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CD-Besprechung

Thomas Selle
Historia der Auferstehung
Sacred Concertos & Motets for Easter

Thomas Selle<br />Historia der Auferstehung<br />Sacred Concertos & Motets for Easter

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 20.03.09

cpo 777 396-2

1 CD • 72min • 2008

Auf Anregung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius liegen in Kooperation mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, dem Deutschlandradio Kultur und dem Klassiklabel cpo die ersten Ergebnisse einer klingenden Musikgeschichte vor. Mit dem Serientitel „Musica sacra Hamburgensis 1600-1800“ werden ungehobene Notenschätze aus der kirchenmusikalischen Tradition der Hansestadt unmittelbar zugänglich gemacht. Als kompetente Interpreten sind bisher die Rheinische Kantorei unter der Leitung von Hermann Max, das Ensemble Hamburger Ratsmusik unter Simone Eckert, dann die Capella Ducale und Musica Fiata unter Roland Wilson und jetzt zum wiederholten Male Manfred Cordes mit seiner Gruppe Weser-Renaissance Bremen zu hören. Den thematischen Schwerpunkt bildet in der vorliegenden Editionsfolge die Auferstehungs-Historie des Barockmeisters Thomas Selle (1599-1663), umrahmt von österlichen Vokalkonzerten und Choralmotetten. Damit liegt eine repräsentative Auswahl aus dem Gesamtschaffen des Komponisten vor, das er als „Opera omnia“ in 16 handschriftlichen Stimmbüchern und drei Tabulaturbänden den Archiven seiner Haupt-Wirkungsstätte hinterlassen hat.

Entsprechend den unterschiedlichen Anlässen und Aufgaben als städtischer Kantor und Musikdirektor ergibt sich ein aufschlußreicher Einblick in die damalige gottesdienstliche Praxis. So wurde im Jahre 1641 mit Thomas Selle nicht nur ein hochgelehrter und erfahrener Mann, „vir doctissimus“, mitten im Dreißigjährigen Krieg in die führende Position des Hamburger Musiklebens berufen. Auch die Förderung und personelle Besetzung der Kantoreien in der damals unruhigen Zeit spricht für den hohen Stellenwert und Rang der Kirchenmusik in der Hansestadt. Grund und Anlaß genug für den Komponisten, seine Meisterschaft ganz in den Dienst der damals aktuellen Stilrichtungen zu stellen. Nicht minder groß ist der Anreiz für heutige Ensembles, sich stilgerecht mit Barockinstrumenten und historisierender Aufführungspraxis diesen Werken zu nähern. So zeichnen sich die Begleittexte der vorliegenden Hamburgensien durch Quellenkenntnis mit wissenschaftlichem Anspruch aus.

Erwartungsgemäß beansprucht das Hauptwerk der CD, Die Aufferstehung Christi nach den 4 Evangelien mit 8 und 14 Stimmen zum Basso Continuo in Concerto nahezu zwei Drittel der gesamten Spieldauer. Genug Spielraum also, um der Vielfalt musikalischer Formen und Gestaltungsmöglichkeiten dieser Frühform eines Osteroratoriums Gestalt und Klang zu verleihen. Die stattliche Anzahl von 20 Mitwirkenden der Weser-Renaissance Bremen (7 solistisch und zugleich chorisch eingesetzte Vokalstimmen, 6 Streicher, 4 Bläser und eine abwechselnd besetzte Generalbaßgruppe mit Chitarrone, Harfe, Orgelpositiv und Regal) erweitern das spürbar von Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein vorgegebene Klang- und Ausdrucksspektrum einer norddeutsch-protestantischen Kirchenmusik. Die Qualität der vorliegenden Wiedergabe, erfüllt von einer ebenso erzählenden wie deklamatorisch-dramatischen Gestaltungskraft, zeugt vom Können aller Beteiligten. Als Ergebnis eines unretuschierten Konzertmitschnitts in der Bremer St. Ansgarii-Kirche verhält sich zwar das Hallvolumen des Raumes sowohl in den pompösen Bläserpartien (Cornetto, Barockposaunen und Dulcian) gegenüber den weniger intensiven Vokalabschnitten und obligaten Streicherfiguren nicht gerade kooperativ, gewinnt dafür aber anstelle fehlender Transparenz an religiöser Inbrunst und gelebter Andacht. Der Vorteil spricht für sich: hier pulsiert unverstellte, österliche Feierlichkeit zwischen dem zunächst unbegreiflichen Bangen am leeren Grabe bis zum barocken Auferstehungsjubel.

Dr. Gerhard Pätzig [20.03.2009]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Th. Selle A Domino factum est illud (Opera omnia: Concertuum Latino-Sacrorum, liber tertius No. 13) 00:04:55
2 Christ lag in Todesbanden (Opera omnia: Dritter Theil Teutscher Geistlicher Concerten No. 7) 00:08:13
3 Historia der Auferstehung (Opera omnia: Die Aufferstehung Christi nach den 4 Evangelisten mit 8 vnd 14 Stimmen zum Basso Continuo in Concerto) 00:34:25
4 Surrexit Christus spes mea (Opera omnia: Concertuum Latino-Sacrorum liber terius No. 15) 00:07:26
5 Christ ist erstanden (Opera omnia: Dritter Theil Teutscher Geistlicher Concerten No. 9) 00:04:25
6 Jesus Christus, unser Heiland (Opera omnia: Dritter Theil Teutscher Geistlicher Concerten No. 53) 00:06:30
7 Erstanden ist der Herre Christ (Opera omnia: Ander Theil Teutscher Geistlicher Concerten No. 15) 00:02:17
8 Ich weiß, daß mein Erlöser lebt (Opera omnia: Erster Theil Teutscher Geistlicher Concerten No. 39) 00:03:21

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Weser-Renaissance Ensemble
Manfred Cordes Dirigent
 
777 396-2;0761203739622

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