Boris Papandopulo
Symphony No. 2 • Vrzino Kolo
Emilia Rukavina • Martina Filjak • Rijeka Symphony Orchestra • Valentin Egel
cpo 555 618-2
1 CD • 63min • 2023
13.07.2026
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Gesamteindruck:![]()
Klassik Heute
Empfehlung
Boris Papandopulo (1906–1991), in Honnef am Rhein geboren und Sohn der berühmten kroatischen Opernsängerin Maja Strozzi, zog nach dem Tod des griechischstämmigen, russischen Vaters 1908 nach Zagreb. Auf Vermittlung Strawinskys studierte er in Wien und wurde schnell ein erfolgreicher Komponist und Dirigent. Wieder in der Heimat, bekleidete er wichtige Positionen im Musikleben Zagrebs, war jedoch auch öfters in beiden Teilen Deutschlands zu Gast.
Packende 2. Symphonie ohne Leerlauf
Die fünf Sätze der 2. Symphonie, 1946 uraufgeführt, tragen Titel einer dem Sozialistischen Realismus folgenden Teleologie, die eine Art Aufbruchstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg evozieren soll: 1. Der Weg ins Leben, 2. Resignation, 3. Vision, 4. Lyrisches Intermezzo und 5. Schritte der Freiheit. Dass diese Programmatik zwar die geforderte Staatsräson bedient, mit der Musik selbst jedoch nicht allzu viel gemein hat, beweist allerdings schon die Tatsache, dass das durchaus heterogene Material von drei Sätzen Jahre älteren Werken entspringt. Wie in Berlioz’ Symphonie fantastique sorgt dabei bereits das einleitende Oboenmotiv für zyklische Einheit. Insgesamt sind die Charaktere in dieser schon durch seine exzellente Orchestrierung beeindruckenden Symphonie vielschichtig, obwohl Papandopulo noch weitgehend formalen Vorgaben des 19. Jahrhunderts folgt. Es gibt stets sehr konsequent aufgebaute Spannungskurven, die nie langweilen, etwa eine meisterhafte Durchführung im Kopfsatz, dafür keinerlei rhythmischen Leerlauf, wie man ihn vom teilweisen Einheitsbrei gleichaltriger Gattungsbeiträge russisch-stalinistischer Prägung her kennt – ein großartiges Werk.
Bestens aufgelegte Musiker aus Rijeka
Das Symphonieorchester Rijeka, ebenfalls verantwortlich für das dortige Kroatische Nationaltheater, spielt unter seinem aus Südbaden stammenden Generalmusikdirektor Valentin Egel (Jahrgang 1994) mit vollstem Engagement. Insbesondere die solistischen Holzbläser gefallen in jeder Beziehung. Auch der Dirigent hat offenkundig einen besonderen Draht zur Musik Papandopulos: Leidenschaft, Sinn für die differenzierten Orchesterfarben einerseits, aber ebenso für die großen musikalischen Zusammenhänge und Spaß an origineller, oft unwiderstehlicher Rhythmik lassen von der ersten Sekunde an aufhorchen. Man verliert als Hörer nie den Faden bei derart natürlichem Musizieren. Auch die Aufnahmetechnik macht hier anständig mit.
Ein noch verkannter Kracher für Klavier und Orchester
Nachdem sich die jugoslawische Kulturszene ab Anfang der 1960er Jahre weitgehend von sowjetischen Dogmen befreit hatte – Beispiel: Musik-Biennale Zagreb – wurde Papandopulo ebenfalls experimentierfreudiger. Neben nach wie vor vorhandenen folkloristischen Einflüssen fließen nun auch insbesondere Jazz-Elemente und solche aus der Dodekaphonie mit ein, alles in einer bewundernswert individuellen Handhabung. Das merkt man dann beim gut viertelstündigen symphonischen Scherzo für Klavier und Orchester Vrzino kolo (Hexenreigen) von 1970. Das an alter Volksmythologie orientierte Stück arbeitet mit zwölftönigen Strukturen, obwohl es zugleich die Tonalität nie ganz verlässt und ist absolut fantastisch orchestriert. Auch der Solopart ist höchst anspruchsvoll und bettet die Solistin (ausgezeichnet: Martina Filjak) als spezifische Klangfarbe voll ein. Vielleicht haben die Pianisten das Stück noch nicht so ganz für sich entdeckt, weil sie hier über weite Strecken mit beiden Händen unisono spielen müssen. Dennoch wirkt das Klavier eben nicht wie ein stures Perpetuum mobile, sondern bringt ständig neue, überraschende Facetten. Insgesamt erweist sich Papandopulos Hexenreigen als echter Kracher, der den Hörer begeistert; fast ein Nachfahre wilder symphonischer Dichtungen wie Francks Le chasseur maudit oder Les Djinns, freilich in ganz modernem Klanggewand. Diese wohl bislang beste Einspielung der dem kroatischen Komponisten gewidmeten Reihe auf cpo verdient eine klare Empfehlung.
Martin Blaumeiser [13.07.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Boris Papandopulo | ||
| 1 | Sinfonie Nr. 2 | 00:47:17 |
| 6 | Vrzino Kolo für Klavier und Orchester | 00:15:23 |
Interpreten der Einspielung
- Emilia Rukavina (Mezzosopran)
- Martina Filjak (Klavier)
- Rijeka Symphony Orchestra (Orchester)
- Valentin Egel (Dirigent)
