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Besprechung CDHugo Alfvén

Hugo Alfvén

Symphony No. 5 • Festival Overture • Andante religioso
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Łukasz Borowicz

cpo 555 745-2

1 CD • 55min • 2023

19.10.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Bei der 2016 begonnenen Gesamtaufnahme der Symphonien des Schweden Hugo Alfvén (1872-1960) sind Łukas Borowicz und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin nun bei der 5. und letzten Symphonie angekommen. Allerdings fehlt noch die Vierte „Von den äußersten Schären“ mit Vokalsoli von 1919. Es ist unter Umständen eine kluge Entscheidung, den Zyklus mit dieser Spätromantik und Impressionismus bündelnden Meisterleistung zu beschließen und die Fünfte in der CD-Veröffentlichung um zwei früher vollendete Werke ergänzt zu haben. Denn Alfvéns letztes Wort zur Gattung der Symphonie in a-Moll op. 54 birgt einige Widerhaken, die auch in der vorliegenden Aufnahme nicht restlos überwunden werden können.

Ein erkämpftes Spätwerk

Im lesenswerten CD-Einführungstext von Stig Jacobsson wird das Ringen Alfvéns mit sich selbst ohne Umschweife beschrieben. Bis auf den 1942 einzeln (zum 70. Geburtstag des Komponisten) uraufgeführten ersten Satz die Vervollständigung der Symphonie folgte, vergingen zehn Jahre. Zitiert wird im Beiheft auch, dass Alfven sich kurz vor seinem Tod über den Kopfsatz zufrieden, über die übrigen Sätze aber völlig ungnädig äußerte und eigene Erkrankungen, ebenso wie seiner Frau, als Hindernisse beim Komponieren benannte. Wie so häufig bei großen, aber selbstkritischen Geistern erscheint der Anspruch des Künstlers an sich selbst freilich als hoch. Der erste Satz, in dem Alfvén auf Material aus der Ballettpantomime Der Bergkönig von 1923 zurückgegriffen hat, belegt, dass er wie Jean Sibelius auch als Komponist von Theatermusik einen starken Zugriff auf dramatische Effekte entwickelt hatte und diesen symphonisch zu nutzen verstand. Die düstere Grundstimmung, die Tempoumschwünge und Verarbeitung der musikalischen Themen bis hin zu gesteigerter Reprise und Coda sind in den 40er Jahren zweifellos schon stark aus der Zeit gefallen. Borowicz und das Orchester gestalten sie aber gerade in diesem retrospektiven Charakter mit hinreißender, gleichsam neo-romantischer Virtuosität.

Brüchiger Schönklang

Im zweiten Satz stellen sich allerdings tatsächlich Probleme ein, wenn man symphonische Kohärenz erwartet. Das Andante ist eher eine auf flächigen Streicherklängen aufbauende Konstruktion von Schönklang, die trotz aufbrausender und melodisch von den Bläsern weitergesponnenen Phrasen kein Ziel erkennen lässt. Hier ließen sich auch klarer konturierte Klänge vorstellen, die unter Borowicz auch aufnahmetechnisch primär weich und wohlartikuliert bleiben. Im dritten Satz, der sich mit der Todesmelodie im Xylophon wie ein Danse Macabre auch als Brechung des ersten deuten lässt, kommen die Kontraste wiederum gut zur Geltung. Leicht ratlos lässt einen schließlich das Finale in A-Dur zurück. Wieder greift Alfvén auf die Sonatenform zurück, aber anders als im Kopfsatz stehen die Teile eher nebeneinander, als dass sich ein musikalischer Fluss einstellt. Und wieder ist ein schönes Klangfarbenspiel des Deutschen Symphonie-Orchesters zu vernehmen, aber die Bruchstellen der Partitur werden weder überspielt noch hervorgehoben. Es bleibt fraglich, inwieweit dieses Werk Alfvéns gegenüber anderen einen Platz im Repertoire beanspruchen kann.

Gute Ergänzungen

Keine Frage werfen die beiden kürzeren Stücke auf: In der Festouvertüre op. 52 von 1944 für das Stadttheater Malmö wird man vom Humor Alfvéns geradezu angesprungen, vor allem beim Lied von den Bewohnern Schonens (Skåne län), das von zwei Fagotten angestimmt und vom ganzen Orchester farb- und schallkräftig übernommen wird. Beim Andante religioso aus der Offenbarungskantate op. 31 von 1913 stellt sich für vier Minuten in der Instrumentierung für Harfe, Celesta und Streicher eine meditative Stimmung ein, wie sie dem Komponisten im zweiten Satz der 5. Symphonie ein weiteres Mal vorgeschwebt haben mag. In ihrer ruhevollen Kompaktheit und der eindeutigen, nach oben gerichteten Bewegung stellt die frühere Komposition gleichwohl einen gelungenen Schlusspunkt der insgesamt erfreulichen Neueinspielung dar.

Dr. Sebastian Stauss [19.10.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Hugo Alfvén
1Sinfonie Nr. 5 a-Moll op. 54 00:41:20
5Fest-Ouvertüre op. 52 00:09:15
6Andante religioso op. 31 00:04:24

Interpreten der Einspielung

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