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CD-Besprechung

Ludwig Thuille

Nachtreise und Theuerdank

Lieder, Gesänge, Szenen und Klavierwerke

Ludwig Thuille

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 24.12.14

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Thorofon CTH2616/2

2 CD • 2h 20min • 2014

Mit dem Album „Urschlamm-Idyll und Heiligenschein“ (CTH 2578) hat das pianopianissimo-musiktheater in Zusammenarbeit mit dem Label Thorofon vor vier Jahren den in Südtirol geborenen Ludwig Thuille, einen engen Freund von Richard Strauss, als Vokalkomponisten in Erinnerung gebracht. Nun legt es mit einem Doppel-Album nach, das zum überwiegenden Teil aus Uraufführungen von Kompositionen aus dem Nachlaß besteht. In der Auswahl stehen Jugendwerke den Liedern der Reifezeit gegenüber, was insbesondere bei den Vertonungen von Gedichten Joseph von Eichendorffs sehr aufschlussreich ist.

Thuille, kein Zweifel, war durch und durch Romantiker und schließt in seinen Liedern an die Tradition von Schumann und Brahms an. Auch Wagner ist nicht ohne Wirkung auf ihn geblieben, doch bleiben diese Einflüsse reines Zitat. In seinen späteren Kompositionen – den Liedern op. 26 und op. 27 (beide 1902), insbesondere aber in den drei Liedern für tiefe Singstimme op. 32 (1905) – kann man einen vorsichtigen Aufbruch in die Moderne konstatieren. Nicht zu sagen, wie sich Thuille noch entwickelt hätte, wäre er nicht bereits mit 46 Jahren gestorben.

Auf dem Gebiet des Kunstliedes braucht sich Thuille hinter seinem Freund Strauss nicht zu verstecken, ist ihm hinsichtlich der Textbezogenheit der Musik sogar teilweise überlegen. Schon die frühen Arbeiten (zehn Lieder auf Gedichte Emanuel Geibels, neun weitere auf Texte verschiedener Dichter), die auch dem Klavierpart eine wichtige Aufgabe zuweisen, zeigen einen phantasievollen und souveränen Umgang mit der Gattung, frei von jeder Routine, abwechslungsreich in der Wahl der Tonarten, der Dynamik und der Tempi. Genau erfasst Thuille den Stimmungsgehalt der Gedichte. Seine Adaption von Eichendorffs „Mondnacht“ ist eine aparte, wenn auch nicht gleichwertige Alternative zu Schumanns berühmter Vertonung.

Über die Bühnentauglichkeit seiner ersten Oper Theuerdank, die 1897 im Münchner Nationaltheater uraufgeführt wurde und von einem Kritiker als „neudeutsche Schreibtisch-Oper“ abgekanzelt wurde, lässt sich aufgrund der hier gebotenen vier Ausschnitte kein Urteil abgeben, allerdings macht der streckenweise witzige Text, dessen Humor der Komponist durchaus trifft, neugierig auf mehr.

Die Sänger Rebecca Broberg (Sopran) und Martin Schmidt (Bariton) liefern ausgefeilte Interpretationen der Lieder und Opernszenen, der Pianist Rainer Maria Klaas ist ein markanter Begleiter, der in den frühen Klavierkompositionen – Variationen für das Piano solo op. 8, Trois Nocturnes – auch als Solist glänzen kann.

Das Booklet enthält sehr eingehende Werkeinführungen des Produzenten Peter P. Pachl, die Liedtexte sind unvollständig und in anderer Reihenfolge als auf den CDs abgedruckt.

Ekkehard Pluta [24.12.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L. Thuille Nachtreise BE-E 38 00:02:57
2 Mondnacht BE-E 16 00:02:57
3 In der Fremde BE-E 24 00:02:35
4 Vorbei BE-E 31 00:03:05
5 Winterträume BE-E 41 00:03:05
6 Komm'! BE-E 42 00:01:35
7 Des Müden Abendlied BE-E 7 00:03:36
8 Auf dem Wasser BE-E 8 00:03:09
9 Nachtlied BE-E 9 00:02:45
10 Lied des Alten im Bart BE-E 10 00:01:54
11 Frühlingslied BE-E 11 00:02:32
12 Herab von den Bergen zum Tale BE-E 13 00:01:46
13 Vöglein, wohin so schnell BE-E 19 00:01:57
14 Meiden BE-E 25 00:03:17
15 Nachtlied BE-E 27 00:02:14
16 Am Strande BE-E 37 00:02:40
17 Gruß BE-E 12 00:01:25
18 Das trübe Auge BE-E 18 00:02:50
19 Verklungene Lieder BE-E 26 00:02:48
20 Zwei Särge BE-E 28 00:03:59
21 Schwanengesang BE-E 30 00:03:59
22 Am See BE-E 32 00:02:31
23 Verraten BE-E 33 00:01:32
24 Friede BE-E 36 00:02:00
25 Der drei Burschen Lied BE-E 40 00:02:34
26 Neujahrschoral (in Der Tag 1.1.1901) 00:03:27
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Theuerdank (Vorspiel zum2. Akt, Arie des Theuerdank 2. Akt, Szene der Editha 2. Akt, Ansprache der Editha 3. Akt) 00:19:36
5 Variationen op. 8 für Klavier 00:09:08
11 Zauberblick op. 26 Nr. 1 00:04:26
12 Der traurige Jäger op. 26 Nr. 2 00:03:01
13 Seliges Vergessen op. 26 Nr. 3 00:03:06
14 Der Tod krönt die Unschuld op. 32 Nr. 1 00:04:19
15 Der Alte op. 32 Nr. 2 00:03:43
16 Abendlied op. 32 Nr. 3 00:03:26
17 Nocturne – Allegretto 00:03:29
18 Nocturne – Andante 00:04:42
19 Nocturne – Andante con moto 00:03:24
20 In meiner Träume Heimat op. 27 Nr. 1 00:02:47
21 In goldner Fülle op. 27 Nr. 2 00:02:10
22 Insel der Vergessenheit op. 27 Nr. 3 00:03:51

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Rebecca Broberg Sopran
Martin Schmidt Bariton
Rainer Maria Klaas Klavier
 
CTH2616/2;4003913126160

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