Ercole Nisini
La musica degli angeli
Genuin GEN 26965
1 CD • 38min • 2025
11.09.2026
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Gesamteindruck:![]()
Der italienische Komponist Ercole Nisini lässt sich von Alter Musik und historischer Aufführungspraxis inspirieren. Seine Neukompositionen führt er mit dem sechsköpfigen „Ercole Nisini Ensemble“ auf, das er von der Renaissance-Posaune aus leitet. Hier vereinen sich neben dem Namensgeber der Tenor Wolfram Lattke sowie Musiker an Theorbe, Harfe, Orgelpositiv und historischem Schlagwerk. 2024/25 wurde Nisini als Artist in Residence auf das mecklenburgische Gut Hohen Luckow eingeladen. Dort steht ein prachtvolles Herrenhaus aus dem frühen 18. Jahrhundert, in dessen Rittersaal vorliegendes Album aufgenommen wurde. In vier neobarocken Kompositionen erweckt Nisini die Stuck-Figuren an den Wänden und Decken von Gut Hohen Luckow zu neuem Leben. Er verwendet dabei barocke Formen als kreatives Sprungbrett und verbindet sie mit heutigen Rhythmen und Akkordfolgen.
Mecklenburgische Landschaften
Das Stück Vier Embleme widmet sich dem Rittersaal, den Dutzende von symbolischen Bildern mit erhebenden Sinnsprüchen zieren. Wolfram Lattke, der sich als Mitglied des Vokalensembles amarcord einen Namen gemacht hat, singt hier Verse aus der Zeit um 1600, in verschiedenen Sprachen. Er überzeugt mit Ausdrucksintensität, Klarheit und makelloser Textverständlichkeit; seine ätherische Stimme wirkt tatsächlich wie Engelsgesang. Allerdings würde man sich einen Abdruck der Texte im Booklet wünschen.
Auch die Jahreszeiten-Allegorien an der Decke des Rittersaales inspirierten Ercole Nisini zu einem kleinen Zyklus. Hier wird der Posaunenklang zum Herbstwind; winterlicher Regen geht mit raffinierten Polyrhythmen einher. Die sommerliche Hitze während der Siesta beschwört Nisini im getragenen Fünfvierteltakt herauf. Er spielt dazu eine ausschweifende, jazzig anmutende Melodie.
Der Klang seiner Renaissance-Posaune verschmilzt geschmeidig mit den anderen Musikern. Nisini beherrscht das schwierig zu intonierende Instrument perfekt. Er führt saubere Linien und artikuliert präzise. Gemeinsam mit mit seinen Musikerkollegen bildet er ein spielfreudiges, farbenfroh agierendes Ensemble.
Stuck-Putti verewigte Nisini in seinem „Engelstanz“. Peter Kuhnsch am historischen Schlagwerk verpasst den barocken Ostinati einen modern anmutenden, jazzigen Groove.
Jazzige Engel
Eine Wand zeigt gar ein komplettes Kammerorchester aus musizierenden Engeln; dazu ein dirigierender Sänger mit einem Notenblatt. Nisini schrieb dazu seine dreiteilige Komposition Musizierende Engel. Der erste Teil erinnert an einen Choral; der zweite ist eine elegische Chaconne. Die finale Melodie für die Ewigkeit führt harmonisch ins Heute.
Das originelle Album verbindet barocke Architektur und Musik mit der Gegenwart. Allerdings kommt das ortsgebundene Konzept auf CD nicht ganz zur Geltung. Ohne die Säle von Hohen Luckow vor sich zu sehen oder zumindest zu kennen, fehlt ein entscheidender Teil dieses Gesamtkunstwerks. Dennoch sorgt das Ercole Nisini Ensemble für ein großes Hörvergnügen.
Antje Rößler [11.09.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Ercole Nisini | ||
| 1 | La musica degli angeli | 00:37:49 |
Interpreten der Einspielung
- Wolfram Lattke (Tenor)
- Thor-Harald Johnsen (Theorbe, Chitarra)
- Peter Kuhnsch (Schlaginstrumente)
- Zita Mikijanska (Truhenorgel)
- Johanna Seitz (Harfe)
- Ercole Nisini (Posaune, Leitung)

