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CD-Besprechung

A. Knaifel

ECM 1 CD 472 0832

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 03.06.05

Klassik Heute
Empfehlung

ECM 472 0832

1 CD • 53min • 2001, 2000

Diese CD vermag ich allenfalls mit größter Zurückhaltung zu besprechen, denn eigentlich verbietet sich jede Rezension: Aleksandr Knaifel hat hier Gebete wahrhaftig Musik werden lassen – zunächst eine Psalmodie des russisch-orthodoxen Psalms 51, auf dem Cello inniglich gesungen von Mstislav Rostropovich (dem das 1995 entstandene Werk gewidmet ist). Das ist keine Kunstmusik, sondern unmittelbarer Gefühlsausdruck, eine Meditation über den vierten Bußpsalm Davids („Wasche mich rein von meiner Missetat und reinige mich von meiner Sünde“). Sie entzieht sich jeder ästhetischen Kategorie und somit kritischer bewertung. Ich kam mir beim Hören geradezu wie ein Voyeur vor. Das ist meiner Ansicht nach keine Musik für den Konzertsaal, vielleicht nicht einmal für einen Tonträger, sondern eher ein Stück für zu Hause, zum freien Spiel in freien Räumen, oder eben für einen Gottesdienst.

Rostropovich geht völlig in dieser Musik auf – wie Knaifel in der Partitur fordert: „zart und sanft, vollkommen innerlich leuchtend und friedvoll, sich selbst jedem Klang völlig ergebend und jeden Klang so freisetzend.“ Rostropovich spricht mit unverwechselbarer Stimme, mit engem Vibrato, aber mitunter auch schon ein bisschen brüchig.

Das zweite Stück auf der CD, Amicta sole, stammt aus dem gleichen Jahr 1995, ist ebenfalls eine Meditation über liturgische Texte, aber völlig anders angelegt: Das Morgengebet an die Dreifaltigkeit aus dem orthodoxen Gebetbuch wird konfrontiert mit zwei Auszügen aus dem Matthäus- und dem Lukas-Evangelium. Diese drei Ebenen werden musikalisch umgesetzt durch die Gesangssolistin (hier innerlich glühend: Tatiana Melentieva), einen achtköpfigen Knabenchor und ein Kammerorchester. Die Instrumente des Orchesters „beten“ die Texte unausgesprochen, wie bereits in Psalm 51. Knaifel will hier das von Generation zu Generation weitergegebene und bewahrte Gedächtnis des „männlich“ geprägten Glaubens in einen Bezug setzen zur Botschaft der Liebe, wie sie durch das „weibliche Prinzip“ vertreten wird. Dabei ist ihm wiederum eine überirdisch schöne Musik gelungen, die nicht angehört, sondern mitempfunden und meditiert sein will. Der bewährten ECM-Klangqualität ist zu verdanken, daß die dafür benötigte Ruhe durch nichts gestört wird; die weiten Räume der Kirchen (Propstei St. Gerold und St. Katherina Petersburg) entfalten sich beim Hören in beeindruckender Weise, ohne daß es hier eines „Home-Entertainment-Equipments“ bedürfte – klanglich eine Produktion für musikbegeisterte Puristen und Genießer.

Dr. Benjamin G. Cohrs [03.06.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Knaifel Psalm 51 (50) für Violoncello
2 Amicta Sole (Clothed with the Sun)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Mstislaw Rostropowitsch Violoncello
Tatiana Melentieva Sopran
Glinka Choral College Chor
State Hermitage Orchestra Orchester
Arkady Shteinlukht Dirigent
 
472 0832;0028947208327

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