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Besprechung CDBeethoven

Beethoven

String Quartets Vol. 3
Doric String Quartet

Chandos CHAN 20320(2)

2 CD • 2h 35min • 2025

24.09.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Laut britischen Kritikerkollegen zählt das Doric String Quartet zu den bedeutendsten Quartettvereinigungen der Insel. Hier ist es – obwohl seit über 25 Jahren beieinander und mit einer ganzen Reihe von Aufnahmen beim Label Chandos vertreten – noch eher unbekannt. Anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums im Jahr 2023 entschlossen sich die vier Musiker Maia Cabeza, Ying Xue (Violine), Emma Wernig (Viola.) und John Myerscough (Violoncello) eine Aufnahme aller Beethoven-Quartette zu beginnen, bei denen sie jetzt bei der dritten, wohl vorletzten Folge angelangt sind. Anders als die meisten ihrer Kollegen gehen sie dabei nicht anhand der Schaffensperioden vor, sondern mischen in ihren Alben Kompositionen aus der Frühen mit solchen aus der Mittleren und Späten Schaffensperiode Ludwig van Beethovens.

Von Bach und Haydn über Mozart zur experimentellen Avantgarde

Beethovens D-Dur Quartett op. 18,3, das als erstes entstand, hat der Komponist geschickt in der Mitte des Zyklus versteckt, da es sich um das harmonisch avancierteste der Reihe handelt. Hier mag C. P. E. Bach, der ja nie um eine Modulation in entfernte Tonarten verlegen war und dessen Schaffen er durch seinen Lehrer Neefe und den Baron van Swieten kannte, Pate gestanden haben. Das Scherzo in Moll schlägt bereits eine Brücke in die Frühromantik, die ja stark von den Berlinern beeinflusst wurde.

Das dritte der Rasumowski-Quartette op. 59,3 bezieht sich in der Einleitung des Kopfsatzes auf Mozarts Dissonanzen-Quartett, die raffinierte Verschränkung von Sonatenhauptsatz und Fuge des Finales kann sowohl als Bezug auf Haydns op. 20 als auch auf J. S. Bach gedeutet werden.

Das Harfen-Quartett Es-Dur op. 74, das seinen Namen wegen der ausgiebigen Verwendung des Pizzicato im Kopfsatz erhielt, leitet bereits ins Spätwerk über. Hierbei sind besonders das Scherzo mit seiner Integration des Trios und das Variationen-Finale bemerkenswert, das bereits einen Vorgeschmack auf die späten Klaviersonaten gibt.

Die beiden späten Quartette könnten unterschiedlicher nicht sein. Opus 132 in a-Moll umschließt den zentralen Mittelsatz, der mit seinem Dankgesang in der lydischen Tonart einerseits dem Palestrina-Stil und der Choralbearbeitung huldig, andererseits die einzelnen Strophen jedoch durch zwei pastorale menuettartige Zwischensätze trennt, mit jeweils zwei schnellen Sätzen, von denen der Kopfsatz in seiner Zerrissenheit die Sonatenhauptsatzform geradezu atomisiert und das Finale, das eine gewissen Verwandtschaft zum treibenden Schlusssatz der Sturm-Sonate op. 31,2 und somit bereits hochromantische Züge aufweist. Dagegen fällt das kurze, humoristische F-Dur-Quartett op.135 spannungsmäßig ab.

Robuste Interpretation

Das Doric Quartet hat sich ganz offensichtlich mit der Aufführungspraxis für Streichinstrumente der Beethoven-Zeit auseinandergesetzt. Für die sechs Quartette op. 18 nutzt es sogar Kopien der um 1800 üblichen kürzeren und leichteren Bögen. Es kann es sich sogar erlauben, auf Vibrato zu verzichten, ohne dass die Intonation darunter leiden würde. Zwar stimmt es, dass damals weitaus mehr Portamenti verwendet wurden, allerdings wirken diese auf Darmseiten wesentlich dezenter. Hier fragt man sich gelegentlich, ob eine Katze bei der Aufnahme zugegen war. Die Tempi der schnellen Sätze sind durchweg an der Grenze des musikalisch noch Sinnvollen. Die Dynamik ist extrem gespreizt, allerdings fehlen mir hier oft die mittleren Stärkegrade. Häufig wechseln sich ein Pianissimo an der Grenze der Hörbarkeit und ein knalliges Fortissimo unvermittelt ab. Dies geht definitiv zulasten der Spannung. Ob man jedes Sforzato dermaßen herausknallen muss, ist meines Erachtens fraglich. Das passt bei Bartók und Schostakowitsch durchaus, ist bei Beethoven jedoch stilistisch grenzwertig. Dabei ist es sicherlich nicht falsch, bei einem einzelnen Quartett im Konzert dessen kantige Modernität herauszustreichen. Bei einer Doppel-CD wird es dann aber wiederum schnell langweilig.

Aufnahmetechnisch wurde die sehr weite Dynamik so gut eingefangen, dass man – zumindest des Abends – öfter nachkorrigieren muss, so man keinen Ärger mit den Nachbarn riskieren will. Der ausschließlich englische Booklet-Text William Drabkin ist von ausführlicher Exzellenz.

Fazit: Wer einen aufregenden, extremen, modernisierten exzellent gespielten Beethoven möchte, kann hier zugreifen. Persönlich werde ich bei den in ihrem Sog zwingenderen Aufnahmen das Alban-Berg-Quartetts, des Emerson-Quartets und des Quatuor mosaĩques bleiben.

Thomas Baack [24.09.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Streichquartett Nr. 3 D-Dur op. 18 Nr. 3 00:24:04
5Streichquartett Nr. 9 C-Dur op. 59 Nr. 3 00:30:05
9Streichquartett Nr. 10 Es-Dur op. 74 (Harfen-Quartett) 00:29:45
CD/SACD 2
1Streichquartett Nr. 15 a-Moll op. 132 00:43:27
6Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135 00:27:22

Interpreten der Einspielung

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