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CD-Besprechung

Benjamin Britten: Billy Budd op. 50 (Oper in zwei Akten)

Orfeo 3 CD C 602 033 D

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 17.03.04

Orfeo C 602 033 D

3 CD • 2h 42min • 2001

Benjamin Brittens siebtes Bühnenwerk „Billy Budd“, vieraktig in London uraufgeführt, 1960 zur zweiaktigen Fassung gestrafft, macht sowohl auf der Platte wie auf der Bühne eine beachtliche Spätkarriere. Existierte 30 Jahre lang lediglich eine vom Komponisten selbst dirigierte Studioproduktion der Zweitfassung (Decca), so brach Kent Nagano 1994 live eine Lanze für die Urfassung (Erato), während Richard Hickox sich 1999 im Studio wiederum für die Zweitversion entschied (Chandos). 2001 machte sich auch die Wiener Staatsoper mit einer Erstaufführung (in der vieraktigen Version) für das Werk stark, die jetzt als Livemitschnitt vorliegt.

An diesem Premierendokument beeindrucken vor allem die exzellenten Leistungen der drei Protagonisten: Bo Skovhus als Titelheld verkörpert stimmlich – und auch optisch – das Idealbild des naiv-unschuldigen Sonnyboys Billy, der der Intrige seines perfiden Gegenspielers John Claggart chancenlos ausgeliefert ist. Eric Halfvarson stattet diese abgrundtief schwarze Nachtgestalt mit aller Bedrohlichkeit eines Nachkommen von Verdis Jago aus. Seine beiden Kollegen an stimmdarstellerischer Intensität noch überragend: Neil Shicoff als Captain Vere, der sich damit eine weitere jener zerrissenen, zweifelnden Figuren erarbeitete, die inzwischen zu seiner Spezialität geworden sind. Die in düsteren Farben gehaltene, sinfonisch angelegte Partitur, die fast durchweg – nur durch wenige lichte Shanties unterbrochen – die lastende, hermetische Atmosphäre des Stücks evoziert und die größte Besetzung aller Britten-Opern fordert, wurde vom spannungsdichten Dirigat Donald Runnicles’ faszinierend umgesetzt. Runnicles und das blendend disponierte Orchester der Staatsoper überzeugten nicht durch auftrumpfende Akzente in den mächtigen forte-Steigerungen, sondern vielleicht noch mehr in den delikaten instrumentalen Details, mit denen Britten vielfältig konstratierende Stimmungen erzeugt: geisterhaftes Zwielicht im Prolog, elegische Verträumtheit in Billys Lullaby, hasserfüllte Drohgebärde in Claggarts Monolog.

Kurt Malisch † [17.03.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 B. Britten Billy Budd op. 50 (Oper in zwei Akten)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Neil Shicoff Edward Fairfax Vere
Bo Skovhus Billy Budd
Eric Halfvarson John Claggart
Robert Bork Mr. Redburn
Wolfgang Bankl Mr. Flint
David Cale Johnson Lieutenant Ratcliffe
John Dickie Red Whiskers
Geert Smits Donald
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper
Donald Runnicles Dirigent
 
C 602 033 D;4011790602325

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