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CD-Besprechung

G.L. Catoire

cpo 1 CD 777 378-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 10.02.10

cpo 777 378-2

1 CD • 66min • 2008

Vierundzwanzigjährig sprach Georges Catoire (1861-1926) im Oktober 1885 bei Tschaikowsky vor. Ein Russe französischer Abstammung aus einer alten vornehmen Familie, der bereits ein Mathematikstudium mit Auszeichnung absolviert hatte, dessen Herz aber in erster Linie für die Musik schlug, unter anderem für die von vielen seiner Landsleute abgelehnte Musik Richard Wagners. Im Gepäck hatte er seine Romanze op. 1 Nr. 4. Von ihr und dem jungen Mann war Tschaikowsky derart angetan, dass er ihm mit Nachdruck ein Kompositionsstudium empfahl, welches Catoire schließlich nach Berlin und St. Peterburg führte. Zurück in Moskau hatte er bereits seine eigene, überaus raffinierte musikalische Sprache gefunden. Rachmaninow, Scriabin, Debussy und Fauré scheinen sich in Catoires faszinierend sinnlicher Musik auf spannende Weise zu vereinen. Die stilistische Vielfalt mag der Grund dafür sein, warum Catoires leidenschaftliche Schöpfungen ein ganzes Jahrhundert lang missachtet wurden; ebenso der Umstand, dass sie zu einem großen Teil um die Jahrhundertwende entstanden – einer Zeit des musikalischen Umbruchs, dem sich der Komponist verweigerte.

Dabei lassen die von dem Geiger Laurent Albrecht Breuninger und der Pianistin Anna Zassimova eingespielten Werke für Violine und Klavier trotz manch unverkennbarer Verbeugungen vor den genannten Komponisten absolut keinen Zweifel an der künstlerischen Eigenständigkeit Catoires aufkommen. Ihr Hauptmerkmal ist ein unaufhörliches Wachsen, eine Melodik, Harmonik und Rhythmik voller überraschender Entwicklungen und Wendungen, was nicht nur den beiden Sonaten op. 15 und op. 20 improvisatorische Züge verleiht, sondern auch der Romanze op. 1,4 und der Elegie op. 26 – zwei seelenvolle Miniaturen, in denen sich romantische Sanglichkeit und impressionistische Klangmalereien, Überschwang und Melancholie auf das Wunderbarste miteinander verbinden.

Die hier vorgestellten Kompositionen gehören nicht der Sphäre einer gefälligen Hausmusik an. Sie vermitteln einen virtuosen und hoch gespannten Dialog, der enorme Anforderungen an die Interpreten stellt. Ihren glutvollen Wiedergaben ist dies allerdings nicht anzumerken. Laurent Albrecht Breuninger und Anna Zassimova geben sich dieser Musik vollständig hin, gönnen sich und dem Hörer in ihren stets hellwachen, von beeindruckender atmosphärischer Dichte und emotionaler Tiefe zeugenden Interpretationen kaum eine Atempause und geben sich als leidenschaftliche, dabei technisch makellose Ausdruckskünstler zu erkennen. Manchmal wäre jedoch weniger mehr, vermag doch schon die Melancholie der Werke Catoires allein – ohne besonderes Zutun der Interpreten – mit zunehmender CD-Spieldauer ein wenig zu bedrücken.

Christof Jetzschke [10.02.2010]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.L. Catoire Sonate Nr. 1 h-Moll op. 15 für Violine und Klavier 00:34:58
1 Romanze op. 1 Nr. 4 für Viola und Klavier 00:03:32
4 Poème D-Dur op. 20 für Violine und Klavier (2. Sonate) 00:22:45
5 Élégie op. 26 für Viola und Klavier (Bearb. für Violine und Klavier) 00:05:06

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Laurent Albrecht Breuninger Violine
Anna Zassimova Klavier
 
777 378-2;0761203737826

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