschotten, wirkt Die Ausflüge des Herrn Brouček aktueller denn je“, so Sharon. Hinter der grotesken Komödie verberge sich eine ebenso präzise wie scharfsinnige Beobachtung menschlichen Verhaltens und gesellschaftlicher Mechanismen.

Mit seinen ungewöhnlichen und vielfach ausgezeichneten Inszenierungen hat sich Yuval Sharon international einen Namen gemacht. Er war der erste US-amerikanische Regisseur bei den Bayreuther Festspielen und bis Ende der Saison 2025/26 Künstlerischer Leiter der Detroit Opera. Mit seinen Arbeiten sucht er immer wieder nach neuen Erzählformen für das Musiktheater und stellt selten gespielte Werke in einen zeitgenössischen Kontext. Die musikalische Leitung übernimmt der tschechische Dirigent Robert Jindra, der als ausgewiesener Janáček-Interpret gilt.

Die Bregenzer Festspiele 2026 finden von 22. Juli bis 23. August statt.

Tickets und Infos unter www.bregenzerfestspiele.com oder telefonisch unter 0043 5574 4076.

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