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CD-Besprechung

Antonín Dvořák

Complete Symphonies Vol. 3

SWRmusic SWR19009CD

1 CD • 74min • 2015

29.09.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

In dieser weiteren Folge eines geplanten kompletten Dvorák-Symphonienzyklus der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern unter ihrem noch amtierenden Chefdirigenten Karel Mark Chichon wird eine Rezension zitiert, die der Aufnahme der Ersten Symphonie Referenzstatus zuspricht. Wer der Rezensent ist, wird verschwiegen, aber ich muss mich in Anbetracht dessen, was ich hier in den Symphonien Nr. 3 und 4 gehört habe, doch sehr wundern. Sicher, die technische Qualität des Orchesters ist hier auf der vollen Höhe dessen, was man mittlerweile von A-Orchestern dieses Ranges erwarten darf, und auch die Aufnahmetechnik ist so klar und differenziert, wie sich das heute bei den finanziellen Möglichkeiten der öffentlich-rechtlichen Institutionen gehört. Doch was ist das Besondere, das die vorliegende Einspielung auszeichnen sollte?

Man wage lieber nicht, eine wirkliche Topeinspielung wie zuletzt diejenige der Tschechischen Philharmonie unter Jirí Belohlávek für Decca zum Vergleich heranzuziehen. Hier wird wirklich jedes Mal der spezifische Charakter getroffen, die Übergänge kommen organisch und stimmig, die Modulationen sind mit sensitiver Bewusstheit erfasst, die durchtragende Spannung ergibt ein Bild fesselnder Geschlossenheit, jeder Moment ist mit höchster Kultur von Klang und Phrasierung erfüllt. Das Saarbrücker Rundfunkorchester unter seinem 1971 geborenen Chefdirigenten musiziert zwar überwiegend klangschön, mit ausgezeichneten Solisten, doch eine durchgehend sinnfällig entwickelnde Dramaturgie auch nur eines der sieben Sätze (die Dritte hat drei, die Vierte vier) ist nicht gegeben. Vielleicht hatte man ja nicht wirklich genug Zeit, alles zu erformen und aufeinander abzustimmen. Besonders fällt auf, dass in den meisten Fällen leise dynamische Grade kaum wirklich realisiert, geschweige denn durchgehalten werden (und es ist angesichts der oftmals im Pianissimo gegebenen Klangfülle nicht einfach, dies zu erreichen, doch mehr Bemühen und Aufmerksamkeit in dieser Hinsicht, also für starke dynamische Kontraste überhaupt, ist möglich); dass viele Akzente nicht oder nicht in der gewünschten Weise realisiert oder oft durch das Akzentuieren nicht zu akzentuierender vorausgehender Töne neutralisiert werden; dass das Forte in den kräftigeren Instrumentengruppen (Blech!) oft zu grob kommt, wodurch die Tontechnik in ihrer nachträglich ausbalancierenden Funktion, die niemals optimal sein kann, sehr beansprucht wird; und dass viele starke Ritenuti völlig unorganisch gemacht sind, oft auch Stellen, wo sie nicht erwünscht sind offensichtlich gewaltsam eine Gliederung unterstreichen sollen, die eigentlich mit einem fließenden Übergang zusammenzuhalten ist – hier werden in sehr unpassender Weise vom Dirigenten Eingriffe vorgenommen, die dem organischen Zusammenhang ganz einfach schaden. Es ist Chichon zugute zu halten, dass er nicht versucht, künstlich originell zu sein, dass er die Musik nicht ‚gegen den Strich bürsten“ will, doch die interpretatorische Attitüde, kurzfristige Tempoeffekte der Musik aufzupfropfen, hinterlässt jedes Mal einen Bruch.

Ich kann jedenfalls nicht erkennen, was das Besondere dieser Aufnahme sein soll. Wer diese weit unterschätzten Symphonien kennenlernen will, der sei dringend auf Belohlávek und die Tschechische Philharmonie verwiesen. Und wer die vorliegenden Aufnahmen anhört, nehme sich die Partituren zur Hand, um ersehen zu können, wo die Gestaltung sich an der Struktur vergeht – das alles, wie gesagt, auf hohe instrumentalen Niveau –, um dann anhand der Belohlávek-Aufnahmen zu studieren, wie eine flexible Aufführung im Dienste des Zusammenhangs, Hand in Hand mit idiomatischer Treffsicherheit, aussehen kann.

Christoph Schlüren [29.09.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonín Dvořák
1Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 10 00:34:41
4Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 13 00:39:34

Interpreten der Einspielung

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