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CD-Besprechung

Mládí

Works by Janáček, Martinu, Reicha

BIS 1802

1 CD • 79min • 2009, 2005

22.11.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Kaum verrät die bescheidene optische Aufmachung dieser BIS-Produktion deren europäisch-musikhistorisches Großformat. Ein relativ kleiner Bildausschnitt der Prager Karlsbrücke bei frostiger Winterstimmung verweist auf das scheinbar beziehungslos daneben stehende tschechische Wort für „Jugend": Mládí. Viele Musikfreunde wissen natürlich, dass es sich um den Werktitel einer berühmten, alles andere als winterlich-kühlen Bläserkammermusik des namhaften tschechischen Komponisten Leos Janácek handelt. Doch weit darüber hinaus erwartet den CD-Käufer ein künstlerisch opulentes Programm böhmisch-mährischer Marksteine der tschechischen Musikgeschichte aus drei Jahrhunderten. Dafür stehen die Namen und stilprägenden Kräfte von drei bedeutenden Tonschöpfern. Soweit deren gemeinsames Anliegen die Kammermusik für aparte Holzbläserfarben mit und ohne Klavier gewesen ist, stellen sie sich hier dem Musikliebhaber der Gegenwart zu einem repräsentativen Vergleich.

Das wirbelnd virtuose Auftakt-Opus 88, Nr. 2 von Anton Reicha (Antonín Rejcha, 1770-1836) erinnert an den „„Vater" des klassischen Bläserquintettes. Sein Ehrgeiz war es, neben den zu seiner Zeit etablierten Streichquartett-Erfolgen Haydns ein Holzbläser-Pendant zu schaffen. Den entscheidenden Impuls dazu gab sein vielseitiges Wirken in Paris, dessen Opernorchester sich einer für die damalige Zeit einzigartigen Bläsergruppe rühmen konnte. Dieses Ensemble erwies sich als Idealpartner für Reichas musikalisch ambitionierte Ansprüche. Der legendäre Erfolg mit dem Ergebnis von rund 30 innovativen Beiträgen für diese Werkgattung wirkt bis in die Gegenwart hinein. Als Brückenschlag zur Moderne des 20. Jahrhunderts dient Bohuslav Martinu (1890-1959) mit seinem durch einen Klavierpart erweiterten Bläsersextett. Biographisch stellt er einen Gegenpol in dem vorliegenden tschechischen Dreigestirn dar. Martinus Studien bei Albert Roussel in Paris in Verbindung mit dem internationalen Musikbetrieb einer weltoffenen Metropole prägten unüberhörbar seine aufmüpfig durchpulsten Klangvisionen und Ausdrucksformen (Atonalität, Polyrhythmik, Jazz, Blues). Schließlich gehört als Galionsfigur und Repräsentant tschechischer Neutöner der Spätphase des 19. Jahrhunderts Leos Janácek (1854-1928) zur ausgewählten Trias. Im Alter von 70 Jahren reflektierte der Komponist musikprogrammatisch mehr oder weniger verbrämt seine eigene Jugend, Mládí. Damit schuf er zugleich ein Schwergewicht unter seinen Bläser-Kammermusiken.

Fast ist es müßig, um einzelne Bewertungskriterien zu ringen angesichts des künstlerischen Resultates, das die vorliegende CD-Einspielung zu bieten hat. Positiv beeindruckt nicht nur das schlüssige Programmkonzept, sondern auch dessen brillante Umsetzung. Das Resultat der peniblen Auseinandersetzung des Ensembles aus den Reihen der Bläser der Berliner Philharmoniker mit allen Feinheiten der Werkpartituren spricht für sich: Souveränität und Eleganz in Verbindung mit einer geradezu beseligenden Reinheit der Intonation und eine brillante Klangästhetik mögen für die Musiker eine Selbstverständlichkeit sein, verdienen aber Sonderbeifall.

Dr. Gerhard Pätzig [22.11.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Reicha
1Bläserquintett Es-Dur op. 88 Nr. 2 00:24:36
Bohuslav Martinů
5Sextett für Flöte, Oboe, Klarinette, 2 Fagotte und Klavier 00:15:10
Anton Reicha
10Andante arioso Es-Dur für Englischhorn und Bläserquartett 00:05:52
11Andante F-Dur für Englischhorn und Bläserquartett 00:05:33
12Adagio d-Moll für Englischhorn und Bläserquartett 00:06:49
Leoš Janáček
13Pochod modrácku (March of the Bluebirds) 00:02:11
14Mládí für Bläsersextett (Jugend) 00:17:01

Interpreten der Einspielung

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