Wilhelm Berger
Clarinet Trio op. 94 • Cello Sonata op.28 • Scherzo
Paul Meyer • Wen-Sinn Yang • Oliver Triendl
cpo 555 471-2
1 CD • 65min • 2021
24.08.2026
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Klassik Heute
Empfehlung
Wilhelm Berger (1861-1911), den man nicht mit seinem schwedischen Zeitgenossen Wilhelm Peterson Berger verwechseln sollte, war als Chef der vor allem durch ihre Nähe zu Brahms berühmten Meininger Hofkapelle der Nach-Nachfolger von Richard Strauss und durch seinen frühen, plötzlichen Tod der Vorgänger von Max Reger. Oliver Triendl, der ja immer für eine gelungene Ausgrabung bürgt, Paul Meyer, dem wir die hinreißenden Aufnahmen der Stamitz-Klarinettenkonzerte verdanken, widmen sich gemeinsam mit dem Cellisten Wen-Sinn Yang dem elegischen späten Klarinettentrio op. 93, der Cellosonate op. 28 des Achtzehnjährigen und einem posthum überlieferten Scherzo,
Ein Frühbegabter unter den „Berliner Akademikern“
Unter die „Berliner Akademiker“ werden in der Musikgeschichtsschreibung in der ersten Generation Woldemar Bargiel und Friedrich Kiel gerechnet, die beide Lehrer Wilhelm Bergers waren. Zur zweiten Generation zählen Max Bruch, Heinrich von Herzogenberg und eben Berger selbst. Dieser begann bereits als Neunjähriger zu komponieren, trat mit 14 erstmalig öffentlich als Pianist auf und studierte ab dem 17. Lebensjahr bei Friedrich Kiel (Kontrapunkt sowie Komposition) und dem Moscheles-Schüler Ernst Rudorff (Klavier). Letzteres offenbar so erfolgreich, dass er ab 1888 selbst eine Klavierklasse am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium übernehmen konnte. Von seinen Klavierkompositionen verdienten die mittelschweren Aquarellen op. 23 und die monumentalen Variationen und Fuge op. 91 – ein Pendant zu den Bach-Variationen Regers – erneute Beachtung 1903 wurde er als Hofkapellmeister nach Meiningen berufen.
Das Klarinettentrio entstand – wie auch dasjenige von Brahms, dessen Klarinettenquintett und seine beiden Klarinettensonaten – für den Meininger Hofklarinettisten Richard Mühlfeld. Es steht in der Tonsprache zwischen Brahms und Reger, ist – bis auf das Finale – lyrisch-elegischen Charakters. Als klanglich äußerst reizvoll erweist sich die Führung von Klarinette und Cello in Oktaven, die zudem einen dichten Klaviersatz ermöglicht, ohne selbst unterzugehen.
Die Cello-Sonate, die aus dem Nachlass als op. 28 veröffentlicht wurde, sollte man als Alternative zu den Sonaten von Brahms und Richard Strauss durchaus im Auge behalten.
Kongeniale Interpretation
Oliver Triendl, Paul Meyer, der aus Frankreich stammt und nicht mit Sabine verwandt ist, und Wen-Sinn Yang legen fein ausgehörte Interpretationen vor. Diese attraktiven Werke der Spätromantik kann man in ihre kontrapunktischen Verästelung kaum transparenter und emotional kaum intensiver, aber ohne jegliche Übertreibung musizieren. Exzellent!
Auch hat die Tontechnik des Bayerischen Rundfunks alles richtig gemacht. Der sehr detaillierte und höchst informative Booklet-Text von Oliver Fraenzke rundet den hervorragenden Eindruck zusätzlich ab.
.Fazit: Unbekanntes einer sich noch an den klassischen Formen orientierenden Spätromantik. Freunde der Kammermusik von Schumann und Brahms sollten sich diese Kompositionen keinesfalls entgehen lassen. Definitiv empfohlen!
Thomas Baack [24.08.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Wilhelm Berger | ||
| 1 | Trio g-Moll op. 94 für Klarinette, Violoncello und Klavier | 00:35:49 |
| 5 | Sonate d-Moll op. 28 für Violoncello und Klavier | 00:26:07 |
| 8 | Scherzo für Violoncello und Klavier | 00:03:10 |
Interpreten der Einspielung
- Paul Meyer (Klarinette)
- Wen-Sinn Yang (Violoncello)
- Oliver Triendl (Klavier)
