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Besprechung CDSonatamania Vol. 1

Sonatamania Vol. 1

Schumann & Brahms
Kathrin Isabelle Klein Piano

hänssler CLASSIC HC25010

1 CD • 73min • 2025

08.09.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Klassik Heute
Empfehlung

„Sonatamania“ heißt die neue Klavier-CD-Reihe von Kathrin Isabelle Klein, die beim Label hänssler erscheint. Die vielseitige Pianistin, die vor zwei Jahren ihr Konzertexamen ablegte und auch ein Philologie-Studium vorweisen kann, widmet sich hier den großen Sonaten der Klavierliteratur. Im ersten Band bringt sie zwei Sonaten, die man fast noch Jugendwerke nennen könnte, befanden sich doch ihre Schöpfer in ihren frühen Zwanzigern: die Sonate fis-Moll op. 11 von Robert Schumann und die Klaviersonate f-Moll op. 5 von Johannes Brahms.

Dabei wirkt der effektheischende „manische“ Albumtitel irritierend; für ein Qualitätslabel wie hänssler wirkt er fast schon banal. Zumal er in die Irre führt: Nie reduziert Kathrin Isabelle Klein ihre Interpretationen auf virtuoses Spektakel; sondern sie setzt, ganz im Gegenteil, eher auf intellektuelle Durchdringung als auf romantisches Pathos.

Klingende Liebeserklärung

Ihren Stellenwert in der Musikgeschichte haben die im Abstand von 18 Jahren entstandenen Sonaten, weil sie, auf unterschiedliche Weise, mit den klassischen Formen Beethovens brechen. Schumanns fis-Moll-Sonate op. 11 ist eigentlich eine verkappte Fantasie: Schumann verbindet die Sätze thematisch miteinander und integriert eigene Lieder – ein musikalischer Liebesbrief an Clara Wieck, seine zukünftige Frau, verfasst von seinen fiktiven Splitter-Persönlichkeiten, dem forschen Florestan und dem melancholischen Eusebius.

Für den Pianisten stellt der ständige, abrupte Wechsel zwischen stürmischer Raserei und verträumter Poesie eine Herausforderung dar. Kathrin Isabelle Klein kommt dabei ihre Fähigkeit zugute, feinste Klangschattierungen herauszuarbeiten. Mit bravouröser Präzision meistert sie dichte polyphone Texturen, verschachtelte Rhythmen und orchestrales Pathos. Sie legt enorme Ausdauer an den Tag und verliert dabei nie den roten Faden.

Verschleierte Sinfonien

Auch die Brahms-Sonate op. 5 hat Musikgeschichte geschrieben: Der junge Brahms spielte sie beim Antrittsbesuch im Hause Schumann in Düsseldorf. Robert Schumann verfasste einen begeisterten Text in der Neuen Zeitschrift für Musik und legte so die Weichen für den Ruhm seines jüngeren Kollegen.

Brahms sprengt hier die Grenzen der Sonatenform mit fünf Sätzen und orchestraler Wucht, so dass Schumann von „verschleierten Sinfonien“ sprach. Kathrin Isabelle Klein nähert sich dem visionären Frühwerk mit einer Balance aus strukturellem Scharfsinn und dramatischer Wucht. Sie spielt ungemein farbenreich und detailverliebt, verliert sich dabei jedoch nicht in den architektonischen Weiten Komposition.

In den monumentalen Ecksätzen entfaltet sie orchestrale Klangpracht. Im sehnsuchtsvollen Seitenthema hält sie durch feinste rhythmische Nuancen die Spannung aufrecht. Im Andante-Nachtstück zaubert sie eine natürliche, fast kindlich-reine Klangkultur ohne jegliche Sentimentalität. Markant, mit packendem rhythmischen Drive legt sie das Scherzo hin.

Im Finale fehlt es aber doch an Power. Die dumpfen „Trommelwirbel“ in der linken Hand wirken etwas zu zahm und schaffen es nicht, die elegischen Melodien zu erschüttern.

Die Kombination dieser Sonaten ist nicht besonders originell, da beide zum oft gespielten Kernrepertoire gehören. Dennoch lohnt die Aufnahme, da man mit Kathrin Isabelle Klein immer wieder Neues in dieser vielschichtigen Musik entdeckt. Der Pianistin gelingt ein frischer, klug durchdachter Blick auf diese Meilensteine der Klaviermusik, der von hänssler in erstklassiger Tonqualität eingefangen wurde.

Antje Rößler [08.09.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robert Schumann
1Klaviersonate Nr. 1 fis-Moll op. 11 00:34:57
Johannes Brahms
5Klaviersonate Nr. 3 f-Moll op. 5 00:38:17

Interpreten der Einspielung

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